Blumenstrauß vs. Aschenkreuz – Valentins-Aschermittwoch

Heuer fällt ja der Valentinstag mit dem Aschermittwoch zusammen. Unterschiedlicher könnten diese beiden christlichen Feiertage nicht sein: Hier das Liebesglühen mit allerlei kleinen Aufmerksamkeiten, dort der Beginn der Fastenzeit mit der Bestreuung mit Asche als Zeichen der Buße.
Restaurants werden hier sehr kreativ – Liebes-Heringschmaus mit einer herzförmigen Fischplatte (Austern, Fisch und Kaviar gelten ja auch als Aphrodisiaka) und einem sinnlichen Erdbeer-Champagner-Dessert.
Ob das so im katholischen Sinne ist?
Tja, wenn unterschiedliche Kalendersysteme aufeinander treffen, dann kann das zu kuriosen Überschneidungen führen: Der Valentinstag wurde von Papst Gelasius I. im Jahr 469 eingeführt und auf den 14. Februar gelegt. Der Aschermittwoch richtet sich nach dem Datum von Ostern – am 46. Tag davor.

Die lustvolle Göttin und der keusche Märtyrer

Der Valentinstag hat eine wechselhafte Geschichte. Begonnen hat alles mit lustvollen Festivals, bei denen im Alten Rom die Göttin Juno Februata gefeiert wurde.
Mittelpunkt dieses Festes, das bis in die Spätantike gefeiert wurde, war die Lupercal-Grotte, jener Ort, wo nach der Überlieferung die Göttin Acca Larentia, die meist als Wölfin dargestellt wird, die Zwillinge Romulus und Remus säugt.
Speziell Frauen haben – der Überlieferung nach – die Wiederkehr des Lebens nach dem langen Winter ausgiebig gefeiert und dabei soll auch das eine oder andere erotische Spiel ausprobiert worden sein.
Dann wurde es ganz fromm und heilig, denn natürlich gefiel dieses Fest der sexuellen Freizügigkeit mit seinen orgiastischen Riten den christlichen Kirchenmännern so gar nicht. Daher wurde es vorerst in ein Marienfest umgewandelt. Diese schien allerdings auch noch zu sehr an die weibliche Göttin Februata zu erinnern. Um ganz sicher zu gehen wurde daher der „Märtyrer Valentin“ erfunden, der die Göttin zu ersetzen sollte. Dieser ist übrigens mangels stichhaltiger historischer Quellen schon längst wieder aus dem Kreis der Heiligen eliminiert und aus dem liturgischen Kalender der katholischen Kirche gestrichen.
Zwischendurch galt der 14. Februar als Unglückstag, denn an ihm sollte der Verräter Jesu, Judas Ischariot geboren worden sein. Der Aberglaube ging soweit, dass Kälber, die am 14. Februar geboren waren, nicht zur Zucht eingesetzt wurden.
Durchgesetzt hat sich der Valentinstag allerdings dann doch in seiner romantischen Version, auch wenn es in sittenstrengen Ländern heimlich geschehen muss.

V wie Valentin, Vagina oder „Victory over Violence“

Seit 1997 ist der 14. Februar der „V-Day“ – ein internationaler Aktionstag gegen
Gewalt an Frauen.
Die Formen der Gewalt sind vielfältig. Während weltweit Ausbeutung, moderne Sklaverei, Frauenhandel und weibliche Genitalverstümmelung dominieren, ist es in den Ländern der westlichen Welt vor allem die häusliche Gewalt oder jene im Beruf, unter der die Frauen leiden (Stichwort: me too).
Aus der V-Day-Bewegung ist die Kampagne „One Billion Rising“ (eine Milliarde erhebt sich) entstanden.

Und hier trifft sich in einzigartiger Weise wieder der Valentinstag mit dem Aschermittwoch: Geht es doch bei dem einen um die Verehrung von Frauen in der besten und ehrlichsten Form und beim anderen um ein Innehalten, um Besinnung, Mäßigung und Reue.

Das hätte sich der gute alte Valentin wohl auch nicht träumen lassen, wofür der Anfangsbuchstaben seines Namens noch stehen wird: Also nicht nur für Vagina, sondern vor allem auch für „Victory over Violence”.
Das große V hat sich immer mehr zum Frauenzeichen entwickelt – ein
historischer Joke!
Denn damit sind wir wieder bei der Kraft der alten Göttinnen wie Juno Februata und
Acca Larentia.

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„Valentinstag: Die lustvolle Göttin und der keusche Heilige“

Fröhlich, frech und kritisch, mit erstaunlichen Geschichten und kurzweiligem Lesestoff.
Und das Beste: Es gibt dieses Ebook jetzt für kurze Zeit zum Gratis-Download.

Aus dem Inhalt:

  • Paar-Lotterie mittels Papyrus-Streifen
  • Frivol-fröhliche Feste in der Höhle der Wölfin
  • Liebesglut und Schokolade-Geschenke
  • Faschingsvergnügungen und Martyriumsgeschichten
  • Neckische Vogelspiele
  • Vagina-Monologe und die getanzte Revolution

Also von allem ein bisschen was: Sex, Crime and Rock’n-Roll

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Mehr zu den erwähnten Göttinnen:
Acca Larentia
Juno Februata
Maria

Bildquellen:
artedea.net
human-913926_1920 / 422737  / pixabay.com/

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Eine Antwort zu Blumenstrauß vs. Aschenkreuz – Valentins-Aschermittwoch

  1. Beatrix schreibt:

    Super artikel und danke für dss e-book 🙂

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