25. März: „Lady Day“

Nein, nicht die Tatsache, dass es ab heute in Niederösterreich, dem größten österreichischen Bundesland, die erste Landeshauptfrau gibt, ist der Grund für den „Lady Day“. Denn diesen gibt es schon viel länger.
Im englischen Sprachraum wird nämlich „Mariä Verkündigung“ Lady Day genannt. Und in slawischen Ländern ist heute, am 25. März ein wichtiger Tag im agrarischen Jahr: Denn bis zu diesem Datum darf nach einer alten Tradition der Boden nicht mit dem Pflug bearbeitet werden. Denn die Erde wird als heilig angesehen und wird in der Göttin Mati als Erdmutter verehrt. Bis zum 25. März gilt die Erdmutter als schwanger und braucht Ruhe.
Als schwere Sünde galt, vor diesem Datum die Erde durch Pflügen zu „malträtierten“.

Auch bei uns gilt in vielen Regionen dieser 25. März, einige Tage nach Frühlingsbeginn als „Los-Tag“. Er wurde früher mit allerlei Ritualen begangen, um sich mit der erneuernden und belebenden Kraft des Vegetationsbeginns zu verbinden.

Die empfängnisbereite Erd- oder Muttergöttin

Wenn am 25. März das Fest der Wiedergeburt der Natur gefeiert wird, und die Feldarbeit wieder aufgenommen wird, dann war das für die christlichen Kirchenväter ein Signal. An allen Tagen, an denen Menschen ihren alten Rituale feierten, musste dieses „heidnische Brauchtum“ in irgendeiner Art und Weise in ein christliches Fest umgewandelt werden. Ganz ausradieren konnte man diese, vom Lauf der Natur geprägten, Bräuche ja nicht, besonders, wenn eine alte Göttin, wie die slawische Mati geehrt und gefeiert wird.

Nun ein kleines Rechenexempel: 12-9=3. Wenn also in der Nacht vom 24. auf den 25. 12. Jesus geboren wird, was ist dann 9 Monate vorher? Richtig!
Nur bei der „Jungfrau“ Maria gab es ja angeblich den normalen Zeugungsakt nicht, ihr wurde ihr Sohn ja „verkündet“. Das können wir im Lukasevangelium (1, 26-35) nachlesen. Der Engel Gabriel verkündet der „Jungfrau Maria“, dass sie ein Kind empfangen und einen Sohn gebären soll.
Wann das genau war, darüber gibt die Bibel keine Auskunft, wir wissen nur, dass eine andere Frau, nämlich Elisabet, deren Mann Zacharias auch von einem Engel die Schwangerschaft seiner Frau verkündet bekommen hat, zu diesem Zeitpunkt schon im 6. Monat war.

Vergiss Weihnachten –  Joseph hat’s zugegeben

Wunderbar: die Kirchenväter konnten rechnen, auch ein „Gottessohn“ braucht seine Zeit von neun Monaten im Leib seiner göttlichen Mutter. Und damit wurde versucht, das Fest der alten Erdmutter, die nun frühlingsbereit gepflügt werden und die Saat aufnehmen kann, in das Fest „Mariä Verkündigung“ umzuwandeln.
Der 25. März ist nicht nur in den slawischen Ländern der besondere Tag der Göttin Mati, er ist auch in anderen Kulturen der alte Festtermin der Empfängnis des Kindes der Großen Göttin, welches sie dann zur Wintersonnenwende gebiert. So wurde um diese Zeit im alten Rom das Fest der Kybele und des Attis gefeiert.
Im englischen Sprachraum wird „Mariä Verkündigung“ mit „Lady Day“ bezeichnet.
Da Kybele lateinisch „Domina“ = Herrin/Gebieterin, babylonisch „Beltis“, engl. Lady genannt wurde, ist die Herkunft des „Lady Day“ klar.

Spannend übrigens auch, was da in der Bibel genau zu dieser Verkündigung Mariens steht.
In meiner Jugend gab es da den Witz: „Vergiss Weihnachten, Joseph hat’s zugegeben.“

Ein Sohn mit 2 Vätern?

