Schwarzmond – Urvertrauen – Gleichberechtigung

manat3Knapp 3 Stunden ist der Frauentag vorbei, da hatten wir schon Schwarzmond. Dieser war heute Nacht exakt um 02:55:59 und es gab auch eine Sonnenfinsternis, allerdings nur über dem Pazifischen Ozean sichtbar.

Schwarzmond oder Dunkelmond wird jene Phase bezeichnet, in der unser Erdtrabant gar nicht zu sehen ist – also die dunkle unsichtbare Phase des Mondes. Das sind jene tiefschwarzen Nächten wie die vergangene, wenn der Mond vollkommen vom Schatten der Erde bedeckt ist.

Naturreligionen unterscheiden genau zwischen „Schwarzmond“ und „Neumond“. Denn Neumond ist, wenn am Nachthimmel die erste schmale Sichel des zunehmenden Mondes wieder sichtbar ist.
Also Schwarzmond ist am Ende eines Zyklus, Neumond ist der Beginn eines neuen Zyklus. Und die beiden Phasen haben unterschiedliche Qualitäten: Schwarzmond, die vollkommene Dunkelheit (die diesmal auch durch eine Sonnenfinsteris verstärkt wird) ist das tiefe Hineinsinken in den Urzustand, ein Innehalten, eine Zeit, um sich auszuruhen, zu sich zu kommen, still zu werden.
Sehen wir die erste feine Mondsichel am Himmel, dann bedeutete das für viele alte Kulturen eine Zeit der Neuorientierung, die Gelegenheit, neue Kräfte in sich zu entdecken, neue Projekte zu beginnen.
Und ganz wichtig: keine Phase ist besser, keine schlechter. Es ist so wie es ist.
Am Tag ist es hell, in der Nacht ist es finster, einmal im Monat haben wir Schwarzmond, einmal Vollmond, unser ganzes Leben wird von aktiven und passiven Phasen bestimmt. Es gibt die Extreme und alle Zustände dazwischen.

Alle Phasen sind gleichwertig

Alte Völker haben die Mondgöttin in ihrer dreifachen Form verehrt, wie Manat als Schwarzmond, Al-Uzza als zunehmender und Al-Lat als Vollmond. Diese dreifache Mondgöttin stammt aus dem Kulturraum, der heute die arabischen Länder umfasst. Im Zuge der patriarchalen Religion des Islam war dann nur mehr der strahlende Vollmond wichtig, der natürlich auch nicht mehr in seiner weiblichen Form als Göttin bestehen durfte. Al-Lat wurde maskulinisiert und so zu Allah.

Sige1Mit Dunkelheit gehen wir in unserer heutigen Kultur ganz und gar nicht wohlwollend um. Ich mag daher dieses „Licht & Liebe“-Wünschen, das sich gerade in esoterischen Kreisen so seuchenartig breit macht, gar nicht. Ich wünsche dann immer „wohltuende, sanfte, samtige Dunkelheit“ zurück. Das löst so manche Irritationen aus. Aber wer will das nicht:
– Dunkelheit und Ruhe, um bei sich anzukommen,
– gute Schattenplätze, um sich vor gleißender Hitze zu schützen,
– die schwarze Nacht, um zu ruhen und Kraft zu schöpfen,
– die dunkle, geborgene Erdkraft, damit etwas darin keimen und wachsen kann

