Gedanken zum Silvester

Anna Perenna

Anna Perenna – Neujahrsgöttin im Alten Rom

Der Jahreswechsel vom 31. Dezember auf 1. Januar ist ja ein willkürliches Datum.
In anderen Kulturen, die die Zeit messen und daher auch einen Fixpunkt festgelegt haben, wann wieder alles von Neuem beginnt, gibt es für den Beginn des Neuen Jahres andere Termine. Diese richten sich vor allem nach Jahreszeitenwechsel, nach Sternenkonstellationen oder Mondzyklen.

Im Alten Rom wurde der Jahresbeginn an den Iden (d. h. am 15. Tag des Monats) des März (lat. Martius) festgesetzt, einem Termin, an dem die Natur wieder zu neuem Leben erwacht und das „Neue“ deutlich zu spüren ist.
Daher wurden zu Ehren der Göttin Anna Perenna Feiern unter freiem Himmel abgehalten. Ihr Name leitet sich vermutlich von lat. anus („alte Frau”) oder von annus („Jahr”) und perennis („ewig”) ab und bedeutete auch „stets wiederkehrendes Jahr“.
Sie ist die Großmutter der Zeit, gilt als Mutter der Aeonen, ist für Alpha & Omega (Anfang & Ende) zuständig und damit auch die Göttin des Jahreswechsel.

Jahreswechsel im Frühling, im Herbst oder sonst irgendwann im Jahr

Ebenfalls im Frühling wird im Iran, Afghanistan, Tadschikistan (auch bei Völkern in Anatolien, dem Kaukasus und Pakistan) No-rouz („Neuer Tag“) gefeiert – nach dem Beginn des altpersischen Sonnenjahres, das bis auf Zarathustra zurückgeht.
Dieses Neujahrsfest zu Frühlingsbeginn (21. März) wurde lange beibehalten und noch jetzt gefeiert. Im Iran dauern die Feierlichkeiten zu No-rouz 13 Tage

In der restlichen moslemischen Welt beginnt das Jahr immer nach dem Monat, in dem die Hadsch (Pilgerfahrt) stattfindet.
Nach gregorianischem Kalender wird das islamische Neujahr 2015 am 14. Oktober (1437 n.H.) begangen.

Das Jahr ist zu Ende, wenn Ruhe einkehrt

Hel

Hel – alles kehrt zu ihr zurück, bevor der Zyklus neu beginnt

In keltischen Gebieten und nach der alten keltischen Mythologie ist Samhain (die Nacht vom 31. Oktober auf 1. November) der Stichpunkt, an dem die allerletzte Ernte abgeschlossen ist und alles in die Ruhephase geht.
Wenn alle Natur in die Erde (als Sinnbild dafür steht oft die Göttin Hel) zurückkehrt, um in ihr zu ruhen, dann wurde das als Beginn eines neuen Jahres, eines neuen Zyklus angesehen.

Im Buddhismus wurde als Jahresbeginn der zweite Neumond nach der Wintersonnenwende festgesetzt. Das chinesische und auch vietnamesische Neujahrsfest findet daher zwischen dem 21. Januar und dem 21. Februar statt.
Im Jahr 2015 ist das (gerechnet nach unserem Kalender) der 19. Februar, da beginnt das Jahr des Holz-Ziege.

Das tibetische Neujahrsfest Losar richtet sich ebenfalls nach dem Lunisolarjahr, wird aber meist 4 Wochen später begangen.

Der Jahresbeginn des Maya-Kalenders wird durch eine Galaktische Konstellation, (Konjunktion von Sonne, Erde, Sirius) berechnet und ist üblicherweise im Sommer. Im Jahr 2015 ist dies der 25. Juli.

Mit den Chongmyo Zeremonien wird traditionell in Korea am 1. Mai das Neujahr begonnen.

Geburtstag von Adam, Todestag von Papst Silvester

In der jüdischen Welt wird Rosch Haschana (Kopf des Jahres) am 1. und 2. Tag des jüdischen Kalendermonats Tischr(e)i gefeiert.
Laut Talmud ist Rosch ha-Schana der Beginn und in der Folge Jahrestag der Weltschöpfung, steht aber auch für den Jahrestag der Geburt Adams. Das nächste Mal findet das jüdische Neujahr nach dem gregorianischen Kalender am 14. September 2015 statt.

