23. Dezember – Das Fest der Wölfin und der Zieh-Mütter aller Wesen

Der 23. Dezember ist der Festtag der Acca Larentia. An diesem Tag wurden im antiken Rom ihr zu Ehren Festspiele, die sogenannten Larentalia gefeiert.
Acca Larentia ist die sagenhafte Amme der mythischen Stadtgründer Romulus und Remus, die sie in einem im Fluss Tiber treibenden Korb fand. Sie wird meist als Wölfin, die die Kinder säugt, dargestellt.
Einen Tag vor der „Modraniht“ – der „Nacht der Mütter“ ist dies damit auch der Tag all jener Frauen, die ihre Mütterlichkeit unabhängig davon leben, ob sie rein physisch Kinder zur Welt gebracht haben: Das sind die Mütter aller Wesen, die bewahrenden Mütter der Natur, die fürsorglichen Ziehmütter und Ammen und all jene, die ihre nährende und beschützende Kraft auf jene übertragen, die sie benötigen.
So wie Acca Larentia, die sich um die beiden im Fluss treibenden Kinder annahm und sie großgezogen hat.
Die Ziehsöhne beschlossen, am Ort, wo die Wölfin sie ernährt hatte, eine Stadt zu gründen. Die Wölfin wurde somit zum Wahrzeichen und Hüterin Roms und schmückte seine Münzen und Bauwerke.

Die schamanische Wolfsgöttin

Es wird vermutet, dass Acca Larentia aus einem Kult entstammt, bei dem Wölfinnen eine tragende bzw. heilige Rolle spielten. Acca Larentia als Wolfsgöttin beherrschte die Kunst der Gestaltwandlung und hat damit eine schamanische Komponente. Die Wölfin hat zwei sehr unterschiedliche Seiten. Einerseits ist sie das Raubtier, die reißende Bestie andererseits die fürsorgliche Mutter und Ziehmutter, die auch in enger Verbindung mit dem Mond steht. Wölfe heulen ja bekanntermaßen den Mond an und die Muttermilch der Wölfin soll auch das fließende Mondlicht symbolisieren, das schützend durch die Nacht begleitet.
Mit diesen beiden Eigenschaften ist sie als Urmutter die Wächterin über Tod und Leben.

Warum die mythologische Figur auch als Göttin gilt, ist wahrscheinlich auf eine ihrer Ursprungsgöttinnen, der sabinischen Larunda zurückzuführen, die bereits vor der Stadtgründung Roms bekannt war.
Die Verbindung zwischen Larunda und Larentia ist allein aus den Namen offensichtlich. Acca ist ein Lallwort für „Mutter“.

Der Mythos erzählt, dass Acca Larentia mit ihrem Mann, dem Hirten Faustulus 12 Söhne hatte, die das Priesterkollegium „fratres Arvales“ begründeten.
Acca Larentia gilt auch als Fruchtbarkeits- und Erntegöttin. Im Rahmen des Herakleskultes (Herkules) galt sie aber auch als dessen Gebliebte. In dessen Tempel in Rom verehrte man sie als Acca, die Schöpferin.

Es heißt auch, Acca sei eine reiche Prostituierte gewesen, die ihr immenses Vermögen der Stadt vermacht hatte.
Die Legende von der Wolfssäugung der Zwillinge stammt möglicherweise aus dieser Version der Geschichte. Die Bezeichnung für Dirne war „lupa“ (= Wölfin).
Einer anderen Überlieferung zufolge war sie die Frau von Tarutius, einem sehr wohlhabenden Mann. Nach seinem Tod soll sie sein ganzes Vermögen den römischen Frauen und Männer gegeben haben.

Die alte Winter-Erdgöttin und die guten Geister

Die Grundlage für den Festtermin jeweils am 23. Dezember bildet aber der viel ältere Mythos um die Unterweltsgöttin Larunda, an deren angeblichem Grab im antiken Rom beim Fest Larentalia Weihegaben dargebracht wurden.
Die  Zeit um die Wintersonnenwende als Termin für diese Zeremonien ist ein Hinweis auf eine Erdgöttin in ihrem winterlichen Aspekt, die sich nun ganz in die Unterwelt zurückzieht. Auch die Wölfin passt gut dazu, es heißt ja, dass Wölfe und andere wilde Tiere nun nahe an die Behausungen der Menschen kommen sollen Sie beschlossen, am Ort, wo die Wölfin sie ernährt hatte, eine Stadt zu gründen, aber in der Folge eines Streites zwischen den beiden, tötete Romulus seinen Bruder. Die Wölfin wurde zum Wahrzeichen Roms und schmückte seine Münzen und Bauwerke – ein Motiv, aus dem die Wilde Jagd rund um die Muttergöttin Percht in den Rauhnächten stammen könnte.

Larunda wird auch Mater Larum (lateinisch „Mutter der Laren“) genannt. Die Laren (lat: „lares“) sind Schutzgottheiten, die ursprünglich als die Geister der Toten, die in der Erde vergraben waren, angesehen wurden. Später wurden sie zu jenen guten Geistern, die Äcker und Felder und auch den Haushalt beschützen.
Auch Acca Larentia gilt als die Mutter der Laren, weshalb diese beiden Göttinnen oft gleichgesetzt werden.

Da der Name Larunda auch von einem Verb in der Bedeutung „sie soll grünen lassen“ abgeleitet wird, kann man davon ausgehen, dass sie auch darum gebeten wurde, die Pflanzen in der Unterwelt den ganzen Winter über zu beschützen, damit diese im Frühjahr wieder aus dieser hervorsprießen können.

Die Göttin trägt das keimende Leben ja beim Gang in die Unterwelt im Spätherbst schon in ihrem Bauch. Diese „Unterweltskinder“ kommen zu Frühlingsbeginn an das Tageslicht.

So wurden auch die Lares, die ursprünglichen Todesgeister auch mehr und mehr als gute Geister verstanden, die Äcker, Felder und deren Früchte (die sie selbst symbolisieren) beschützen.

In vielen Kulturen gibt es den Mythos, dass wer mit Wolfsmilch genährt wurde, besonders kraft und machtvoll wird. So wurde neben Romulus und Remus z.B. auch der deutsche Königssohn Wolf-Dietrich,  Protagonist des gleichnamigen mittelhochdeutschen Heldenepos von einer Wölfin behütet und genährt. Auch der irische König Cormac Mac Art wurde von Wölfen großgezogen. Eine berühmte moderne literarische Figur ist der von Wölfen aufgezogene Mowgli aus dem Dschungelbuch.
Es heißt, all jene, die eine Wölfin als Ziehmutter haben, seien sowohl in der Zivilisation wie auch in der Wildnis daheim. Sie können also auch als schamanische Mischwesen angesehen werden, die halb in der Tier- und halb in der Menschenwelt leben.

 

Mehr Infos zu den erwähnten Göttinnen:
Acca Larentia
Larunda

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Weitere Geschichten rund um die Wintersonnenwende, die Weihenächte sowie die Rauhnachtszeit finden sich in den artedea-eBooks:

 

Bilderquellen:
artedea.net
Die Kapitolinische Wölfin – Jastrow – de.wikipedia.org

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