Müssen wir nett sein?

Heute ist der Welt-Nettigkeitstag. Ja, richtig gelesen, den gibt’s! Auf englisch: World Kindness Day.
Und da sehen wir, wir ungenau die deutsche Sprache wieder einmal ist. Weil „kindness“ ist viel mehr als einfach nett zu sein. Es umfasst den ganzen Bereich von Güte, Liebenswürdigkeit, Freundlichkeit bis zu Barmherzigkeit.
Wie geht es euch eigentlich mit dem Wort nett“?
Ich habe mich gefragt, was mich persönlich so daran stört.
Und da fiel mir der Spruch ein, der in meinem Stammbuch geschrieben stand:
„Sei brav und nett zu allen Leut, dann hast du im Leben große Freud.“
Würde man das einen Buben ins Stammbuch schreiben?
Nett und adrett, brav und artig, niedlich und hübsch, hilfreich und gut – aber alles bitte auf eine ganz harmlose Art und Weise. Immer ein Knickserl machen, freundlich lächeln, nicht zu laut, auf gar keinen Fall wild, trotzig, ein sauberes Kleid anhaben und immer freundlich grüßen …
Ein nettes Mädchen, eine nette junge Frau, eine nette Bluse, eine nette Frisur, ein nettes Hündchen, ein netter Ausflug, ein netter Film.
Und, wie hat’s dir gefallen? – Es war ganz nett. Was heißt das? Es war nichts Besonderes.

Nett ist ja ganz oft die Bezeichnung für etwas Weibliches. Natürlich gibt es auch den netten jungen Mann, aber den wünschen sich eher nur die Schwiegermütter für ihre Töchter.
Das hat alles so etwas Glattes, Unverbindliches, Unverfängliches ohne Kanten und Ecken. Am besten aufgeputzt mit einem rosa Mascherl und einem Zuckerguss.

Gruß aus Japan

Der Welt-Nettigkeitstag möchte erreichen, dass die Menschen freundlicher im Umgang miteinander sind und somit eine allgemein bessere, friedvollere Welt entsteht.
Initiiert wurde dieser Tag übrigens 1998 von der japanischen Nettigkeitsbewegung am Erföffnungstag der Konferenz des World Kindess Movement.
Und dass diese Bewegung gerade ihren Ursprung in Japan hat, ist ja auch spannend.
Diese ritualisierte japanische Freundlichkeit mit dem stets grinsenden Gesicht und den vielen Verbeugungen. Wer weiß denn da, was hinter der Maske steckt?
Ehrlich, da ist mir ein Mensch, der authentisch grantig ist lieber.

Und natürlich möchte ich auch, dass die Menschen freundlich miteinander umgehen.
Dass wir friedvoll sind, dass wir aufeinander schauen und die Bedürfnisse anderer respektieren und da und dort einfach eine liebevolle Geste setzen.
Aber das ist für mich nicht „nett“!
Aber was ist es?

Liebevolle Hinwendung

Da fällt mir einfach eine Göttin ein:
Kwan Yin, in Japan ist sie auch als Kwannon, Kanzeon oder Kanjizai bekannt.
Sie ist die Göttin der liebevollen Hinwendung, die weibliche Verkörperung des Mitgefühls und damit Inbegriff für inneren und äußeren Frieden.
All das ist für mich viel treffender als „Nettigkeit“.

Und wenn wir gerade bei den japanischen Göttinnen sind. Die sind auch nicht immer nett.
Bestes Beispiel: Ama no Uzume.
Sie hat mit einem wilden, schamlosen Tanz die Sonnengöttin Amaterasu aus ihrer dunklen Höhle hervorgelockt und damit die Fruchtbarkeit auf die Erde zurückgebracht.
Mit reiner Nettigkeit hätte sie das sicher nicht geschafft. Dazu hat es Humor und Einfallsreichtum gebraucht, auch den Mut, Tabus zu brechen, gewürzt mit einer Prise Verrücktheit und ganz viel Frohsinn.
Und dazu musste sie vor allem eines sein: Authentisch!

So, und jetzt seid einfach so, wie ihr gerade seid. Und schaut vielleicht, ob ihr heute noch jemand mit einer liebevollen Hinwendung erfreuen könnt. Wenn euch danach ist!

 

Mehr Informationen zu den erwähnten Göttinnen: 
Amaterasu
Ama no Uzume
Kwan Yin

 

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4 Antworten zu Müssen wir nett sein?

  1. Heidrun Regina schreibt:

    Mir geht es mit „nett“ und „brav“ für Mädchen und Frauen auch nicht gut…….
    AUTHENTISCH SEIN ist für mich ebenfalls das Erstrebenswerte!
    Juhu! Ich darf einfach so sein, wie ich bin und DU auch!!

  2. Walburga schreibt:

    Wie heißts so schön: Nett ist die kleine Schwester von Sch***e!

    Nett sein sollte auch bedeutet, ehrlich zu sein. Authentisch dadurch zu werden.

    Und außerdem….man sollte vielleicht viel netter zu sich selbst sein. Nur so mal ein Gedanke.

  3. Waltraud schreibt:

    Verzeihung bitte, aber ich möchte hier keinen Kommentar zum Thema „Nett“ schreiben.
    Ein anderes Thema, das überhaupt nicht nett ist, bewegt mich sehr:
    Ich musste leider erfahren, dass in elitären Kreisen immer wieder satanistische Rituale praktiziert werden und man sich dabei auf diverse Göttinnen beruft – besonders gern auf Isis. Da stehen mir die Haare zu Berge!
    „Aufdecker“ meinen die Wurzeln dieser Praktiken im alttestamentarischen Kanaan gefunden zu haben, von dem ich eigentlich matriarchale Strukturen angenommen hatte.
    Was soll das alles? Ist das wieder einmal eine Verhöhnung des Matriarchats? Eine Verhöhnung der Menschlichkeit?

  4. Waltraud schreibt:

    Ich wünsche den überlebenden Opfern des patriarchalen Satanismus unser aller MITGEFÜHL und Respekt und dass sie irgendwann INNEREN FRIEDEN finden.
    Uns allen wünsche ich, dass letztlich Mitgefühl und Frieden stärker sind als Habgier und Zerstörung.
    Jetzt bin ich auch bei Kwan Yin angelangt.

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