Weder 3 noch heilig noch Könige – dafür aber alte Muttergöttinnen!

3-bethen-1Jetzt gehen sie wieder um – die „Heiligen Drei Könige“.
Wie bei vielen anderen Dingen gehen wir davon aus, dass das so auch in der Bibel steht. Stimmt aber nicht. Da ist weder von heilig, noch von drei und schon gar nicht von Königen die Rede, die da vor rund zweitausend Jahren nach Bethlehem gekommen sein sollen.
Im „Evangelium nach Matthäus“, mit dem das so genannte Neue Testament redaktionell beginnt, ist lediglich die Rede davon, dass „Sterndeuter (Magier) aus dem Osten“ gekommen seien (Mt 2, 1-12), von denen auch keine Namen genannt werden.

Erst im 9. Jahrhundert n.u.Z. wurden diese unbekannte Zahl der Sterndeuter mit den heute bekannten Namen Kaspar, Melchior und Balthasar ausgestattet. Dass die Anfangsbuchstaben des weit gereisten Trios „K+M+B“ mit jener in den Ostalpen allgegenwärtigen Frauen-Trinität Katharina, Margarethe und Barbara ident sind, ist natürlich kein Zufall.

Und diese „Heiligen Drei Madln“ gehen auf die alten Muttergöttinnen, die Drei Bethen zurück:
Wilbeth, Ambeth und Borbeth bilden als Bethen die göttliche Triade als Erd-, Mond- und Sonnenmutter. Sie sind Schicksalsgöttinnen und im christlichen Sinn Nothelferinnen.

Die Drei Bethen werden meist als gütige Frauen beschrieben, die durch die Lande ziehen, weisen Rat erteilen, Gaben schenken und mit denen man auch über das Schicksal reden oder verhandeln kann. Die Menschen glaubten an die Kraft der Bethen und wandten sich an sie bei Angelegenheit in Sachen Fruchtbarkeit bei Mensch, Tier und Feldern, für den Schutz der Arbeit bei allen Erntezyklen, bei Geburten, Krankheiten und Tod.

Die Umwandlungen der Muttergöttinnen

Der Glaube und der Kult rund um die drei Bethen hielt sich im Volk sehr lange. Allerdings unterlagen die Namen der einzelnen Göttinnen immer wieder verschiedenen Änderungen, ihre grundsätzliche Kraft und ihre Wirkungsweise blieben jedoch weitgehend gleich. Kannte man die drei Göttinnen als keltische Ambeth, Wilbeth und Borbeth, so erschienen sie unter dem Einfluss des Christentums und des römischen Reichs und dessen Wertbegriffen göttlicher Verehrung als die Heilige Fides, die Heilige Spes und die Heilige Caritas. Wörtlich also Glaube, Hoffnung und Liebe. Das war aber offenbar zu abstrakt.
Galt es doch, den mütterlich-weiblichen Aspekt der Großen Göttin, so wie ihn die Menschen gewohnt waren, christlich zu besetzen.
In den keltisch geprägten Ostalpen war die römisch-katholische Maria offenbar keine passende Lösung, um gleich drei Muttergöttinnen zu ersetzen. Daher wurden die Bethen im Laufe des Mittelalters zu den „Drei Heiligen Madl’n“ modifiziert und von diversen Heroen, vulgo Nothelfern begleitet wurden. Wobei auch der Bethen-Kult von der christlichen Kirche zur Zeit der Kreuzzüge in die nur sehr geringfügig veränderte Verehrung der drei Heiligen Margarethe, Barbara, Katharina übernommen wurde.

Wie so oft unterschieden sich Heilige von ihren „heidnischen“ VorgängerInnen oft nur durch vorgeblich „christliche“ Vornamen. Gleichzeitig wurden die heiligen Orte der KeltInnen, die in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft an Steinen, Bergen, Quellen, Bäumen, Kreuzungen u.a. lagen, okkupiert.
Die ehemals „heidnischen“ Kultplätze wurden Wallfahrtsziele, die durch einen (oft sehr oberflächlichen) Wechsel von Göttinnen zu SchutzpatronInnen bei zuerst annähernd gleichbleibender mythologischer Funktion „christianisiert“ wurden.

Lebenssymbole wurden zu Folterinstrumenten

Da der Glaube an die Kraft der Göttinnen nicht einfach abzuschaffen war, hatte man ihnen ein christliches Gewand angezogen und ein jeweils entsprechendes Martyrium für den Christengott nachgesagt. Dazu nahm man der Einfachheit halber gleich die ursprünglich sehr lebensfreudigen Symbole der alten Göttinnen her, die allesamt zu Qual- und Folter-Instrumenten umgedeutet wurden:
Wilbeth, deren Symbol das Lebensrad ist, wurde zur Heiligen Katharina, indem sie genau auf dieses geflochten und gerädert wurde.
Ambeth ist die Leben gebärende Mutter. Als Symbol für das Ewige Leben, für den Kreislauf „Geburt-Tod-Wiedergeburt“ ist sie oft mit einer Schlange bzw. dem Drachen der Urmutter dargestellt. Da ihre katholische Nachfolgerin Margarethe von ihrer Amme zum christlichen Glauben geführt worden war, ließ sie ihr Vater in den Kerker werfen, wo der Teufel sie in Gestalt eines Drachen erschreckte, verschlang und allerdings unversehrt wieder ausschied.
Borbeth wurde zu Barbara. Sie verkörpert die Mutter Erde, die ihren dunklen, bergenden Schoß auftut, um Menschen zu gebären und wieder in sich aufzunehmen. Ihr Symbol ist der Turm oder Bergfried, der zur Bewachung dient und damit Geborgenheit und Sicherheit garantiert. Die Silbe „bor“ weist ja schon auf „geborgen“ hin. Ihr Vater warf sie in ein uneinnehmbares Turmverlies, bevor er sie nach den Qualen unterschiedlichster grausamer Foltermethoden eigenhändig geköpft hat.

