Die Nacht der Sternschnuppen – wie Wünsche wahr werden

Wenn du eine Sternschnuppe siehst, dann kannst du dir was wünschen – das wurde mir schon in meiner Kindheit erzählt. Nun: Wünschen kann ich mir ja eigentlich immer was, dazu brauche ich nicht wirklich eine Sternschnuppe. Nur sollen diese Sternschnuppen-Wünsche angeblich ja auch in Erfüllung gehen.
Bei ganz vielen unerfüllten Wünschen ist heuer die Nacht vom 12. auf den 13. August geradezu ideal!
Gerade einmal zwei Wochen nach der längsten totalen Mondfinsternis des Jahrhunderts dürfen wir uns am Wochenende auf einen weiteren „himmlischen“ Höhepunkt freuen: Da gibt es wie jedes Jahr im August ein außergewöhnliches Himmelsspektakel, das uns die Sternschnuppen der Perseiden bescheren, wenn die Erde die Bahn und somit die Staubspur des Kometen Swift-Tuttle kreuzt. Viele dieser winzigen kosmischen Staubteilchen gelangen dabei in die Erdatmosphäre. Dort bringen sie die Moleküle unserer Luft zum Strahlen und daher sehen wir sie als Lichtstreifen über den Himmel rasen.

Eine Sternschnuppe pro Minute

Die beste Beobachtungszeit für die Sommermeteore sind der späte Sonntagabend und der frühe Montagmorgen kurz vor oder während der Morgendämmerung am östlichen Morgenhimmel. In der Nacht auf Montag wird eine Sternschnuppe pro Minute erwartet! Aber auch in den Nächten vor und nach dem Perseidenmaximum lohnt ein Blick zum Nachthimmel: Bereits in der Nacht von Samstag auf Sonntag werden viele Sternschnuppen über das Firmament flitzen.
Und: Am Samstag ist Schwarzmond, das ist natürlich ideal! Denn ein heller Mond überstrahlt nämlich viele lichtschwächere Meteore.
Im Übrigen: Bei diesem Schwarzmond kann auch eine partielle Sonnenfinsternis in einigen Weltregionen beobachtet werden. Über der Arktis und Teilen Asiens verfinstert sich am Samstag ein Teil der Sonne. Das können wir in unseren Breiten leider nicht sehen.

Vom alljährlichen Perseiden-Spektakel sind die Menschen schon seit sehr langer Zeit begeistert: Berichte von diesem August-Sternschnuppen-Regen gibt es aus China, Japan und Korea schon vor etwa 2.000 Jahren. Die erste Quelle in Europa weist im Jahr 811 auf die Sternschnuppen hin.
Der Glaube an die Glück verheißenden und Wünsche erfüllenden Sternschnuppen ist Jahrhunderte alt. Vermutlich sahen die Menschen in ihnen einst göttliche Lichtfunken am dunklen Nachthimmel. Und so hoffte man auf überirdischen Beistand, wenn man beim Anblick einer Sternschnuppe einen stillen Wunsch äußerte.

Kampf zwischen Engeln und Dämonen

Sternschnuppen bringen jedoch nicht überall Gutes. Sie gelten auch als Unglückszeichen. Dass diese Himmelsphänomene bei Menschen in der Urzeit auch Angst verbreiteten, ist gut zu verstehen, weil sie für herabfallende Sterne gehalten wurden. Daher werden sie vielerorts – wie z.B. in der Mongolei – als unheilbringendes Vorzeichen betrachtet. Im Volksglauben der mongolischen SteppenbewohnerInnen zeigen sich in Sternschnuppen die Seelen der Verstorbenen auf ihrer Reise ins Jenseits. In der Antike kündigten sie den Tod eines Menschen an.