Die Tabuisierung der Dunkelheit

Und damit knüpfe ich jetzt noch einmal an das Thema „Frauentag“ an.
In patriarchalen Strukturen, die ihre Wurzeln stark in monotheistisch-männlich geprägten Religionen haben, ist Aktivität und das Streben zum Licht und damit die Tabuisierung von Dunkelheit so überaus wichtig.
Alles Verborgene, Dunkle, Erdige wird als negativ, alles strahlend Helle, Himmlische als positiv verstanden. Und damit wird auch das Weibliche, das vielfach auch in den „dunklen Göttinnen“ repräsentiert ist, dämonisiert.
Es zählen nur mehr die strahlenden Heroen, die Lichtgestalten der jungen Götter, die „Gottessöhne“. Dass diese aus der Urkraft der dunklen Höhle einer Gebärmutter geboren wurden, das soll möglichst verschwiegen, verdrängt wenn nicht gleich verdammt werden.
Wenn wir zurecht Gleichstellung von Frauen fordern, dann sollten wir hier ansetzen. Und nicht in diesen sonderbaren Dualismus verfallen, der die Welt in weiß und schwarz und damit in gut und böse einteilt. Überdenken wir doch unsere eigenen Wertungen und Zuschreibungen!
Wie sollen wir Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern aus unserem tiefsten Inneren fordern, wenn wir nicht einmal Dunkel und Hell als gleichwertig empfinden.

Nyx1Alles kommt aus der Dunkelheit. Jedes Samenkorn – ob Pflanze, Tier, Mensch, ist verborgen und beschützt in der Dunkelheit eingebettet, bevor es ans „Licht der Welt kommt“. In der Erdmutter oder im Bauch eines weiblichen Wesens.
In vielen spirituellen Richtungen war man der Auffassung, dass die Schöpfungskraft aus dem „Urchaos“, der großen Dunkelheit kommt. Dies oft in Form einer Schöpfungsgöttin, wie Eurynome, Sige, Nyx, Kali oder Kauket. Diese sind das dunkle Universum oder springen aus diesem. Auch die „schwarzen Madonnen“ – vermutlich der Ausdruck von Sophia, der „Heiligen Geistin“ – sind Sinnbild dafür.

Die Dunkelheit ist der Urzustand. Alles, alles, alles ist dunkel – das ganze Universum ist tiefste „Nacht“. Ganz selten – als große Ausnahme – eine Sonne. Um die herum ist dann „Licht“.

Das Urvertrauen aus der Dunkelheit

Patriarchale Religionen haben uns schon vor langer Zeit dazu gebracht, diesen dualistischen Glauben zu verinnerlichen. Und jetzt glauben viele, dass lediglich das Licht „gut“ wäre und dass wir die Dunkelheit zu bekämpfen und zu verdrängen hätten.
Wie viele Religionen und auch spirituelle Gemeinschaften rufen stets zum Kampf gegen die Dunkelheit auf, die sie das „Böse“ nennen.
Eine gezielte Aktion: Wer gegen die Dunkelheit ins Feld zieht, bekämpft damit auch das weibliche Prinzip und die sanfte, dunkle, ruhige mütterliche Energie der Erd- und Schöpfungsgöttinnen. Und vergisst auch ganz schnell die ersten neun Monate unseres eigenen Lebens, die wir in der Dunkelheit, in der nährenden Wärme des Mutterleibes verbracht haben und damit das Urvertrauen, das uns allen buchstäblich in die Wiege gelegt wurde.

Der Sinn dahinter: So werden aus den „gläubigen Menschen“ tatsächlich jene Schafe, die orientierungslos von ihren „Hirten“ abhängig sind. Wenn wir soviel Angst vor der Dunkelheit haben, dann müssen wir ja einer (männlichen) Lichtgestalt folgen.

Gönnt euch dunkle Phasen!

abnoba3Luisa Francia, die gerne nächtens in Wäldern herumstreift, wurde einmal gefragt, ob sie nicht Angst hat, so allein im dunklen Wald. Sie hat gelacht: Wer soll mich da bedrohen? Glaubt ihr wirklich, dass mitten im Wald ein Mann sitzt, der genau darauf wartet, dass da zufällig eine Frau vorbeikommt? Die Männer, die Frauen Böses antun wollen, die findet ihr eher im Licht – in jedem Büro, in den Straßen der Großstadt, leider in vielen Häusern, Wohnungen und Familien. Der nächtliche Wald ist wahrscheinlich die sicherste Zone für Frauen.

