Valentinstag – von einem keuschen Märtyrer und einer liebesglühenden Göttin

Februata-kleinHeute ist also Valentinstag!
Dieser soll auf den Heiligen Valentin zurückgehen, der – wie könnte es anders sein – natürlich ein Märtyrer war. So er tatsächlich gelebt hat. Was vielfach angezweifelt wird. Die Existenz eines Valentins, Bischof von Terni ist in ihrer historischen Beweisführung derart kompliziert, dass es mindestens drei Theorien über die Existenz seiner Person gibt.
Wie auch immer. Warum aber soll gerade ein Märtyrer der Schutzpatron für Verliebte sein? Weil Liebe letztendlich immer ein Martyrium ist? Nein, natürlich nicht. Valentin soll Verliebte trotz des Verbots durch Kaiser Claudius II. christlich getraut haben. Was letztendlich der Grund für seine Hinrichtung war – die am 14. Februar 268 vollstreckt wurde. Seltsam, dass dieses grausame Ereignis heute gefeiert wird, indem man fröhlich Blumen und Bonbonieren verschenkt und kleine Liebesbotschaften übermittelt. Tja!?
Wie so oft steckt natürlich auch hier ein viel älterer Brauch dahinter, den die katholische Kirche mit der Einführung eines (erfundenen) Heiligen für sich beanspruchte. Nicht schwer zu erraten – lange vor Valentin wurde Mitte Februar im Alten Rom eine Göttin gefeiert:
Juno Februata!

Die Freude über die „Vögel-Paarung“

Bereits im Alten Rom wurde beobachtet, dass Mitte Februar die Vögel ihre Paarungszeit beginnen. Das war für die Menschen nicht nur ein deutliches Zeichen für den sexueller Interaktionen. Die Freue darüber war eigentlich viel profaner: Wenn Vögel sich paaren, dann gibt es bald Eier. Und die waren nach einem entbehrungsreichen Winter sehr wertvolle Eiweißlieferanten im kargen Nahrungsmittelangebot des zu Ende gehenden Winters.
Als Freude und zum Dank dafür wurden der Göttin Juno Februata die ersten zarten Frühlingsblumen als Weihegaben dargebracht. Und da jede Frau als Vertreterin der Göttin galt, haben ihnen die Männer angeblich schon damals Blumen geschenkt.
Der gesamte Februar galt als heiliger Monat der Göttin Juno, die in ihrer Ausprägung der Juno Februata lustvoll gefeiert wurde – und zwar mit den Lupercalia – dem „Fest der Wölfin”.

Die sinnliche Kraft der Wolfsmutter

Mittelpunkt dieses Festes, das bis in die Spätantike gefeiert wurde, war die Lupercal-Grotte, jener Ort, wo nach der Überlieferung die Göttin Acca Larentia, die meist als Wölfin dargestellt wird, die Zwillinge Romulus und Remus gesäugt hatte. Speziell Frauen haben – der Überlieferung nach – die Wiederkehr des Lebens nach dem langen Winter ausgiebig gefeiert und dabei soll auch das eine oder andere erotische Spiel ausprobiert worden sein.
Dazu schrieben die Damen auf kleinen Papyrusstreifen ihre Namen und warfen sie in einen Kelch. Aus diesem konnten Männer jeweils einen Zettel ziehen. Die beiden gingen darauf hin eine vorübergehende Beziehung ein, die vor allem dafür da war, in großer spiritueller Sinnlichkeit die Urkraft der Schöpfung zu feiern, die in der ekstatischen Liebesumarmung ihren höchsten Ausdruck fand.
Wenn von beiden gewünscht, konnte sich die erotische Beziehung über die Dauer eines Jahres ausdehnen. Sie galten dann als temporär verheiratet – bis zu den nächsten Lupercalia. Nicht selten entstanden daraus auch lang andauernde feste Partnerschaften.

Der keusche Mann und die Liebeszauber

Natürlich gefiel dieses Fest der sexuellen Freizügigkeit mit seinen orgiastischen Riten den Kirchenmännern nicht. Daher wurde es vorerst in ein Marienfest umgewandelt. Diese schien allerdings auch noch zu sehr an die weibliche Göttin Februata zu erinnern. Um ganz sicher zu gehen wurde daher der „Märtyrer Valentin“ erfunden, der die Göttin zu ersetzen sollte. Dieser ist übrigens wegen seiner obskuren, nicht nachvollziehbaren historischen Wurzeln schon längst wieder aus dem Kreis der Heiligen eliminiert und aus dem liturgischen Kalender der katholischen Kirche gestrichen.

Zu Ehren des Valentin sollten auf die Papyrusstreifen fortan kurze Predigten oder heilige Sprüche geschrieben werden. Die Menschen fanden allerdings schnell wieder zu den alten „Liebesbriefchen“ zurück und begingen die alten Rituale weiterhin unverdrossen. Auch wenn sich Valentin als Name durchgesetzt hat, der im übrigen eine Weiterbildung vom lateinischen „valens“ ist, was „der Gesunde“ oder „der Starke“ bedeutet. Wogegen ja nichts einzuwenden ist.
Noch im Mittelalter wurden in Frankreich und Belgien „Valentin“ und „Valentine“ durch das Los bestimmt, die dann ein Jahr miteinander lebten und der (an sich keusche) heilige Valentin wurde in vielen Gegenden bei Liebeszaubern und bei der Zubereitung von Liebestränken angerufen.
Die römische große Muttergöttin Juno wurde als Juno Februata nicht nur für ihre Kraft der Sinnlichkeit und Gabe des glühenden Liebesfiebers verehrt (der Name der Göttin leitet sich ja vom lateinischen Wort “febris” ab, was Fieber bedeutet). Sie galt auch als besondere Lichtgestalt. Denn mit dem Februar wird es wieder heller und damit verbunden erwachen in der Natur und so auch bei den Menschen neue Lebensenergien sowie Frühlings- und Liebes-Gefühle.

Mit der recht abgespeckten Form des Blumen-Verschenkens haben sich die Lupercalia zu Ehren der Göttin im übertragenen Sinne bis heute gehalten. Sinnlichkeit und Erotik und beginnende Frühlingsgefühle lassen sich halt einfach nicht austreiben, schon gar nicht mit einer Märtyrer-Geschichte.

Und vielleicht fällt der eine oder dem anderen heute am 14. Februar im Zeichen der Göttin Juno Februata einiges andere erfreulich Überraschende ein als die ewigen Blümchen und Pralinen  …..
Viel Vergnügen dabei ;o)

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