Jahr des Schweins – Heiliges Tier der Göttin

Heute, am 5. Februar feiert man in China Neujahr.
Das chinesische Neujahrsfest richtet sich nach dem Mond und findet zwischen dem 21. Januar und dem 21. Februar statt, am zweiten (sehr selten am dritten) Neumond nach der Wintersonnenwende. Mit dem Neujahrsfest ist nach der chinesischen Astrologie der zyklische Wechsel zwischen den zwölf verschiedenen Erdzweigen verbunden: Heute beginnt das Jahr des Schweins. Es verspricht Glück, Reichtum und Zufriedenheit. Eine gute Gelegenheit, sich mit diesem Tier ein wenig zu beschäftigen.

Das Schwein ist ja nicht nur im Chinesischen Tierkreis, sondern auch in der westlichen Welt ein wichtiges Symbol für Glück und Wohlstand.
Vom „chinesischen Schwein“ heißt, es sei das optimistischste Tierkreiszeichen und seine Zuversicht wirkt ansteckend. Darüber hinaus wird es als gutmütig, aufrichtig und hilfsbereit beschrieben. Alle, die im Sternzeichen des Schweins geboren sind, sollen tolerant sein, die Wahrheit lieben und dazu bereit sein, für diese Wahrheit auch einzustehen.

Schwein als Trostpreis und Karten-Ass

„Schwein gehabt“ heißt es bei uns erleichtert, wenn trotz widriger Umstände alles noch mal gut ging oder ein Mensch ohne eigenes Zutun Glück hatte. Häufig wird damit auch ausgedrückt, dass ein Unheil abgewendet wurde und der Zufall oder eine günstige Wendung dabei eine große Rolle gespielt hat.
Diese Redewendung hat ihren Ursprung angeblich in Sportspielen des Mittelalters. Damals gab es nicht nur für die Besten verschiedene Auszeichnungen. Auch für jene, die verloren haben, gab es einen Lohn, zum Beispiel auf dem Augsburger Schießfest. Dort erhielt der schlechteste Schütze als Trostpreis ein Schwein. Er bekam also eine Belohnung, ohne etwas Herausragendes dafür getan zu haben. Damit wurde er einerseits lächerlich gemacht, andererseits war es dennoch ein wertvoller Preis und der Verlierer war letztlich doch der Glückliche. Denn Schweine brauchen kein teures Futter und sind mit etwa sechs Monaten bereits schlachtreif. Eine gesunde Sau kann mindestens zweimal pro Jahr Nachwuchs bekommen – pro Wurf etwa zehn Ferkel. Also der Gewinn vermehrte sich unglaublich.

Möglicherweise stammt diese Redensart auch aus dem Kartenspiel. Um das 16. Jahrhundert nannte man das Ass (bzw. damals Daus) umgangssprachlich auch „Sau“. Wer die höchste Karte (Sau) zog, hatte viel Glück.
Und wir lassen die Sau raus, wenn wir so richtig feiern. Auch das kommt vom Kartenspiel: Wer das Ass ausspielte, holte damit die „Sau raus”.
Wobei es auch möglich ist, dass diese Redewendung einen anderen Hintergrund hat: Schweine waren im Mittelalter sozusagen die Müllabfuhr. Immer wenn die Straßen der Dörfer und Städte voller Müll waren (man warf damals vieles einfach vor die Tür), wurden die Schweine raus gelassen, damit diese den ganzen Müll fraßen und somit beseitigten. Mit organischem Müll ging das ja noch. Und dabei ist es offenbar ganz schön zugegangen.

Perlen vor die Säue

Wir verschenken besonders zu Silvester Glücksschweine.
Und nicht von ungefähr gibt es auch das Sparschwein, in dessen Bauch sich ein kleines Vermögen anhäufen kann, besonders wenn man ein „Schweinegeld“ verdient.
Und man traut genau dem Schwein und keinem anderen Tier zu, dieses gut aufzubewahren.
Das Schwein ist aber auch ein ambivalentes Tier, einerseits Glücks- und Wohlstandssymbol, andererseits aber auch der Inbegriff für etwas Widerliches, Verwerfliches:
Er frisst wie ein Schwein. Du Schwein! So ein Sauerei, das ist ein richtiger Schweinefraß, armes Schwein, faule Sau, Schweinekram, Ferkelei, unter aller Sau, Drecksau, versaut, so ein Saustall …
Wir werfen Perlen vor die Säue, wenn wir etwas Wertvolles verschenken, das die Beschenkten nicht zu würdigen wissen.

Entgegen der weit verbreiteten Meinung, dass das Schwein schmutzig und unrein sei (letzteres wird sogar in der Bibel erwähnt), ist die Tatsache vielmehr die, dass es ein sehr reinliches und soziales Tier ist.
Daher vielleicht auch: saugut, saustark, sauwohl.
„Saukalt“ heißt es übrigens, weil durch das fehlende „Fell“ Schweine sehr leicht und schnell frieren.

