Equal Pay Day – Frauen arbeiten 3 Monate gratis

Hand Holding Euro NotesSusi und Kurti sind gleich alt, haben die gleiche Ausbildung, haben beide bislang die gleich lange Berufstätigkeit und einen Job, in dem sie die gleiche Verantwortung und die gleichen Aufgabengebiete haben.
Quizfrage: Was unterscheidet die beiden? Susi ist eine Frau und Kurti ist ein Mann.
Kurti hat am 31. 12. 2014 soviel verdient, wie Susi heute – am 31. März 2015.

Das ist das, was am „Equal Pay Day“ veranschaulicht werden soll.
In Österreich verdienen Frauen statistisch gesehen um knapp 24 % weniger als Männer. Daher müssen Frauen pro Jahr trotz einer oft besseren Ausbildung um 90 Tage mehr arbeiten, um gleich viel zu verdienen wie Männer.
Frauen verdienen nicht nur in Österreich, sondern in der gesamten EU weniger als Männer.
Obwohl der „Equal Pay Day“ von Jahr zu Jahr und von Land zu Land unterschiedlich ist.
In Österreich fiel der Equal Pay Day 2014 immerhin bereits auf den 19. März – also die Einkommensschere hat sich zu Ungunsten der Frauen um ganze 12 Tage verschlechtert.
In Deutschland geht es den Frauen verdienstmäßig ein wenig besser als in Österreich, sie hatten heuer ihren bereits am 20. März, in der Schweiz war es der 9. März 2015.
Die Europäische Kommission ließ diesbezüglich verlauten, dass Frauen in Europa in diesem Sinne 59 Tage „unentgeltlich“ arbeiten würden.

Jetzt ist das Beispiel von Susi und Kurti zugegebener Maßen plakativ. Immerhin hatte Susi die gleichen Voraussetzungen, in ihr Berufsleben einzusteigen.
Die Statistik, die hinter den „Equal Pay Day“-Berechnungen steht, weist auf, dass Frauen schon oft am Beginn ihrer Ausbildung bzw. Berufslaufbahn benachteiligt sind, weil jungen Frauen immer noch nicht so viele Optionen offenstehen, wie jungen Männern und viele daher von der falschen Berufswahl betroffen sind.

Während sich junge Frauen schwerpunktmäßig immer noch bei den Lehrberufen auf 1. Einzelhandel, 2. Bürokauffrau und 3. Friseurin beschränken, ist das Feld für junge Männer wesentlich breiter gestreut und an den ersten drei Stellen stehen Lehrberufe, die schon von Beginn an bessere Karrierechancen und bessere Bezahlung in Aussicht stellen: 1. Metalltechnik, 2. Elektrotechnik, 3. Kraftfahrzeugtechnik.
Das ist nicht deshalb so, weil Mädchen nichts anderes einfällt oder sie zu anderen Berufen nicht fähig sind, sondern weil sie am Lehrstellenmarkt einfach weniger Chancen haben, z.B. in der Metalltechnik zu arbeiten.

Also warum verdienen Frauen im Durchschnitt weniger? Einige der vielen Gründe:
Männer arbeiten in besser bezahlten Branchen – siehe Lehrstellenwahl.
Männer haben ein besseres Geschick in punkto Gehaltsverhandlungen (sie müssen sich bei Einstellungsgesprächen auch nicht den Fragen „Was machen Sie wenn Ihr Kind einmal krank ist?“ oder „Wie schaut Ihre Familienplanung in den nächsten 5 Jahren aus?“ stellen.)
Männer haben mächtige Netzwerke, die ihnen die besseren Jobs, schnellere Karrieresprünge verschaffen (dort wo Frauen oft ihr ganzen Berufsleben an der „Gläsernen Decke“ kleben, werden sie von jüngeren, unerfahreneren, schlechter ausgebildeten Männern mit Leichtigkeit überholt).
Männer machen weniger unbezahlte Arbeit: Die (oft auch nur vermutete) Doppelbelastung durch Haushalt und Familie, lässt Arbeitgeber davon zurückschrecken, Frauen zu engagieren. Hausarbeit, Kinderbetreuung, die Pflege und Betreuung von älteren Angehörigen: Das sind die undankbaren, weil unentlohnten Arbeiten, von denen sich Männer immer noch recht erfolgreich fernhalten.
Im Lauf der Berufstätigkeit rutschen dann Frauen immer weiter in die unterschiedliche „Lohnschere“: Babypause, Halbtagsjobs, weniger Chancen, sich weiterzubilden, beim Wiedereinstieg sind die Qualifikations- und Aufstiegsmöglichkeiten der Frauen mehr als beschränkt.

Dabei zeigen die Statistiken, dass Frauen Schulen und Hochschulen im Durchschnitt besser qualifiziert verlassen als ihre männlichen Kollegen.

Sehr g’schmackig ist auch der sogenannte „Obstsalat-Vergleich“, der in diesem Zusammenhang immer wieder zitiert wird.
Dieser besagt, dass hier alles vermischt wird und die Frauen-Männer-Gehalts-Vergleiche nur im Durchschnitt betrachtet werden können.
Will heißen: Susi und Kurti, die gleich qualifiziert sind würden schon längst das gleiche verdienen. Das stimmt einfach nicht – oder nur in sehr geringen Ausnahmefällen.
Das impliziert auch den Vorwurf an Frauen, dass diese sich halt nicht mehr zutrauen, unbedingt Babypausen einlegen wollen und Teilzeit arbeiten, weil sie ihre Kinder/Männer/alten Angehörigen versorgen möchten oder sich neben dem Job einfach ein lustiges Leben mit Freundinnen im Kaffeehaus oder am Golfplatz machen wollen – selber schuld.
Die – oft verzweifelten – Versuche von Frauen, einen einigermaßen fair bezahlten Job mit guten Arbeitsbedingungen zu bekommen und auch zu halten sprechen eine andere Sprache.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – das war eine Forderung der ersten Stunde, als 1909 der erste nationale Frauentag in den USA begangen wurde.
Dass das noch nicht umgesetzt wurde – nach mehr als 100 Jahren – ist schon eine Schande für sich.