Wenn man die Textstelle bei Lukas genau liest und sie auch noch mit den Hinweisen des Matthäus-Evangelium verknüpft, dann wird einiges klar.
Matthäus beschreibt sehr detailreich die Ahnenlinie von Joseph und damit auch jene von Jesus.
Das beginnt mit:
Dies ist das Buch von der Geschichte Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams.
Dann folgt eine laaaange Liste, die beschreibt, wer da wen gezeugt hat. Da steht am Anfang:
Abraham zeugte Isaak. Isaak zeugte Jakob. Jakob zeugte Juda und seine Brüder.
Nach vielen Generationen lesen wir am Ende dieser Liste:
Jakob zeugte Joseph, den Mann der Maria, von der geboren ist Jesus, der da heißt Christus.

Was ist wichtiger – die patriarchale Erbfolge oder die Story mit dem Gottes-Sohn?

Wenn also Jesus, wie das Matthäus-Evangelium nachdrücklich betont, ein Nachfolger Abrahams, Davids und aller anderen im Stammbaum genannten ist, dann kann er das nur durch einen sein – nämlich durch Joseph!
Anderfalls hätte ja Jakob der Vater der Maria sein müssen (und nicht ihr Schwiegervater). Was schließen wir daraus? Natürlich war Joseph der Vater von Jesus. Da in der damals schon üblichen patriarchal-männlichen Erbfolge sich ein Sohn in seiner Herkunft nicht auf seine Mutter beziehen konnte, musste es ja auch der Vater sein.
Dass Jesus aber eigentlich der Sohn Gottes ist, der da just am alten Saat-Feiertag, dem 25. März, vom Engel verkündigt wurde – damit kamen die Christen ganz schön in die Zwickmühle.
Was ist wichtiger – die patriarchale Erbfolge oder die Story mit dem Gottes-Sohn?
Also wie sollen wir das verstehen: Ein Sohn, 2 Väter?
Da es biologische Vaterschaftstests damals noch nicht gegeben hat, lohnt es sich, den Hinweisen im Lukas-Evangelium nachzugehen, denn da wird es noch deutlicher:
Der Engel spricht mit Maria (Lk 1,31 – 1,35)
Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.
Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?
Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.

Die Degradierung der Göttin zur willenlosen Magd

Deutlicher geht es ja wohl nicht: Hier steht nur, dass Maria ein Kind empfangen wird – nicht von wem.
Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.
Auch klar: Einer der Ur-Väter von Joseph ist David, Jesus wird diesen – gemäß der patriarchalen Erbfolge ihm rechtmäßig zustehenden – David-Thron bekommen.
Maria wundert sich über ihre bevorstehende Schwangerschaft, da sie ja (noch) keinen Mann „erkannt“ hat. Gut – das lässt sich ja schnell ändern.
Dann führt der Engel noch weiter aus, was Maria zu erwarten hat: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten.“ 

Was können wir unter dieser Aussage verstehen?
Das klingt schon recht eindeutig nach einer euphemistischen Verklärung einer Vergewaltigung. (Eine Begriffsklärung der Worte überkommen“ und überschatten“ findet sich am Ende dieser Seite.)
Maria ist ja in keinster Weise gefragt worden: Junge Frau, täten’S gerne den Heiland zur Welt bringen? Hätten Sie Lust, diesen auch zu empfangen?
Sie ist vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Ein Schicksal, das sie wohl mit vielen Frauen ihrer Zeit und allen Zeiten danach teilt.

Im Fall von Maria geht es noch dazu um die Vergewaltigung der Göttin und damit einhergehend ihre Degradierung zur (willenlosen) Magd.

Abschließend sagt Lukas eindeutig nicht: Er IST der SOHN GOTTES, sondern er wird als solcher GENANNT WERDEN.

Soweit der kleine Ausflug in die Evangelien rund um das Thema „Verkündigung“.

Die alte slawische Erdmutter-Göttin ist ab heute empfängnisbereit, wie es die Erd- und Muttergöttinnen schon in allen Zeiten waren, inklusive der christlichen Muttergöttin Maria.

