Eine Biergöttin in der Steiermark

Da schau her: Jetzt gibt es in der Steiermark eine Biergöttin!
Das Thema in diesen Hochsommer-Hitze-Tagen!
Im Schaugarten einer Bierbrauerei in Laufnitzdorf nördlich von Frohnleiten steht eine der Willendorferin nachempfundene Göttinnen-Statue mit einer spitz nach oben zulaufenden Hopfendolde als Kopf.
Das berichten die Medien im Vorfeld des internationalen Weltbiertages am 4. August.
Und auch, dass es in Österreich immer mehr Bierbrauerinnen gibt.
Ganz in der Tradition der vielen Göttinnen, die rund um die Erde den Menschen das Bier brachten bzw. ihnen dessen Herstellung lehrten.

Bier ins Feuer und auf die Erde

Da ist z.B. die etruskisch-römische Erdgöttin Ceres, in deren Namen schon „Cervisia“ (lateinisch für Bier) steckt.
Die Ainu, die UreinwohnerInnen Nord-Japans schütten den ersten Schluck Bier in die Feuerstelle, um Abe Kamui zu ehren, die Herdgöttin, die die guten Geister in das Hirsebier bringt, um diese besonders kraftvoll zu machen.
In den baltischen Ländern ist es wiederum Brauch, Bier als Weihegabe auf die Erde zu schütten zu Ehren der Erdgöttin Zemyna. Es gibt den Begriff „Zemynelauken“, dieser bezeichnet den Ritus des Biervergieβens mit Gebeten für Zemyna.

Bier – die „Milch“ für Erwachsene

Die ägyptische Milchgöttin Hesat war auch für das Bier zuständig. Sie stillt den Durst der Menschheit mit ihrem göttlichen Getränk. Die „Hesatmilch“ für Erwachsene ist das „Hesatbier“. Beides – Milch wie Bier – ist sehr nahrhaft und hat die Fähigkeit, den Durst zu stillen.
Eine alte Hebammenweisheit ist ja auch, dass Bier die Milchproduktion anregen soll. Diesen Zusammenhang hat man offenbar auch schon im Alten Ägypten erkannt.
Nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen weiß man, dass ein Polysaccharid in der Gerste, die für die Herstellung von Bier verwendet wird, die vermehrte Bildung des Hormons Prolactin verursacht, dass für die Milchsekretion (Laktation) während der Stillzeit verantwortlich ist.
Hesat soll das Bier aus den Händen der Göttin Tjenemit empfangen haben.  Diese ist als Biergöttin in die Mythen eingegangen – „Die das Bier braut“ oder „Die das Bier herbeibringt“.
Sie wird oft auch als Isis in ihrer Gestalt als Biergöttin Isis-Tnmyt erwähnt. Das zeigt, wie wichtig dieses nahrhafte Getränk schon im antiken Ägypten war.
Ihr Name steht in Verbindung mit dem „tnmw“-Getränk bzw. -Krug, in dem dieses Getränk serviert wurde. Aufzeichnungen belegen, dass die „tnmw“-Krüge mit Blumen bekränzt waren.
Die Bedeutung des Bier zeigt sich u.a. auch daran, dass es im anktiken Ägypten ein eigenes Zeichen für Bier in der Hieroglyphen-Schrift gab. Die Hieroglyphe für „Mahlzeit“ setzte sich aus den Symbolen für „Bier“ und „Brot“ zusammen.
Zudem wurde das Geschenk der Göttin Tjenemit auch zur Heilung kranker Menschen verwendet. „Bierschlamm“, der im Wesentlichen dem Treber entspricht, wurde als Heilmittel verabreicht – u. a. gegen Husten, Schmerzen und Verstopfungen.
Auch äußerlich wurde Bier angewandt, denn das Bad im Bier soll eine glatte und reine Haut verleihen. Damit verlieh Tjenemit wahrscheinlich Nofretete und Kleopatra ihre legendäre Schönheit.