Im gregorianische Kalender, nach dem wir unsere Zeit einteilen, wurde im Jahr 1582 der letzte Tag des Jahres vom 24. Dezember auf den dem 31. Dezember verlegt.
Warum gerade dieser Tag?
Wir begehen damit den Todestag des Papstes Silvester I., der am 31. Dezember des Jahres 335 gestorben ist.

Zwischen Vergangenheit und Zukunft

Doch egal, was die Begründung für genau dieses Datum des Jahreswechsels ist – dieser Termin hat als Übergang einer alten zu einer neuen Zeitperiode immer sein Geheimnis, seine Symbolik und seine Feste und Zeremonien – je nach der zugrunde liegenden Weltanschauung.

Man spürt so etwas wie einen Hauch der „Ewigkeit“.
Erscheint uns das „Jetzt“ sonst vielleicht klein und unbedeutend zwischen der langen Spanne der bekannten Vergangenheit und der unbekannten Spanne der Zukunft, so kann es in dieser speziellen Stunde des Wechsels noch am deutlichsten gespürt werden.
Und schließlich ist dieses „Jetzt“ auch alles, was wir haben – als Zwischenraum zwischen Alt und Neu, zwischen Gestern und Morgen, zwischen Einatmen und Ausatmen.

Hier haben Menschen schon immer ihre Einbindung in das Universum und seine vermutete Ewigkeit spüren können.

„Rutschen“ mit roter Unterwäsche

Und seit jeher versuchen Menschen zum Jahreswechsel mit Glücksbringern, Orakeln und Glückwünschen in die Zukunft zu sehen bzw. diese auf magische Weise positiv zu gestalten

Die römische Göttin Anna Perenna kann in die Zukunft sehen, die Vergangenheit überblicken und weiß alles über das Hier und Jetzt – sie wurde daher in Orakeln gefragt und beschworen.

Unsere Silvesterbräuche wie Lärmen, Krachen, Böller mit viel Rauch abzuschießen sind Fragmente von alten Rauhnachtsbräuchen, in denen man Lärm und Rauch „böse Geister“ vertreiben wollte, von denen man annahm, dass sich diese in den sogenannten „Unternächten“ nah an die Häuser der Menschen heranwagten.
Auch das Alte, Unbrauchbare, Unaktuelle soll damit vertrieben und nicht in das Neue Jahr mitgenommen werden.

Allerlei Riten und Mythen haben sich in oft veränderter Form in die Jetztzeit herüber gerettet. Wir deuten allerlei aus gegossenem Blei, verschenken Glücksklee und essen spezielle Glück bringende Speisen in der Silvesternacht. In Italien und anderen südlichen Ländern tragen die Frauen rote Unterwäsche in der letzten Nacht des Jahres, das soll Glück, Lebenskraft und Fruchtbarkeit für das kommende Jahr bringen.

Wenn wir uns einen „guten Rutsch“ wünschen, hat das übrigens nichts mit einem Hinüberrutschen ins neue Jahr zu tun. Der kommt „Rutsch“ vom hebräischen Wort „Rosch“, was soviel wie „Jahresanfang“ bedeutet.

Das Wort „Prosit“ wiederum ist lateinisch und bedeutet übersetzt: „Es möge gelingen.“

Das wünsche ich auch allen LeserInnen meines Blogs.

Herzlichst

Andrea Dechant

 

Mehr Info zu den erwähnten Göttinnen: Anna Perenna, Hel

Bilder: artedea.net

Der Silvester, wie wir ihn am 31. Dezember feiern, liegt mitten in den Rauhnächten
Mehr zu den Mythen, Bräuchen und Geheimnissen der Rauhnächte gibt es im artedea-E-Book “Göttinnen-Rituale für die Rauhnächte – Wie du kraftvoll und magisch mit der Percht ins Neue Jahr springst”

 

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2 Antworten zu Gedanken zum Silvester

  1. Arabella schreibt:

    Für deinen Artikel danke ich dir sehr.

  2. Roswitha Haala schreibt:

    Herzlichen Dank Andrea! Wie immer höchst interessant!
    Mein Neujahr beginnt seit geraumer Zeit mit Frühlingsanfang.
    Nichtsdestotrotz möge 2015 bereits ab Januar KULT_URig Ur_KULTig GALAKtisch werden!

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