Jetzt darf die Muttererde auch wieder mit dem Pflug bearbeitet werden.
Wie heißt es doch so trefflich in dem alten Kinderlied: Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt …

Viele Wetterorakel am 25. März

Um den Lostag 25. März gibt es auch jede Menge sogenannter „Bauernregeln“, die wahrscheinlich eher die Weisheit und den Erfahrungsschatz der Bäuerinnen widerspiegeln:

  • An Mariä Verkündigung kommen die Schwalben wiederum.
  • An Mariä Verkündung hell und klar ist ein Segen für das ganze Jahr.
  • Die Maria bindet die Reben auf und nimmt auch noch leichten Frost in Kauf.
  • Hat’s nach der Mariennacht gefroren, werden noch 40 Fröste geboren.
  • Ist Mariä schön und hell, kommt viel Obst auf alle Fäll’.
  • Kommen noch Nebel nach diesem Tag – den Reben kein Frost mehr schaden mag.
  • Schöner Verkündungsmorgen befreit von vielen Sorgen.
  • Sternenmengen am Verkündungsmorgen befreit den Landmann von vielen Sorgen.
  • War vor Mariä Verkündung der Nachthimmel hell und klar, bedeutet es ein gutes Wetterjahr.
  • Wenn Maria sich verkündet, Storch und Schwalbe heimwärts findet.
  • Ist Marien schön und klar, naht die ganze Schwalbenschar.

Interessant ist der Hinweis mit den Schwalben, die ja vom Frühling künden. Als heiliger Vogel wird die Schwalbe seit jeher in Verbindung mit der Göttin gebracht, z.B. mit Idun, der nordischen Göttin der ewigen Jugend, Unsterblichkeit und Fruchtbarkeit, wo sie als Segensbringerinnen der Göttin gelten.
Auch die afrikanische Schöpfungs- und Erdgöttin Dziva hat zwei goldene „Licht-Schwalben“.

In vielen Gegenden heißen Schwalben auch Muttergottesvögelein. Sie sollen zu Maria Verkündigung kommen – zu Maria Geburt (8. 9.) fliegen die Schwalben wieder „furt“.
Wir finden die Schwalbe als einen wichtigen Vogel in den Mythen, wo sie gutes Omen bedeuteten, im bäuerlichen Leben das Wetter anzeigten (niederer Flug = bald Regen) sowie die Erfahrung, dass kein Blitz einschlägt, wo Schwalben nisten.

Die Göttin nährt den Boden mit ihren „Tränen“

Mati, die alte Erdmutter-Göttin können wir auch in einer der ältesten Göttinnen-Figurinen erkennen – der Urmutter aus Dolní Véstonice.*
Diese 25.000 — 29.000 Jahre weibliche Figur hat eine Besonderheit: Aus ihren Augen führen Linien hinab bis zu ihren Brüsten. Das, was wie ein Tränenfluss aussieht, nennt Marija Gimbutas die „Wasser des Lebens“.
Es scheint, als würden sich Flüsse aus den Augen der Göttin ergießen, die wie aus einer nährende Quelle über ihren Körper fließen.
Die Erde sorgt mit ausreichend Flüssigkeit für alles, was nun im Boden reifen und wachsen soll …

Weitere Infos zu den erwähnten Göttinnen:

Dziva
Idun
Maria
Mati
Urmutter aus Dolní Véstonice

* Es lohnt sich ein Ausflug zur Urmutter nach Dolní Věstonice / Pavlov (Tschechische Republik) ca. 100 km nördlich von Wien. Es gibt in Pavlov ein sehr modern und gut gestaltetes Museum und am Fundort der Urmutter in Dolní Věstonice eine große Figur von ihr.

Begriffsklärung der Worte überkommen“ und überschatten“
über jmd. kommen = überwältigen, herfallen, hermachen, übermannen, heimsuchen, sich bemächtigen, überfallen, laut Duden: jemanden erfassen, zu beherrschen beginnen, plötzlich und mit großer Intensität ergreifen
überschatten = verdunkeln, eindämmen, laut Duden: abschwächen, abträglich sein, beeinträchtigen, dämpfen, reduzieren, schmälern, stören, trüben, (gehoben) mindern, mit Unbehagen erfüllen, die Freude an etwas dämpfen

 

 

 

 

 

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5 Antworten zu 25. März: „Lady Day“

  1. Roswitha Haala schreibt:

    Herzlichen Dank Andrea und auch an die „aufmerksame Leserin auf Facebook“!