Wie aus den Madl’n Männer wurden

Leutstetten_St-Alto_3-Bethen1Da die Geschichten von Katharina, Margarethe und Barbara frei erfunden waren, flogen sie als Heilige auch 1968 aus dem offiziellen Heiligenkalender der katholischen Kirche.
Möglicherweise aber auch, weil sie allzusehr an die die Verehrung der alten Muttergöttinnen erinnern.
In gar nicht so wenigen Kirchen findet man Statuen oder Bildnisse der drei heiligen Frauen, unter denen ihre Bethen-Namen in verschiedenen Variationen stehen, wie z.B. auch Ainbet, Gberpet und Firbet.
So findet man z.B. in der Taufkapelle des Wormser Doms ein, aus der gotischen Epoche stammendes geheimnisvolles Flachrelief der Embede, Warbede und Wilbede.

Und da kommen jetzt die sogenannten Heiligen Drei Könige ins Spiel.
Die Umwandlung von Muttergöttinnen in „heilige Madl’n“ war offenbar immer noch zu viel der weiblichen Energie. Daher musste diese Dreifaltigkeit vermännlicht werden.
Und das Fest der drei Herren am besten gleich an jenen Tag gelegt werden, an dem es traditionell das große Perchtenfest gab – auf den 6. Januar (Bethen = Perchten).
Der heute übliche Dreikönigsumzug entspringt nämlich der viel älteren Tradition des Bethen-Umzugs und ist wahrscheinlich auch identisch mit dem Perchtenlauf.

Worms_Dom_3-Bethen-1Das Bemühen der Umdeutung der Göttinnen in orientalische Könige wird trotz versuchter Verschleierung letztendlich gerade in den Namens-Spielen und Initialen-Deutereien sichtbar!
Genauso wie die schwarze Barbara, die weiße Katharina und die rote Margaretha mit ihren Vorfahrinnen Borbeth, Wilbeth und Ambeth bis in die Symbolfarben übereinstimmen, so war Kaspar der schwarze Schatzmeister, Melchior der weiße König des Lichts und Balthasar der „christianisierte“ rote Belsazar oder Baal(!), der Stierheros der syro-phönikischen Kuhgöttin und Gebieterin des Himmels Anath, mythologische „Schwester“ der fruchtbaren keltischen Ana-beth oder Ambeth!

Was ihre Segenszeichen bzw. Anfangsbuchstaben angeht, gibt es einen kleinen, aber be­deu­tenden Unterschied zwischen den Zei­chen der drei Her­ren aus den Morgenland und jenen der Muttergöttinnen: Zwischen den Segenszeichen der „Heiligen drei Madln“ finden wir nicht das Kreuz als Zei­chen des Todes „+“ son­dern das „x“ als Zei­chen des Lebens – die Ge­bärhaltung, wie wir sie z.B. auch von der russischen Wintergöttin Rozha­nitza ken­nen – das hoffnungsfrohe Öffnen hin zur Erde und zum Himmel.

K x M x B

Speziell am Ende der Rauhnächte in der Nacht zum und der Tag des 6. Januar treten die drei Bethen auf. Das ist auch die große Zeit der Göttin Percht, weswegen wahrscheinlich die Bethen oft auch „Perchten“ genannt werden. Sie segnen Haus, Hof, Mensch und Vieh und als Zeichen, dass sie da gewesen waren, hinterließen sie drei „x x x“ bzw. ihr K x M x B an Haus- und Stalltüren. Heutzutage schreiben die Drei Könige ihre Initialen, und das nicht nicht mit dem Geburtszeichen dazwischen, was angesichts der Geburt ihres Heilands ja angebracht wäre, sondern – fast wie ein Fluch – mit den Todeszeichen.

Waren die Bethen in Bethlehem?

Man könnte sich sogar ganz gut vorstellen, dass sich die Original-Weisen aus dem Morgenland mit den keltischen Urgöttinnen ganz gut vertragen hätten. Denn „Weise“ zur damaligen Zeit hatten – wie auch die Bethen – Zugänge zur anderen Welt. Denn nur von dort kam es zu Weissagungen.
In heutigen Begriffen ausgedrückt könnte man sagen, die „Drei Könige“ waren Schamanen. Astrologisches Wissen, verbunden mit visionären, schamanischen Fähigkeiten machte sie dazu.
Die Vorstellung ist allerdings naheliegend, dass die frischgebackene Mutter Maria gerade im Stall von „Beth“-lehem (!) zu den drei weisen Herren aus dem Morgenland auch noch dankbar drei handfeste Urgöttinnen aufgenommen hätte, die bei einem neugeborenen Kind wahrscheinlich auch hilfreicher als die drei Herren gewesen wären.

Mehr Infos zu den erwähnten Göttinnen: 
Ambeth
Anath
Bethen
Borbeth
Maria
Percht
Rozhanitza 
Wilbeth

Bildnachweis: artedea.net, Wikipedia

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3 Antworten zu Weder 3 noch heilig noch Könige – dafür aber alte Muttergöttinnen!

  1. Reblogged this on Schwesternschaft der Rose and commented:
    Wunderbar….vielen Dank

  2. adaprinzip schreibt:

    Reblogged this on weibeladabefreitesleben and commented:
    Aufschlußreich- schöner Artikel

  3. Mikara schreibt:

    Reblogged on https://pilgerschaftdesweges.wordpress.com/
    wunderbarer Artikel, schöne Sprache und hilfreich. Danke

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