Also Frauen, Nachtrag zum Frauentag: Lasst euch nicht verblenden von „Lichtgestalten“, ehrt und genießt die Dunkelheit. Gönnt euch die Ruhe der dunklen Phasen. Und freut euch an allen anderen Phasen eures Lebens, aus denen ihr selbstbestimmt Kraft und Lebensfreude schöpfen könnt.

Mehr Infos zu den erwähnten Göttinnen:
Abnoba
Al-Lat 
Al-Uzza
Eurynome
Kali
Kauket
Manat
Nyx
Sige
Sophia

Mehr zu Luisa Francia findet ihr auf ihrem Internet-Tagebuch salamandra.de und in ihren vielen großartigen  Büchern.

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5 Antworten zu Schwarzmond – Urvertrauen – Gleichberechtigung

  1. Samira schreibt:

    Danke du Liebe!! Wunderschöner Artikel… witzig. .. gerade jetzt fällt mir ein, wie wundervoll wohltuend ich deine Begleitung in den „dunklen RauNächten“ empfunden habe! So viele Jahre war ich ein „Junkie des Lichts“, der „guten Gefühle“! Das hat sich völlig gewandelt. Dabei geben mir gerade die dunklen, tiefen Frequenzen Tiefe und nährenden Kontakt zu mir selbst. Ich bin Somatic Experiencing Traumatherapeutin. Gerade gestern hab ich eine Session gegeben, in der es um Neid ging… was für eine Erlösung als dieses ungeliebte, dauerzensierte, durch aufgesetztes Verhalten Non-stop überlagerte Gefühl ENDLICH NACH HAUSE KOMMEN durfte und sich innerlich wieder etwas verbunden hat, das einfach schon immer dazu gehörte! Am Samstag gebe ich einen Begegnungs- und Kuschelabend, dort werde ich genau diese Polarität zum Thema machen. Ich wünsche mir so sehr, dass all unsere ungeliebten Kinder nach Hause zurück kommen dürfen und wir uns mit dem ganzen Licht- und Schattenspektrum wahrnehmen und lieben können ♡

  2. veledalantia schreibt:

    Danke Schwester !

  3. Roswitha Haala schreibt:

    Ganz genau Andrea!:
    “ – Dunkelheit und Ruhe, um bei sich anzukommen,
    – gute Schattenplätze, um sich vor gleißender Hitze zu schützen,
    – die schwarze Nacht, um zu ruhen und Kraft zu schöpfen,
    – die dunkle, geborgene Erdkraft, damit etwas darin keimen und wachsen kann“
    Und: Geht`s den Schwangeren, den Müttern gut, geht`s den Kindern gut, geht`s der (auch damit heranwachsenden) Bevölkerung gut. Denn keine vorauseilende patriarchale Traumatisierung durch Mangel, Lieblosigkeit, Gewalt, Krieg etc..
    Wie sehr wir im ausbeuterischen Patriarchat leben zeigt nicht nur der Krieg der verschiedenen patriarchalen Interessen in Syrien, sondern auch die Situation im griechischen Idomeni. Über 10.000 Flüchtende, über 30.000 im selbstgebeutelten Griechenland insgesamt. Davon inzwischen über 50 % Frauen und Kinder! Grenzen dicht. Statt Familien, Frauen und Kinder, Alte, Kranke durchzulassen! Rein gar nix mit Humanismus.
    Durchlass 2015 für ca. anteilig 73 % Männer; 27 % Frauen und Kinder damals. Kinder sind auch Jungs. Auf dieses Verhältnis hatte die patriarchale Wirtschaft ein Lobbyisten-Auge drauf: Menschen-/Arbeitsmaterial…
    Integration ist äußerst aufwändig. Selbst wenn sie ehrenamtlich und in D zu Dumpinglöhnen geschieht (darin kenn ich mich aus). Frauen mit Kindern, Alte erst mal nicht marktverfügbar, also… Wie gehabt, leiden lassen. Und D-EU-Herr-schafft für die ex-konservativ gebeutetlten Griechin_nen. Für mich nach dem Motto:“Wir zwingen euch schon… zu spuren, wie wir wollen“, gleich Anpassungsdruck. Übelst!
    Jedoch, dies schafft weitere Urvertrauensverluste! Traumatisierungen, die wiederum dem Patriarchat dienen. Denn bei seelischen Verletzungen folgen 2 mögliche Reaktionen: entweder Aggression oder Depression mit folgender Anpassung.
    Trotzdem den Ei-Gen-Weg zu finden, verlangt wirkliches Ur (gleich Mutterleib bzw. uterines Uni-Vers-um`s/zu tun)-Vertrauen.
    Ich betrachte das patriarchal, hinlänglich sogenannte „männliche Prinzip“ nicht als „aktiv“, sondern als aktionistisch. Dies gilt auch für patriarchal identifizierte Frauen.
    Pure Aktion ohne Berücksichtigung der Folgen. Für jetzige und künftige Generationen z.B. auch bzgl. Atommüll, Glyphosat etc..
    Wären die „männlichen Lichtgestalten“, die „Heroen“ wirklich so sonnig, dann gäbe es verdammt noch mal keine Kriege, keine Vergewaltigung, keine Gewalt an sich, keine Überbevölkerungsbedingte Hungersnot, keine Ausbeutung (gleich-gültig welche), keine Umweltverschmutzung etc..
    An ihren Früchten wirst du die Früchtchen er-kennen… und den Wahnsinn dieser Zivilisationen zu ertragen… – ist eine (durchaus hin und wieder schmerzvolle) Aufgabe an sich 😉 ;-( 😉 Da hilft nur Rück-Bindung der Nabelschnur entlang.

