Tag der Artenvielfalt – Fest der Göttin Coatlicue

coatlicue1Jährlich wird seit dem Jahr 2000 der 22. Mai als Internationaler Tag der biologischen Vielfalt gefeiert.
Weil dies so wichtig ist, haben im Dezember 2010 die Vereinten Nationen das gegenwärtige Jahrzehnt zur „UN-Dekade der biologische Vielfalt“ ausgerufen.
Eine neue Erkenntnis?
Nicht wirklich. Gab es doch schon in der alten aztekischen Mythologie eine Göttin der Artenvielfalt: Coatlicue.

Warum ist Artenvielfalt, auch Biodiversität genannt, so wichtig?

Alles Leben auf unserer Erde ist von gut aufeinander abgestimmten und ausgeglichenen Ökosystemen abhängig. Diese geraten immer mehr in eine Schieflage. Denn menschliches Handeln hat nahezu alle Ökosysteme der Erde drastisch verändert: Moderne Landwirtschaft, Monokulturen, steigender Energieverbrauch, Klimawandel und bedenkenlose Städte- und Landschaftsplanung bringen unsere „Mutter Erde“ an den Rand ihrer ökologischen Kapazitäten.

Das ökologische Gleichgewicht ist hoch empfindlich. Mit jeder Veränderung wird eine ganze Kaskade von Folgeveränderungen in Gang gesetzt. Stirbt beispielsweise eine Pflanze aus, von der sich eine bestimmte Insektenart vorwiegend ernährt, ist auch diese in ihrem Bestand gefährdet.

Täglich  sterben 150 Arten aus

Artensterben ist ein natürlicher Prozess der Erdgeschichte. Durch menschliches Handeln wurde das Artensterben allerdings im Vergleich zum natürlichen Tempo um mindestens das Hundertfache beschleunigt. Der Verlust an biologischer Vielfalt geschieht damit heute enorm schneller als je zuvor in der Menschheitsgeschichte.
Auf der Erde gibt es geschätzte 10–100 Millionen Arten von Pflanzen, Tieren, Einzellern, Pilzen und Bakterien. Die Spannbreite ist deswegen so groß, weil viele Arten noch gar nicht entdeckt wurden.
Jährlich gehen weltweit von den fünf bis neun Millionen Tierarten 11.000 bis 58.000 verloren. Anderen wissenschaftlichen Erkenntnissen sterben täglich 150 Arten aus.

Was geht da uns alles an?
Sehr viel sogar: Besonders für uns Menschen ist eine breit gefächerte Artenvielfalt eine der wichtigsten Lebensgrundlagen. Es kann uns nicht egal sein, wenn irgendwo im Regenwald irgendein unscheinbares Pflänzlein ausstirbt, das noch nicht einmal von den Menschen entdeckt wurde.
Denn der Verlust an Biodiversität hat negative Auswirkungen auf viele Aspekte des menschlichen Wohlbefindens, wie zum Beispiel Ernährungs- und Energiesicherheit, Anfälligkeit für Naturkatastrophen und Zugang zu sauberem Wasser und Rohstoffen. Und hier müssen wir unbedingt global denken.
Denn wer weiß, vielleicht wäre genau dieses Pflänzchen im Regenwald die Heilpflanze für eine bislang unheilbare Krankheit gewesen (nicht von ungefähr setzt sich gerade die Pharmaindustrie so für das Erhalten der Artenvielfalt ein.)

Ein erschreckend anschauliches Beispiel ist das weltweite Verschwinden der Insekten sowohl hinsichtlich ihrer Zahl als auch ihrer Artenvielfalt. Als Bestäuber sind sie für drei Viertel aller vom Menschen angebauten Nahrungspflanzen wichtig.

xochiquetzal1Die Göttin der Artenvielfalt

Der Schutz der Biodiversität ist eine Frage des nackten Überlebens.
All das wussten die Menschen schon in alten Zeiten:
So ist die aztekische Fruchtbarkeits- und Schlangengöttin Coatlicue die große beschneidende Kraft.
Sie wirkt mit ihrer Energie gegen jegliche Art von Fülle und damit auch gegen die jener Göttin, die für ausufernden Überfluss steht: Xochiquetzal, die Göttin, die sich ständig verströmt und verschenkt. Alles, was mit Xochiquetzal im Zusammenhang steht, ist üppig und voll prallen Lebens.  Damit fordert sie Coatlicue, ihre Gegenspielerin heraus. Denn diese ist die beschneidende Kraft, die dafür sorgt, dass von nichts zu viel da ist und damit ist die Artenvielfalt gewährleistet .
Denn ufert eine Art – aus welchen Gründen auch immer – aus, so bedeutet das immer das Zurückdrängen anderer Arten.