Im christlichen Aberglauben sieht man in ihnen ein Zeichen, dass nun eine arme Seele erlöst wurde. Vermutlich werden deshalb verstorbene Kinder auch heute noch Sternschnuppen genannt.
Im Mittleren Osten des 14. Jahrhunderts sah man in den leuchtenden Streifen am Nachthimmel jene Feuer, die im Kampf zwischen Engeln und Dämonen entstehen. Beim Volk der Andamanen, die in der Bucht von Bengalen leben, gelten Sternschnuppen noch immer als brennende Fackeln, die von bösen Waldgeister in den Himmel geschleudert werden, um jene Menschen zu erwischen, die sich nachts im Freien aufhalten.
Für die australischen UreinwohnerInnen sind sie Feuerstöcke, auf denen SchamanInnen reiten.

Die Zuchtrute Gottes oder Liebes-Glücksmomente der Göttin

Kometenerscheinungen wie es Sternschnuppen sind, galten im christlichen Mittelalter als göttliche Mahnungen.
Das ist auf die alttestamentarischen Aussagen bei Jeremias (Kap.1,11-12) zurückzuführen, die davor gewarnt haben, dass Gott eine Zuchtrute am Himmel erscheinen ließe, um seine Worte durchzusetzen. In Sternschnuppen schien man diese Zuchtrute erkannt zu haben.

Wie anders als der strafende, rächende, züchtigende jüdische bzw. christliche Gott, dem offenbar kein Mittel zu blöd war, seine Worte und damit seine Macht durchzusetzen ist hier wieder einmal der Glauben an eine Göttin, die wir mit Sternschnuppen in Verbindung bringen:

Denn natürlich gibt es auch eine „Sternschnuppen-Göttin“: Die libanesische Ashtart ist sternschnuppen-gleich vom Himmel auf die Erde gefallen, vor allem, um den Menschen Ratschläge bei Liebeskummer geben zu können. Sie ist freundlich und den Menschen zugetan und will ihnen – vor allem in Liebes- und Herzensangelegenheiten – helfen.
Sie spricht Prophezeiungen aus und kann aus den Sternen für Liebende lesen, speziell auch für solche, die gerade um die Liebe streiten. Ashtart kann man immer sehen, wenn eine Sternschnuppe vom Himmel fällt, dann weist sie auf einen kommenden Glücksmoment in der Liebe hin.

Ashtart ist mit Astarte verwandt, der Sternengöttin der syrisch-phönikisch-westsemitischen Mythologie. Astarte gebietet über die Sterne, die wiederum Einfluss auf die Geschehnisse auf der Erde haben.
Und sie ist sozusagen auch die „Vorlage“ für die christliche Maria.
Viele der Marien-Darstellungen ähneln Astarte – wir kennen Maria mit einem Sternenkranz um ihren Kopf, stehend in einer Mondsichel, in blaues Gewand als Zeichen des Himmels gehüllt.
Astarte wird zumeist mit Mondsichelhörnern (Kuhgehörn und Sonnenscheibe bzw. Vollmond) umringt von Sternen und oft als Mutter des „göttlichen Kindes“ mit dem Kind auf dem Arm dargestellt.

Wunsch-Magie – und wie sie funktioniert

Warum also könnten Sternschnuppen-Wünsche wirklich in Erfüllung gehen?

Die „Magie“ dabei liegt vermutlich darin, dass man sich für einen kurzen Augenblick auf einen Wunsch konzentriert, ja sich dessen erst im Augenblick einer Sternschnuppe bewusst wird. Er wird vielleicht sogar ausgesprochen oder in diesem kurzen Moment ganz klar gedacht.

Das macht etwas mit unserem Geist und unseren Gefühlen. Es ist möglicherweise eine Information aus unserem Unterbewusstsein, das wie eine Sternschnuppe aus der großen Dunkelheit auftaucht. Etwas, was wir uns vielleicht nicht so eingestehen würden, gäbe es diesen kurzen erleuchtenden Moment der Sternschnuppe nicht.

Daher ist es klug, auf diese Gedankenblitze, diese Sternschnuppen, die aus unserem Innersten kommen, zu hören und sie Ernst zu nehmen.