    „Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“ Für mich ist Maria eine Essenerin. Dass sie keinen Mann „erkennt“, kann auch bedeuten, was Christen ihr gemäß alter Tradition weiterhin bis heute 😉 zugestehen mussten, dass sie parthenogenetisch drauf war.
    Auch die „Engel“ sind abgekupfert von Göttinnen mit Flügelaura, siehe z.B. Artemis auf einem griechischen Fries.

  2. Genevieve schreibt:

    Danke! Danke, danke dass endlich jemand außer mir die Umschreibung erkennt!!! Wenn ich bisher gewagt habe, das mit dem Überschatten und Über-Dich-Kommen so auszulegen, wurde ich angeschaut. als hätte ich nicht alle Tassen im Schrank. Bin nach meinem eignen ersten Erlebnis draufgekommen 😉

  3. Genevieve schreibt:

    Ehem, nebenbei, es war ein schönes Erlebnis, keine Vergewaltigung.

  4. Genevieve schreibt:

    „Schatten“ und „Kraft“ sind u.U. ja auch angenehm…

  5. Roswitha Haala schreibt:

    Prof. Uta Ranke-Heinemann zur Jungfrauengeburt Jesu
    http://www.meinhard.privat.t-online.de/frauen/ranke-heinemann.html

    „(…) Für weiteren Diskussionsstoff sorgt die engagierte Theologin 1987, als sie im Vorfeld des Papstbesuches in der Bundesrepublik als Diskussionsteilnehmerin in einer Live-Sendung des WDR-Fernsehens die kirchliche Lehre der Jungfrauengeburt Jesu als „zeitbedingtes Vorstellungsmodell“ bezeichnet. Ihre weitergehende Äußerung, dass die „mirakulöse Unversehrtheit“ auch bei der Geburt Jesu nicht nur theologische Fragen bezüglich der wahren Mutterschaft Marias aufwerfe, sondern zudem „sexualfeindliche und zölibatär-neurotische Züge“ trage, führen zu einer Auseinandersetzung mit dem Episkopat. Wegen ihres „beharrlichen Zweifels“ an der Jungfrauengeburt wird sie gemäß can. 1364 §1 und can. 751 CIC exkommuniziert. Durch den Bischof von Essen, Franz Hengsbach, wird ihr am 15. Juni 1987 die Lehrbefugnis entzogen.(…)“
    In einer damaligen EMMA-Ausgabe verglich Uta Ranke-Heinemann dies mit der Hexenverfolgung. „Ende 1987 erhält Uta Ranke-Heinemann, die Beamtin auf Lebenszeit ist, einen neuen, kirchenunabhängigen Lehrstuhl für Religionsgeschichte an der Universität Essen. (…)“

    Merke:“die kirchliche Lehre der Jungfrauengeburt Jesu als „zeitbedingtes Vorstellungsmodell““. Was steckt hinter diesem zeitbedingten Vorstellungsmodell?

    17.05.2006 Quergefragt-SWR, Prof. Uta Ranke-Heinemann:
    „„Wenn ich mir das jetzt anhöre, das Christentum als Befreiung der Frau, da kann ich mir nur die Haare einzeln raufen! (…) Im Neuen Testament wird schon gewarnt: `Hütet euch vor den Lügenpredigern, die verbieten zu heiraten.´ Und dann steht da: `Das sind Altweibermärchen.´ Wenn ich mir die Geschichte angucke, würde ich sagen, es sind wohl mehr Altmännermärchen. Und dann die Evangelien, die Apokryphen, die dauernd im Sand in Ägypten gefunden werden, weil es da so trocken ist: Philipperevangelium, Thomasevangelium, alles aus dem ersten und zweiten Jahrhundert – da sieht man ganz deutlich die Rivalität zwischen Petrus und Maria Magdalena.

    `Hat er sie uns gegenüber bevorzugt?´ sagt Petrus. Und Levi verteidigt sie im Evangelium der Maria Magdalena: `Er hat sie mehr als uns geliebt!´ (…) Im achten Kapitel steht: `Jesus folgten viele Frauen, darunter Maria Magdalena, die ihn mit ihrem Vermögen unterstützte.´ Das war also eine reiche Lady. (…) Aber eine Frau, die den ganzen Verein sponsert, die hat auch was zu sagen. Und so war das auch.““
    Und von den Kirchenvätern wurde Maria Magdalena als Hure bezeichnet…

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