31. Januar: „Rückwärts-Tag“ – von Gehirn-Autobahnen und Narreteien

eshu2Was es alles gibt: Heute am 31. Januar ist offiziell der „Rückwärts-Tag“, der im Englischen als „National Backward Day“ bekannt ist.

Ein guter Anlass, um gewohnte, eingefahrene Verhaltensweisen zu überprüfen und vieles probeweise andersrum zu machen.
Kreativität ist gefragt: rückwärts lesen, rückwärts schreiben, rückwärts gehen. Oder auch den normalen Tagesablauf anders gestalten. Das fängt damit an, mit dem anderen Bein als gewohnt aus dem Bett zu steigen oder in die Hose zu schlüpfen. Dann kannst du dir mit der anderen Hand Zähne zu putzen, mit dem Dessert beginnen und mit der Suppe das Mittagessen zu beenden.
Das hat durchaus ein wichtige Funktion und ich finde, solche Rückwärts-Sequenzen sollten wir öfter in unser Leben einbauen.
Ganz frei nach dem Motto:
Wenn du das tust, was du immer schon gemacht hast, wirst du das bekommen, was du immer schon bekommen hast. Wenn du etwas anderes haben willst, musst du etwas anderes tun! Und wenn das, was du tust, dich nicht weiterbringt, dann tu etwas völlig Anderes – statt mehr vom gleichen Falschen! (Paul Watzlawick)
Wenn wir also etwas verändern wollen, dann brauchen wir neue Strategien, neue Denkweisen, eine neue Art zu handeln.

Autobahnen im Kopf

Und das fängt bei kleinen Dingen an. Die moderne Hirnforschung spricht von „Autobahnen im Kopf“. Auf diesen neuronalen Autobahnen funktionieren wir gut. Alles läuft seinen gewohnten Gang, wir tun das, was wir automatisch immer machen, alle Informationen und Reize, die von außen kommen, werden sofort auf diese gut ausgetretenen Pfade geschickt, meist auch, ohne neue Möglichkeiten des Verhaltens oder Handelns auch nur anzudenken. Das ist auch gut so, um den ganz normalen Alltag zu bewältigen. Ich muss mir nicht immer von Neuem überlegen, wie ich mir meinen Kaffee zubereite oder wie ich zur Arbeit fahre.

Ab und zu ist es aber auch gut, diese neuronalen Autobahnen zu verlassen und in eine Seitenstraße einzubiegen oder ganz neue Pfade zu erschließen. Das macht zum einen das Leben interessant und ist auch – wie die Wissenschaft festgestellt hat – ein unglaublich effektives Mittel, um Demenzerkrankungen vorzubeugen.
Unser Gehirn ist dankbar für alle neue Impulse, die wir ihm ermöglichen. Beizeiten rein spielerisch Dinge anders zu machen, ist vor allem aber die beste Praxis für Situation, die uns dazu zwingen, aus irgendwelchen Lebensumständen heraus, etwas anders zu tun. Je öfter im Trockentraining geübt, desto leichter fällt uns Neuorientierung und Umdenken im akuten Bedarfsfall, der dann meist auch mit Stress verbunden ist.
Ein Beispiel: Neulich ist die U-Bahn ausgefallen. Ich war mit einer Freundin unterwegs, die vor kurzem von einer längeren Indienreise zurückgekommen ist. Wir waren sehr amüsiert und dann eigentlich bestürzt darüber, was das mit den Menschen gemacht hat. Obwohl ein Schienenersatzverkehr innerhalb von 20 Minuten angeboten wurde, irrten viele herum, regten sich lautstark auf oder waren echt verzweifelt, weil sie nicht wussten, wie sie jetzt nach Hause kommen. Die wenigsten haben sich offenbar mit anderen Fahrrouten mit öffentlichen Verkehrsmittel je auseinandergesetzt und das hat sie in dieser „Extremsituation“ sichtlich völlig aus der Bahn geworfen. Meine Freundin schmunzelte: „Die würde ich gerne einmal sehen, wenn sie Mitten in Bombay stehen, die Sprache nicht beherrschen, die Schrift nicht lesen können und den Weg zum Hotel nicht mehr finden. Wenn dir das passiert ist und du irgendwann doch in deinem Hotel gelandet bist, dann wird dich wahrscheinlich eine defekte U-Bahn in Wien nicht so leicht aus der Fassung bringen.“