Dass Frauen immer noch gar nicht die gleichen Chance am Arbeitsmarkt wie Männer haben (und das quer durch alle Berufsgruppen und Gesellschaftsschichten), dass unbezahlte Versorgungs-Arbeit zu einem Großteil immer noch an den Frauen hängt – das ist die eigentliche Katastrophe.

Mir schaudert es einfach, Schwestern, wenn ich mir das bewusst mache: Wir alle gemeinsam haben die ersten 3 Monate dieses Jahres sozusagen gratis gearbeitet. Und das im 15. Jahr des 21. Jahrhunderts.

Foto: fotolia

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2 Antworten zu Equal Pay Day – Frauen arbeiten 3 Monate gratis

  1. Conny Wituschinski schreibt:

    Ja , das ist eine Schande .
    Es muss nicht jeder sein Gehalt offen legen ….. Aber es müsste einfach Gesetz sein ,dass diese gleichberechtigte Zahlung zu sein hat. Wenn dem so ist wie erfolgt Jett der Ausgleich der betrogenen Frauen um ihren angemessenen Lohn , Sozialleistungen, Renten …. Da wird es einem nur übel …nicht genug das die Löhne nicht angemessen sind … Das sie auch noch für Frauen noch weniger sind ist ganz übel .
    💫 ich darf mich gar nicht reinsteigern … Grrr
    Gruß 🌞💫Conny

  2. Roswitha Haala schreibt:

    Herzlichen Dank Andrea!
    Aus perschwesterlicher Erfahrung weiß ich, dass dies durchaus patriarchal politisch gewollt ist. Beispiel aus D das „Erfolgsmodell IntV-Integrationskurse“ (Innenminister de Maisiere Juli 2010), also die Deutsch als Zweitsprache-Kurse. 2004 von der Rot-Grünen-Regierung per Zuwanderungsgesetz beschlossen. Ein Staatsmonopol des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge/BAMF auf die ersten 3 Sprachniveaustufen (A1-A2-B1) nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen/GER. Mit Beginn dieser staatlichen IntV-Integrationskurse zum 1.1.2005 wurde das bisherige Mindesthonorar des Sprachenverbandes von 23,40 € per BAMF auf 15 € je Unterrichtseinheit/UE abgesenkt. Gleichzeitig die Qualifikation der Kursleitenden sowie Qualität und Kontrolle der IntV-Integrationskurse extrem erhöht.
    Zzt. unterrichten darin bundesweit ca. 22.400 Lehrkräfte, davon ca. 85% Frauen. Beim derzeitigen BAMF-Mindesthonorar von 20 €/UE werden in Vollzeit – 45 Jahresarbeitswochen (5 Wochen Urlaub, 2 Wochen Feiertage) mit bundesdurchschnittlichen 13,2 Krankheitstagen – monatlich maximal 990,85 € netto/Single erzielt. So viel wie ein Maurerlehrling im letzten Ausbildungsjahr (!) verdient.
    Die IntV-Lehrkraft ohne jegliche soziale Absicherung, jedoch mit staatlich garantierter Altersarmut weit unterhalb der Grundsicherung.
    Dabei unterrichten die IntV-Lehrkräfte den gleichen Unterrichtsstoff wie Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen Fach Englisch B1 nach GER, Mittlerer Schulabschluss / Fachoberschulreife. Allerdings statt in 5 Schuljahren, in knapp 1 Jahr (600 UE, z.B. Februar bis November, bei landesüblichen, unbezahlten Ferien, 3 Modellprüfungen samt Vorbereitung darauf A1-A2-B1, 1 Sprach-Abschlussprüfung) in äußerst heterogenen Lerngruppen, mit teils bildungsfernen Teilnehmenden. Dies zeigt den enormen Leistungdruck, unter dem Lehrende und Teilnehmende stehen. Der Verdienst ca. 25 % von dem einer sozial abgesicherten Realschullehrkraft!
    Die IntV-Lehrkräfte sind scheinselbstständig und sittenwidrig unterbezahlt im Auftrag der Bundesregierung. Ich klage seit Juli 2007 dagegen. Mit höchst interessanten Einsichten in unser deutsches Rechtssystem sowie in politische Verstrickungen. Mein Motto: Scheiter heiter und mach weiter. Solange es mir gefällt. Seit Januar 2011 stelle ich mein Engagement nicht mehr dem Staat für dieses „Erfolgsmodell der sittenwidrigen Ausbeutung“ zur Verfügung.
    Warum verweigern sich, streiken, verbünden sich nicht mehr Frauen in diesem Bereich? Ich weiß es nicht und verstehe es nicht!

    Sicher werden hier Frauen und „Männer“ gleich bezahlt, aber wie bei Erzieher_innen (5,2 % Männer, „Erziehung und Wissenschaft“ 03/15) Grundschullehrer_innen – viel Arbeit, Geduld – wenig Geld – ein geringer Männeranteil s.o. ca. 15 %.
    Sonder- bzw. Förderschulpädagogik gleiche Bezahlung wie am Gymnasium, aber mehr Arbeit / höhere Belastung. Wiederum höherer Frauenanteil in der Sonderpädagogik…
    Selbst schuld oder überdimensionale, gesellschaftlich nicht Wert_geschätzte, soziale Ader?

    Frauen der Sozialkitt der Nationen oder Mittäterinnen?

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