Gehen diese Wünsche dann auch in Erfüllung? Ein erster wichtiger Schritt ist gemacht. Der Wunsch ist bewusst geworden. Die weitere „Magie“ liegt bei uns. Meist braucht es dazu gar keine magischen Fähigkeiten, sondern den Willen, das in unser Leben zu bringen, das wir uns wünschen. Die notwendigen Schritte zu unternehmen bzw. sich selbst zu befähigen, etwas vom Status des Wunsches in jenen der Verwirklichung zu bringen.

Vielfach wird gesagt, dass so ein Sternschnuppen-Wunsch geheim gehalten werden soll. Auch das hat seinen Sinn, man unterstützt sich dadurch selbst dabei, dass er erst einmal im eigenen Innern wächst und gedeiht. Wieviele Wünsche, Projekte sind in ihren Anfangsstadien sind schon „verpufft“, weil man sie zu früh an die Öffentlichkeit gebracht hat? Wieviele Neider oder Menschen mit anderen schlechten oder eigennutzigen Absichten haben uns unsere Wünsche schon vergällt?

Welcher Gedanke kommt als erster aus dem Unterbewusstsein?

Wenn wir eine Sternschnuppe unerwartet am Himmel sehen und die Geschichte von der Wunscherfüllung kennen, dann ist es oft erstaunlich, welcher Gedanke als erstes aus dem Unterbewusstsein hochkommt. Es lohnt sich, diesem nachzugehen.

Wie ist das nun, wenn man in einer dieser typischen Sternschnuppen-Nächte wie wir sie jetzt haben, unter dem nächtlichen Firmament auf die kosmischen Wunscherfüller wartet? Da werden wir ja nicht wirklich überrascht.

Auch hier kann die „Magie“ mit der Wunscherfüllung ganz gut funktionieren. Für die meisten Menschen ist es ja eher ungewohnt, in der Nacht für längere Zeit im Freien zu sein und in die Dunkelheit, in das große weite Universum zu schauen. Und sich dabei auch auf die Wünsche zu konzentrieren, die sich erfüllen mögen. Das kommt also einer Meditation sehr nahe. Auch da können viele Gedanken, Gefühle, Impulse auftauchen.

Einen Herzenswunsch für längere Zeit präsent zu haben, während man hinaus in das Weltall schaut kann bewirken, dass sich dieser gut im Bewusstsein verankert und damit Kraft bekommt – auch ganz ohne einer fallenden Sternschnuppe. Für die Stärkung der Wunschkraft ist das also ein ausgezeichnetes Training,

Es empfiehlt sich daher, dieses Sternschnuppen-Schauen auch eher in einer besinnlichen Stimmung und allein zu machen. Wobei natürlich ein Picknick unter dem Sternenhimmel mit netten Menschen auch etwas für sich hat.

Ein Wunsch, den zwei (verliebte) Menschen gemeinsam haben, lässt sich wunderbar
bekräftigen, wenn beide Hand in Hand auf einer Sommerwiese liegen, an diesen Wunsch denken und ihn mit einer Sternschnuppe gemeinsam im großen weiten Universum aufblitzen lassen. Vielleicht erzählen sie einander, wie sie sich sehen und fühlen, wenn der Wunsch in Erfüllung gegangen ist. So etwas hört die Sternschnuppen-Göttin Ashtart auch sicher gerne, die es mit Verliebten ja gut meint ;o)

Ich wünsche viel Freude beim Sternschnuppen-Wünschen oder einfach nur beim Erleben einer wunderbaren, zauberhaften August-Nacht unter freiem Himmel.

Mehr Informationen zu den erwähnten Göttinnen:
Ashtart
Astarte
Maria

 

Bildquellen:
artedea.net
Meteorstrom / de.wikipedia.org / NASA Ames Research Center/S. Molau and P. Jenniskens
Perseid / flickr.com / Nacho Rascón

 

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