Durga Puja-Feste: Ein Umweltproblem

Ich habe vor einigen Tagen vom „Durga Puja“-Fest in Indien geschrieben.
Neben der Seite der gelebten Spiritualität zu einer Göttin gibt es allerdings auch eine sehr negative Komponente. Denn dieses 9-tägige Festival wird zunehmend zum Umweltproblem.
Und das soll auch nicht verheimlicht werden.
Wichtiger Bestandteil der Zeremonien sind nämlich überlebensgroße Skulpturen der Göttin Durga. Diese werden zum Ende der Festivitäten in Flüsse untergetaucht.
Das Problem dabei: Ihre riesigen Glieder aus Holz, Heu und Lehm brechen, die Farben zerfließen und verschmutzen die Gewässer, denn die Farben sind giftig, und Heu und Lehm verstopfen das Flussbett.

In Flüsse getaucht, um in den Himmel zu kommen

Wenn man die Bedeutung dieses größten Fests bedenkt – Millionen Hindus feiern es alljährlich – dann werden die Ausmaße der Auswirkungen klar.
So kommen bis zu 100.000 Menschen bei einer Puja – einem Ritual – in der Hauptstadt Neu Delhi zusammen. Am letzten Festtag werden die Durga-Statuen in einer Prozession zu einem der Flüsse Ganges oder Yamuna getragen und dort untergetaucht.
Nur durch diese, den Hindus heiligen Gewässer, die ja auch Göttinnen repräsentieren, gelangt Durga dem Glauben zufolge zurück in den Himmel.
Jedes Jahr landen deswegen allein in Neu Delhi hunderte Skulpturen in den Flüssen.

Nach der Göttin Ganga ist der heiligste aller Flüsse, der Ganges, benannt. Dieser wird auch als die Personifikation des Göttin angesehen. Ebenso wie der „Schwesterfluss“ Yamuna, auch sie ist eine wichtige hinduistische Flussgöttin.

Die Verehrung der Göttin Ganga ist eine der lebendigsten Göttinnen-Verehrungen in unserer Zeit. Gläubige Hindus waschen sich drei Mal täglich in den reinigenden Wassern. Wobei es hier eher um geistig-seelische, denn körperliche Reinigung geht. Das Eintauchen in die Fluten von Ganga soll zehn Sünden aus jedem der letzten zehn Leben weg waschen.
Schiffchen aus Pflanzenblättern mit Blüten und Butterlampen auf die Gewässer der Göttin Yamuna gesetzt, sollen alle Sorgen forttragen. Sie sollen direkt bei der Göttin landen, der man alles anvertrauen kann.

Eine Göttin vergiftet die andere

Um diese beiden „heiligen Flüsse“ Indiens ist es aber sehr schlecht bestellt.
Heute „vertrauen“ die Menschen dem göttlichen Fluss vor allem eine tödliche Mischung aus Fäkalien, Industrieabwässern und Schwermetallen an.
So beherbergt der Fluss Yamuna eine große Vielzahl an Pflanzen- und Tierarten und ist vor allem ein Refugium für seltene Vogelarten. Er hat an einigen Stellen Trinkwasser-Qualität, weshalb wohl auch die Göttin Yamuna als die Göttin der Reinheit und Reinigung angesehen wird. Doch dies gilt nur bis vor die Tore der Stadt der Stadt New Delhi. Von da an ist der Fluss Yamuna praktisch tot.
Das Eintauchen der zahlreichen Göttinnen-Figuren mit ihren giftigen Farben und Substanzen verschlimmert den Zustand der Flüsse noch zusätzlich.

Wie unglaublich ist das denn? Da verschmutzt eine Göttin zwei andere.
Es gibt schon Bestrebungen, darauf zu verzichten, die Figuren in den Fluss zu tauchen. Stattdessen werden Gruben ausgehoben, mit Planen ausgelegt und Wasser eingefüllt. Hier werden die Statuen eingetaucht – eine Flasche echten Ganges-Wassers macht aus dem künstlichen Becken einen heiligen Teich. Die Überreste werden danach fachgerecht entsorgt.
Das ist eine kleine Revolution. Allerdings können sich die meisten Hindus eine Änderung nicht vorstellen. Viele sind der Meinung, dass die Rituale „richtig“ ausgeführt werden müssen. Sonst komme Durga nicht zurück in den Himmel.
Tja – auch bei sehr lebendigen Ritualen rund um Göttinnen ist es wichtig, das Hirn einzuschalten und diese auf die Gegebenheiten und Anforderungen anzupassen. Das gilt für jede Religion und spirituelle Richtung sowie für jedes Ritual.
Starre, festgefahrene Formen, ohne jede sinnvolle Änderung der uralten Riten – das ist die patriarchale Zugangsweise. Und gerade die verantwortlichen Ausführenden der „Durga Puja“-Feste sind Männer.

Die Frage ist immer: Was ist die Essenz? Worum geht es wirklich?
Die Ausrichtung auf den eigentlichen, den ursprünglichen Charakter, der gerade bei Göttinnen das Leben fördert, Mutter Erde schützt, die Balance herstellen soll, das sollte oberstes Gebot auch bei all unseren Ritualen, Zeremonien und Festen sein.

 

Mehr Informationen zu den erwähnten Göttinnen:
Durga
Ganga
Yamuna

Bildquellen:
artedea.net
Tema su cui è basato un Durga puja – Kolkata culture – it.wikipedia.org

 

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Eine Antwort zu Durga Puja-Feste: Ein Umweltproblem

  1. Roswitha Haala schreibt:

    Ganz genau! Und auch dies wäre eine bunte Alternative:“Akiko webt und färbt ihre Stoffe mit den Pflanzen oder Wurzeln, die ihr Mann Kinsei in ihrem Garten oder im Urwald findet. Ihre Gelb-, Rot- und Indigotöne sind von außergewöhnlicher Schönheit.“ s.: https://www.arte.tv/de/videos/058359-005-A/feine-stoffe-ferne-laender/

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