Beschneidende Kraft garantiert Fruchtbarkeit

Coatlicue zählt zu jenem Typus einer Großen Göttin, die sowohl Geburt, liebende und nährende Mutterschaft, als auch Tod und Zerstörung bringt. Mit dieser Kraft ist diese Göttin im ewigen Kreislauf des Lebens sehr bedeutend.
Sie beschneidet die ausufernde Fülle und sorgt damit, dass von einzelnen Arten nicht zuviel da ist.
Ihr Geschenk ist daher die Artenvielfalt. Damit bringt sie Fruchtbarkeit. Der Preis für diese Fruchtbarkeit, die das Leben einer Art unterstützt und hervorbringt, ist, dass sich einzelne Arten nicht unendlich ausbreiten können.
Man stelle sich vor: Es gäbe auf unseren Feldern nur Monokultur, Wälder mit nur einer Baumart, Gärten, in denen nur eine Sorte Blumen wachsen, nur eine einzige Hunderasse, nur eine Möglichkeit, ein Problem zu lösen. Da ist zum Glück Coatlicue vor.
All dieses Eintönige wird von ihr bis in die letzte Konsequenz bekämpft.

Was ist zuviel des Guten?

Coatlicue zeigt sich nie als liebreizend oder freundlich, sondern immer als streng und prüfend. Sie schaut genau, was überflüssig ist, wo irgend etwas „zuviel des Guten“ ist. Damit ist nicht nur die Artenvielfalt in der Natur gemeint.

Die Coatlicue-Energie überprüft ständig, welche Wesen oder Wesensanteile deswegen vernachlässigt werden, weil von anderem zu viel da ist. Was kann daher nicht zum Blühen und Wachsen gelangen?

Die Energie dieser Göttin bringt meist einen Prozess mit sich, der nicht einfach ist. Vertraute, aber stagnierende, muffige Angewohnheiten, Lebensumstände, Charakterzüge werden genau überprüft und mit Hilfe der Coatlicue-Energie weg geschnitten.
Das kann schmerzhaft sein.
Aber die Mühe lohnt sich: Neue, beeindruckende Kräfte, Ideen, Energien können erblühen und neue – oft ungeahnte – Lust und Freude bringen.

Es lebe die Artenvielfalt – auf der ganzen Erde. Und unsere ganz persönliche, die uns so vielfältig leben, denken, fühlen und handeln lässt.

Weiterführende Infos zu den erwähnten Göttinnen:

Coatlicue
Xochiquetzal 

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4 Antworten zu Tag der Artenvielfalt – Fest der Göttin Coatlicue

  1. Roswitha Haala schreibt:

    Herzlichen Dank!
    „Die Coatlicue-Energie überprüft ständig, welche Wesen oder Wesensanteile deswegen vernachlässigt werden, weil von anderem zu viel da ist. Was kann daher nicht zum Blühen und Wachsen gelangen?“ Damit sollte die „zivilisierte“ und überbevölkernde Menschenheit den Gong ja gehört haben… Liebe Grüße!

  2. Roswitha Haala schreibt:

    Ein indigenes Sprichwort lautet:
    „Denkt der Mensch, Tiere können nicht fühlen – fühlt das Tier, der Mensch kann nicht denken.“

    Der Mensch wiederum ist auch nichts anderes als ein Wirbeltier. Allerdings in der zivilisierten Regel ein äußerst eingebildetes und dazu noch zu dumm für seine Intelligenz wie z.B. Kriege und Umweltzerstörung beweisen!

  3. Roswitha Haala schreibt:

    10.000 Tränen: Ein Song für den Tierschutz | WDR

  4. Roswitha Haala schreibt:

    Das Mädchen welches für 6 Min. die Welt zum Schweigen brachte – Severn Suzuki:

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