In der aztekischen Kultur war es Mayahuel, die einst eine Bäuerin war, die die Fermentierung des Agavensaftes entdeckte. Damit stieg sie in den Rang einer Göttin auf. Aus dem Saft dieser Kaktuspflanze gewann sie eine berauschende Pulque – die man sich in etwa wie Bier vorstellen kann.

Verehrt in jedem Schluck Bier

Beim afrikanischen Volk der Zulu herrscht Mbaba Mwana Waresa über den Regen und damit ist sie eine sehr wichtige Göttin für die Landwirtschaft, das Getreide und die Ernte. Sie ist eine der beliebtesten Göttinnen des südlichen Afrikas. Das kommt vielleicht auch daher, weil aus dem Getreide, das sie den Menschen schenkt, auch Bier hergestellt werden kann. Sie wird sogar als die Erfinderin des Biers verehrt. Sie soll den Menschen die Techniken des Säens und Erntens und vor allem die Braukunst beigebracht haben. Verehrt wird sie in jedem Schluck Bier, ihrer speziellen Flüssigkeit, die aus so etwas Erdigem wie Getreide, so etwas Flüssiges wie Bier machen.

Die gallische Fruchtbarkeitsgöttin Nantosuetta gebietet über alle Flüssigkeiten, damit ist sie auch die Göttin der Braukunst und des Biers.

Das alte Heilmittel

Im sumerisch-assyrisch-babylonisch mesopotanischen Raum ist Ninkasi die Göttin des Biers. Sie ist auch eine Heilungsgöttin. Sie heilte den Gott Enki mit ihrem speziellen Arzneimittel, dem Bier. Damit brachte sie das Bier auch der Menschheit. In Maßen genossen und speziell eingesetzt, hat Bier ja durchaus eine gesundheitsfördernde Wirkung. Bis heute kennt man die Heilkraft des Bieres – zum Beispiel zur Stärkung und Schlafförderung, als Arznei gegen nervöse und stressbedingte Leiden, zur Stimulierung der Magensaftproduktion und der Nierentätigkeit oder als Vorbeugung gegen Prostataerkrankungen. Der Genuss von heißem Bier wirkt zudem fast wie ein Zaubertrank und lindert die Beschwerden von Erkältungen, der Atem wird freier, die Gliederschmerzen lassen nach und das Immunsystem wird gestärkt. Auch die positive Wirkung auf Haut, Haare und Nägel werden geschätzt.
Ihr Name Ninkasi bedeutet auch: „Die Dame, die den Mund füllt“.
Ein Team von ArchäologInnen der Universität Yale hat außerhalb Kairo’s eine 4.500 Jahre alte Bäckerei und Brauerei ausgegraben.
Vermutlich war dieses Gebäude Bestandteil einer ganzen Stadt, in der Pyramiden-Arbeiter von der Hochebene von Gizeh lebten. Außer Steinkrügen und Getreidelagern entdeckten sie Steintafeln mit Hieroglyphen. Eine dieser Tafeln enthält eine Beschreibung des Brauprozesses und eine Lobeshymne an die sumerische Bier-Göttin Ninkasi:
„Was dein Herz erfreut, das erfreut auch unser Herz. Unsere Leber ist glücklich und unser Herz ist fröhlich. Möge Ninkasi stets mit dir sein.“

Zurück nach Österreich: Es heißt ja, dass die alpenländische Muttergöttin Percht und ihre JagdgesellInnen Bier besonders schätzen. Zahlreiche Sagen erzählen davon, dass, wenn sie in der Perchtennacht (vom 5. auf den 6. Januar) jemanden den Bierkrug wegnimmt und austrinkt, sich dieser das ganze Jahr immer wieder von Neuem füllt.

Wer dieses Glück nicht hat, der muss sich auf die Künste der Bierbrauerinnen zurückgreifen, die auch immer wieder als Hopfenköniginnen gefeiert werden.
Mehr zu diesen findet ihr in diesem Artikel.

Na denn Prost!

 

Mehr zu den erwähnten Göttinnen:
Hesat
Isis
Mayahuel
Mbaba Mwana Waresa 
Nantosuetta 
Ninkasi 
Percht 
Tjenemit
Willendorferin
Zemyna

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