Tag der Schlammpackung – ein guter Grund, die Schöpfungsgöttinnen zu feiern

Ich mag ja nicht alle Sonderbarkeiten, die wir so aus Amerika erfahren. Was ich aber sehr liebe, das sind die obskuren amerikanischen Feiertage. Wir können ja alles feiern. So wird heute, am 30. September, in den U.S.A. der „Nationale Tag der Schlammpackung“ begangen.
Schlamm ist ja eine Mischung aus fein verteiltem Feststoff der Erde und Wasser. Spezieller Schlamm, wie z.B. Fango, ein Mineralschlamm vulkanischen Ursprungs, macht ja gesund und schön. So bewirkt dieser u. a. die Förderung der Durchblutung, die Linderung von Schmerzen und die Entspannung der Muskulatur. Er wird bei Bindegewebs- und Muskelrheumatismus, chronisch rheumatischen Gelenkerkrankungen, Fibromyalgie, Hexenschuss, Ischialgie, Rücken-, Schulter- und Nackenschmerzen, Spasmen glattmuskulärer Organe, traumatischen Kontusionen und Distorsionen, Sehnenscheidenentzündung, Menstruationsbeschwerden, Muskelverhärtung, Muskelkater, Neurodermitis, Schuppenflechte und Ekzemen angewandt.

Das Urmaterial der Schöpfung

Schlamm bzw. Lehm ist ja das „Urmaterial“. Viele Mythen erzählen davon, wie eine Göttin aus Schlamm das gesamte Universum, alles Leben auf der Erde bzw. die Menschen geschaffen haben.

So pries ein spätbabylonischer Text im Kontext des Atraḫasis-Epos die „weise Mami“: „Du allein bist der Mutterleib, der die Menschen erschafft“.
Überlieferungen aus dem östlichen Mittelmeerraum und dem Vorderen Orient schildern den Mythos der Göttin Mami: Sie hat die Menschen aus Schlamm bzw. Lehm geformt.
Das erinnert an die hebräische Schöpfungslegende des Alten Testaments, die auch die Erschaffung des Menschen aus Lehm beschreibt.
Nur dass hier nicht ein männlicher Gott, sondern die Allmutter Mami die Menschen „gebastelt“ hat. Was eigentlich besser nachvollziehbar ist, kommt doch alles Leben, jede Geburt aus einer Frau.
Mami, die „Menschheitstöpferin“ hat auch nicht, wie der jüdisch-christliche Gottvater nur eine Frau und einen Mann geschaffen sondern sieben Frauen und sieben Männer – was eine weise Entscheidung war und von Beginn an Inzucht verhinderte.
Die Bibel tut sich ja nach wie vor schwer mit einer Erklärung, wie aus den beiden Söhnen von Adam und Eva weitere Menschen hervorgegangen sein sollen.
Mami vermischte also Lehm über dem kosmischen Abgrund und formte vierzehn Selbstbildnisse. Sieben stellte sie zu ihrer rechten und sieben zu ihrer linken Seite auf.
Über diese Lehmmodelle sprach sie lebensspendende Beschwörungsformeln. Ihre Ebenbilder zur Linken begannen als Frauen zu leben, die zu ihrer Rechten als Männer.

Menschen aus Schlammtropfen

Die chinesische Schöpfungsgöttin Nüwa dachte sich eine originelle Methode aus, um die Menschen zu erschaffen. Sie legte einen Strohseil in den Schlamm eines Flussbettes und drehte es, bis ein ganzer Teil des Seils vom Schlamm eingewickelt war. Dann hob Nüwa den Strohseil auf und schwang ihn Richtung Boden.
Zahlreiche kleine Schlammtropfen fielen auf den Boden und wurden so zu Menschen. Durch diese Methode schuf die Göttin unzählig viele Menschen und verteilte sie auf der ganzen Welt.

Die babylonische Urmutter Nammu formte Göttinnen und Göttern aus Lehm bzw. Schlamm. Diesen mischte sie aus dem Wasser des „Süßwasserozean“ Anzu (dem lebenspendenden, lebenerhaltenden Süßwasser unter der Erde) und aus dem feuchtweichen Boden Mesopotamiens.

Auch die „Kesselgöttinnen“ wie die keltische Cerridwen oder die afro-brasilianische Nana Buruku rühren im „Urschlamm“, dieser Mischung aus Erde und Wasser. Daraus kommt alles hervor und dahin kehrt alles Leben auch wieder zurück. Von Nana Buruku sagt man, wie wohne in Lehm, in der Erde, in Höhlen und Sümpfen, sie bevorzugt das Dunkel des Verborgenen.

