Europatag – ich feiere die Göttin!

europaDemnächst Europawahlen, gerade wird beim Song Contest Europas bestes Lied gewählt, heute, am 9. Mai ist Europatag.
Was wird hier gefeiert?
Irgendein Gedenktag zur Gründung der Produktionsgemeinschaft für Kohle und Stahl.
Egal.
Ich feiere die Göttin! Denn das ist Europa – die Urmutter des gesamten europäischen Kontinents, dem sie auch ihren Namen gibt.
Eine der vielen mythologischen weiblichen Figuren, über die eine patriarchale Geschichte gestülpt wurde.
Ursprünglich war Europa eine kretische Muttergöttin. Bekannt von ihr ist vor allem die Geschichte mit Zeus als Stier.
Weniger bekannt ist die Tatsache, dass Europa schon lange vor dieser Episode in Kreta als Mondgöttin verehrt wurde. Das wissen die wenigsten.
In der männlichen Geschichtsschreibung werden weibliche Figuren halt immer dann interessant, wenn sie in Beziehung zu einem Mann gesetzt werden können.
Europa soll einen Zauberspeer besessen haben, der niemals sein Ziel verfehlte. Ihr Diener war ein Mondstier, auf dem sie nächtens ausritt. Die Hörner des Stiers gelten als Mondsymbol, der Stierkopf mit Hörnern wird auch als Gebärmutter mit den Eileitern und Eierstöcken identifiziert. Und daher wird mittlerweile auch angenommen, dass es sich bei dem „kretischen Stierkopf“ eigentlich um den Kopf eines weiblichen Tieres handelt, weil ja auch Kühe Hörner tragen.

Sieht man die Göttin auf dem Tier reiten, so ist von dessen kräftigen Körperbau klar, dass es sich um einen Stier handelt.
Was bedeutet das? Vermutlich den Triumph der Mondgöttin über den Sonnengott (als Stier dargestellt), den sie reitend beherrscht.

Dem Mythos nach schützte ein riesiger Krieger aus Messing ihre Insel Kreta.
Doch die patriarchalen Athener drangen in die matriarchal strukturierte Insel Kreta ein. Da nutzte leider auch der Messingkrieger nichts, da die Festlandgriechen bereits das Handwerk der Metallurgie erfunden haben und damit Eisenwaffen herstellen konnten. Damit konnte die matriarchale Insel Kreta, die keinerlei Befestigungsanlagen besaß und die über eine Zeitstrecke von rund 3000 Jahren friedlich mit den benachbarten Ländern und Menschen gelebt hatten, gute Handelsbeziehungen und einen befruchtenden Austausch von Wissen hatten, leicht eingenommen werden.

Schon sehr interessant, dass am heutigen Europa-Tag, die Gründung der „Stahlgemeinschaft“ gefeiert wird. Also damit eigentlich auch der Triumph der einfallenden patriarchalen kriegerischen Stämme mit ihrer Metallurgie und den Waffen aus Eisen. Vermutlich wird auch bei den vielen Feierlichkeiten anlässlich des heutigen Europatages von der alten Mondgöttin und der friedlichen minoischen Kultur kaum die Rede sein.

Jedenfalls kam mit den athenischen Festlandgriechen auch deren Götterpantheon, allen voran Zeus mit.

Die ursprünglichen kretischen Muttergöttinnen, wie Europa und auch Hera wurden in diesen olympischen Pantheon einverleibt und zur Gemahlin bzw. Gespielin von Zeus umfunktioniert. Ganz ausrotten konnten eindringende Völker und Religionen die alten angestammten Muttergottheiten nie, weil diese im Glauben des Volkes zu sehr verankert waren. Allerdings wurde vielfach ihr Wirkungskreis geschmälert, sie wurden lächerlich gemacht, umgedeutet oder sie wurden Untertaninnen eines Vatergottes.
So auch Europa, die von nun an in der Geschichtsschreibung als Tochter des phönikischen Königs Agenor und seiner Frau Telephassa dargestellt wurde. Damit nahm man ihr nicht nur ihren Status als Große Göttin sondern auch ihr ursprüngliches Territorium – Kreta. Die patriarchal erzählte Geschichte berichtet von einem Traum, in dem Europa von Zeus den Auftrag bekommen haben soll, ihre „Heimat” (= Phönizien – ein Land auf dem Gebiet der heutigen Staaten Libanon und Türkei) zu verlassen und in das Land „gegenüber” zu ziehen.
Zeus verwandelt sich in einen Stier und machte sich auf den Weg nach Phönizien.
Dort soll er beim Baden die schöne Europa „verführt“ (wohl eher vergewaltigt) haben und dann auf seinem Rücken über das Meer nach Kreta gebracht haben. Was beweisen sollte, dass er zuerst auf Kreta war und nicht die alte kretische Mond- und Muttergöttin Europa. Mit diesem Mythos sollte die Jahrtausende lange matriarchale Geschichte und die der Göttinnen von Kreta ausgelöscht und durch die der Männer mit ihrem Vatergott ersetzt werden.

Diese Geschichte von Verführung und Vergewaltigung, von Niederwerfung der weiblichen Kultur steht also am Beginn unseres Kontinents, der einen Göttinnen-Namen trägt. Und das spüren wir noch heute. Gruselig, findet ihr nicht auch?

Klar ist damit allerdings auch: Europa ist eine Frau!
Und damit ist auch ihr Kontinent weiblich.
Und das sollten wir uns bewusst machen und heute, am Europatag, die Göttin und alle europäischen Frauen feiern!

 

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Eine Antwort zu Europatag – ich feiere die Göttin!

  1. Runa Phaino schreibt:

    Sehr schön! Vielen Dank für diesen Beitrag! Übrigens haben die Merowinger einen ganz ähnlichen Gründungsmythos, wie ich neulich lesen durfte. https://de.wikipedia.org/wiki/Merowinger

    Faszinierend, oder?

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