Das Hirn durchblasen

Kleine Irritationen bewusst herbeigeführt sind also gut und durchaus wünschenswert, sie blasen die Verkrustungen im Hirn durch und lassen uns neugierig werden. Eine Gabe, die uns angeboren ist und die wir in unserer Kindheit so ganz selbstverständlich gemacht haben: Unendlich viel auszuprobieren, zu erforschen, herum zu experimentieren, mit allen Möglichkeiten zu spielen.

Dazu soll uns offenbar der „Rückwärts-Tag“ anregen.
Die passende Göttin dazu ist übrigens Eshu. Sie steht für die wilde, un­be­rechenbare, närrische Energie. Im Candomblé, der afro-brasilianischen Religion der Yoruba geht man davon aus, dass immer, wenn etwas Unvor­her­ge­sehenes ge­schieht, Eshu im Spiel ist. Sie lehrt neue Sicht­weisen und regt zum eigen­ständigen Neu­denken altgewohnter Ansichten an. Sie fördert den kreativen Umgang mit den Herausforderungen des Lebens.

Göttin für das Unvor­her­ge­sehene

Eshu findet ihren Ausdruck auch im Clown bzw. im Narren des Tarot, der ja nicht von ungefähr die Zahl Null hat (= die Leere, der Zustand vor der Schöpfung in dem noch alles möglich und noch nichts manifestiert ist). Nicht von ungefähr scheint der „Rückwärts-Tag“ auch am 31. Januar angesetzt zu sein: Am Höhepunkt der „närrischen Zeit“ des Faschings.

Clowns und Narren findet man übrigens traditionell eher in männlicher Gestalt. Was möglicherweise darauf schließen lässt, dass Männer diese Energie erst lernen, erst verinnerlichen müssen. Clowns dienen mit ihren Ungeschicklichkeiten, mit dem Spiel mit allen Möglichkeiten, mit dem Umgang mit unvorhergesehen Ereignissen möglicherweise als Vorbilder und Role Models für andere Männer.

Die Kraft der Chaosgöttin in jeder Frau

Clown-Frauen und Närrinnen kommen vielleicht daher seltener vor, weil man Frauen diese Eigenschaften, dieses Spiel, diese Fähigkeiten eher zutraut. Weil sie der schöpferischen Kraft der Ursprungs- und Chaosgöttinnen näher sind und aus allen Zutaten etwas schaffen können und mit überraschenden oder peinlichen Situationen (in denen sie sich vielleicht auch selbst gebracht haben) im normalen Alltag besser umgehen können als Männer.

Daher lachen wir meistens über männliche Clowns mehr, wenn ihnen etwas passiert und wenn sie darauf mit seltsamen, unkonventionellen Lösungen reagieren. Bei Frauen sind wir diese Vorgangsweise eher aus dem normalen Leben gewohnt und daher ist das zur Schau stellen auch nicht so lustig.

Ich wünsche euch allen – Frauen und Männern – einen erfrischenden, närrischen „Rückwärts-Tag“. Macht heute doch zumindest ein Ding, das ganz neu oder komplett ungewohnt ist.

Hier mehr zur Göttin Eshu

 

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Eine Antwort zu 31. Januar: „Rückwärts-Tag“ – von Gehirn-Autobahnen und Narreteien

  1. Reblogged this on Schwesternschaft der Rose and commented:
    Danke sehr

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