    „Im Zuge der patriarchalen Religion des Islams war dann nur mehr der strahlende Vollmond wichtig, der natürlich auch nicht mehr in seiner weiblichen Form als Göttin bestehen durfte. Al-Lat wurde maskulinisiert und so zu Allah.“
    Alles wurde maskulinisiert. Aber deswegen nicht lebensfreundlicher – geschweige denn lebensliebender! Wenn die Patriarchen und angepassten Patriarchinnen schon die „Macht“ wollen, dann „macht“ gefälligst etwas Lebens-Wert-eres daraus!

    Im Türkischen bedeutet „Hala“ Tante – als die „Schwester des Vaters“. Den Vater als Umkehrung: „Allah“ (Halla) gleich „Gott“ angenommen, wurde die Ur-Mutter Hala/Al-Lat (von paläolinguistisch Galat = Milch, Ur-Nährmilch, Ur-Vertrauen nach Mutterleib fließt Milch-Lebensnahrung…) zur Schwester eines/des Vaters Allah. Was ist das für ein Vater?!
    Was ist Jehova für ein Vater?! Väter der Zerr-Störungen!
    „Hala“ bedeutet im Arabischen auch „Willkommen“ und dies sollte ein Willkommen des liebe-vollen Lebens seien!
    Statt „väterlicher“ Grau-Sam-keiten!

    Der Weltfrauentag ist wie One-Billion-Women immer noch absolut wichtig. Und macht vor All-em auch Spaß ;-)!

    Wärmende, lebensspendende Dunkelheit statt patriachaler Finsternis heißt die Alter-Native ;-)!
    Meine Güte, da gibt`s noch die Abend- und Morgendämmerung dazu… 😉 Das Leben ist so viel-fältig, so reich! Das kann kein Geld der Welt er-setzen ;-)!
    Schaut in den Sternenhimmel – von der maradiesvollen Erde aus 😉

  4. Roswitha Haala schreibt:

    „Da hilft nur Rück-Bindung der Nabelschnur entlang“ bedeutet der „evolutionären“ gleich lebensspendenden Rück-bindung entlang ins un-endliche, wärmende, Abgrund-tiefe All.
    Abgrund,
    Ab-Grund, geht`s aufwärts. Auch mit erneutem Runterrasseln. Tiefenpsychologie 😉 .
    Scheiter heiter und mach weiter solange du willst!

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