Die skandinavische Göttin Ilmatar bot im Urmeer liegend ihr Knie einer Ente, die darauf brüten konnte. Doch sie konnte nicht so lange still halten, bis die Ente fertig gebrütet hatte, so bewegte sie sich ein wenig und die Eier rutschten von ihrem Knie und zerbrachen. Sie fielen in den Urschlamm und aus den Teilen der Eier entstanden der Himmel und die Erde. Aus dem Eigelb wurde die Sonne, aus dem Eiweiß der Mond, und kleine Stücke der Eierschale bildeten die Sterne.

Auch im Mythos der Korn- bzw. Maismutter Uti Hiata spielen Enten eine Rolle: Diese brachten vom großen blauen See der Schöpfung Schlamm, um daraus Menschen zu schaffen.

Zwischen ihren Inkarnationen kehren nach den Mythen der australischen UreinwohnerInnen die Seelen zur Erd- und Fruchtbarkeitsgöttin Anjea zurück. Sie holt diese an ihre Ruhestätten in den Sand. Diese Plätze sind für gewöhnlich neben fließendem Wasser, an Flussufern oder unter heiligen Bäumen. Die Mischung aus Erde und Wasser, der Schlamm ist wichtig, um neues Leben zu erschaffen. Nach langer Zeit gibt Anjea diesen Seelen wieder einen Körper aus Schlamm und legt diese in die Gebärmutter ihrer künftigen Mutter.
Wenn das Kind dann geboren ist, wird die Placenta begraben unter einem kleinen Hügel von Zweigen. So kann Anjea wieder daraus einen neuen Menschen machen.

Die fruchtbare Verbindung der beiden „weiblichen Elemente“

Die ganz typische Schlammgöttin ist Diana Munichia. Sie ist eine Landschaftsgöttin und repräsentiert die fruchtbare Verbindung der beiden „weiblichen Elemente“ Wasser und Erde. Sie ist die göttliche Personifikation des Schlamms, den sie aufwühlt, sie lebt im Sumpf, in den Mooren. Sie ist der Urschlamm, aus dem alles kommt und in den alles zurückkehrt. Ihr Wirkungsbereich ist immer am Übergang von Wasser und Erde – an Küsten und Häfen. Als Hafengöttin von Piräus, dem Hafen von Athen leuchtete sie mit ihrer Fackel aus dem großen Ozean hinein in den sicheren Hafen. Wir sehen sie ohne Namen aber mit derselben Bedeutung am Liberty Island im New Yorker Hafen als Göttin von New York. (Da frag ich mich, ob diese auch am heutigen Schlammpackung-Tag entsprechend gewürdigt wird.)

Die ägyptische Göttin Nathor beschwört mit ihrer typischen Armhaltung die fruchtbaren Nilschwemme. Bringt diese doch fruchtbaren Schlamm mit sich, der das Land zu beiden Ufern in ein landwirtschaftliches Paradies verwandelt, in dem jährlich sogar mehrere Ernten möglich sind.

Sehr schön auch der Mythos der indischen Padmini: In den hindustischen Lehren wird sie als Göttin des Lotus angesehen, ist also als göttliche Verkörperung dieser Pflanze. Die Lotuspflanze wurzelt im Schlamm und wächst durch das Wasser hinauf ans Licht, um sich über der Wasseroberfläche, befreit vom Schlamm, zu entfalten.
In den Mythen ist es Padmini, die die Blüte aus dem Schlamm emporhebt.
Das Besondere am Lotus ist, dass kein Schmutz an ihm haften bleibt. Das wird auch „Lotuseffekt“ bezeichnet. Diese Selbstreinigungs-Funktion galt als magisch bzw. göttlich. Padmini ist daher auch die Göttin des Dungs bzw. des Düngers, die aus dem Schlamm der tiefen unergründlichen Gewässern eine so wundervolle Pflanze in ihrer vollen Pracht und Makellosigkeit hervorbringt und sie wird damit mit absoluter Selbstlosigkeit, Reinheit des Geistes, und Erleuchtung des Wesens gleichgesetzt.
Um in seiner Blüte so zu erstrahlen, muss der Lotus im Schlamm wurzeln. 

Der „Nationale Tag der Schlammpackung“ ist doch eine wunderbare Gelegenheit, die Schöpfungskraft und die Magie der Göttinnen zu feiern.
Ich persönlich werde mir daher heute Abend rituell und gemütlich eine Gesichtspackung aus Heilschlamm genehmigen.

Mehr Informationen zu den erwähnten Göttinnen:

Anjea
Cerridwen
Diana Munichia
Ilmatar
Mami
Nammu
Nana Buruku
Nathor
Nüwa
Padmini
Uti Hiata

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