Die Muttersau als Symbol der Großen Göttin

Schweine galten in früheren Zeiten vielfach als heilige Tiere von bedeutenden Göttinnen:

So ist das Schwein, eigentlich die Muttersau, das mythische Tier der keltischen Göttin Cerridwen. Sie soll oft die Gestalt eines Schweines angenommen haben, was auf den Aspekt der großen Muttersau hinweist.
Das Schwein symbolisiert in vielen Kulturen Fruchtbarkeit, Mütterlichkeit und Weiblichkeit. Die Muttersau nährt und behütet. 
Cerridwen wird oft auch als weiße Sau dargestellt, die die toten Körper der Menschen frisst. Durch dieses symbolische Auffressen können sich die Toten verwandeln und wiedergeboren werden bzw. durch die Muttergöttin, die sie sie sich in Form eines Schweines einverleibt hat, hinüber in die Anderswelt gelangen. Denn geben und nehmen, Leben und Tod vereinen sich in dieser Göttin.
Es heißt, Cerridwen sei die Schweinegöttin der Sterne und des Schwarzmondes und sie sei immer und überall die gebärende und wiedergebärende Göttin des Schweine-Uterus. Die Sterne seien ihre Ferkel-Kinder, die sie morgens „verschlinge“ und abends „gebäre“.
Das altirische und walisische Wort „cerdd“ bedeutet „weiß“, daher wird Cerridwen auch oft als bleiche oder weißhaarige Göttin bzw. als weißes Schwein oder Mond dargestellt. Cerdo ist das spanische Wort für Schwein. Die Erntetänze der PyrenäenbewohnerInnen heißen „cerdaña“ – Schweinetänze. Sie werden zu Ehren der Großen Göttin aufgeführt, die als „Quelle des Lebens“ und als „Gefäß des Todes“ das Leben gibt und wieder nimmt.

In der Mytholgie der Jali in West-Neuguinea sollen Himmel und Erde, sowie auch Sonne und Mond aus dem Ur-Schwein geboren worden sein.

Die Göttin im Schweinsgalopp

Eine ganz besondere Beziehung auch in Hinblick auf eine Wiedergeburt hat das Schwein im Mythos der griechischen Baubo. Sie ritt auf diesem zu Demeter, um diese zu trösten, nachdem ihre Tochter in die Unterwelt entführt wurde.
Das ist bereits im griechischen Mythos erwähnt, und findet sich auch in Goethes Faust I, Walpurgisnacht wieder:

Die alte Baubo kommt allein; 
Sie reitet auf einem Mutterschwein.
So Ehre denn, wem Ehre gebührt! 
Frau Baubo vor! Und angeführt!
Ein tüchtig Schwein und Mutter drauf, 
Da folgt der ganze Hexenhauf.

Das Schwein ist ein altes Symbol für Wiedergeburt und Gebären. In diesem Mythos wird durch die Aktion der Baubo auf ihrem Schwein Demeters Tochter Persephone aus der Unterwelt geholt, sozusagen wiedergeboren.

Auf Schweinen reitende Göttin sind nicht außergewöhnlich: Auch die nordische Göttin Freya reitet, wenn sie nicht gerade im vom Katzen gezogenen Wagen sitzt, auf einem Kampfschwein, ein Eber mit goldenen Borsten namens Hildiswini. Sie selbst hat den Ehrennamen „Syr“, was übersetzt Sau bedeutet.

Und auch die ägyptische Isis wird wegen ihrer mütterlichen Eigenschaften manchmal in Gestalt einer Sau gezeigt.

Auch an der Seite der römischen Fruchtbarkeitsgöttin Ceres ist oft das Schwein zu sehen. Ein in der Erde wühlendes Tier, das auch hier wie bei anderen Göttinnen als Fruchtbarkeitssymbol gilt.
Hier hat es allerdings eine besondere Bewandtnis: Das Aufbrechen der Erde durch die Schweine und das sich Suhlen in dieser war Anzeichen für den Übergang zum Ackerbau. Die Menschen konnten in den Schweinefurchen das Aufgehen von Samen beobachten. Ceres soll ihnen damit den Ackerbau gelehrt haben, dessen Schutzgöttin sie auch ist.

Das heilige Tier der keltisch-gallischen Göttin Arduinna ist der Eber. Er gilt als Tier der Anderswelt, der durch ein Tor in das Königreich der weiblichen Seele führen kann, in die Welt der Arduinna.

Im Mythos der griechischen Kirke hat das Schwein eine wiederum andere Bedeutung.
Sie gilt als die Urmutter aller Hexen. Ihre Zaubertränke und auch ihre legendären Zaubersprüche testete sie an Menschen, die an ihrer Küste Schiffbruch erlitten.
So soll sie jeden, der ihre Insel betrat, in ein Tier verwandelt haben. Auch Odysseus erlitt Schiffbruch und seine Seefahrer wurden von Kirke zu grunzenden Schweinen verwandelt.
Odysseus konnte Kirke aber zwingen, seinen Kameraden die menschliche Gestalt wiederzugeben. Er selbst war dank der Hilfe des Hermes gegen diesen Zauber gefeit.
Nicht gefeit war er allerdings ihrem Zauber als Frau. Das Wort „bezirzen“ erinnert an die Fähigkeiten der Kirke.

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Mehr Informationen zu den erwähnten Göttinnen:
Arduinna
Baubo
Ceres
Cerridwen
Demeter
Freya
Isis
Kirke
Persephone

 

Bildquellen: 
pixabay.com: piglet-3045288_1920 / pixel2013
pixabay.com: card-game-167051_1920 / PDPics

Göttinnenbilder: artedea.net

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