Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt

Die Körpersprache ist das älteste Kommunikationsmittel. Unser Körper ist niemals stumm. Das grundlegende Gesetz der Körpersprache lautet: Wichtig ist, wie ich wirke und nicht, was ich meine.
Wirkung ist überhaupt das A und O jeglicher Existenz:
Wie komme ich rüber?
Was strahle ich aus?
Werde ich überhaupt verstanden?
Und meistens bemerken wir sehr schnell, wenn hier etwas nicht stimmt.
Wirkung bedarf daher ständiger Veränderung.
Dazu der bekannte Satz von Paul Watzlawick:
Wenn du immer wieder das tust, was du immer schon getan hast, dann wirst du immer wieder das bekommen, was du immer schon bekommen hast.
Wenn du etwas Anderes haben willst, musst du etwas Anderes tun!

Das gilt auch für und vor allem für die Körpersprache.
Und ich wende mich besonders an Frauen: Ja, es gibt sie, die feministische Körpersprache.
Und wir können unseren Körperausdruck in vielen Varianten ändern.
Zugegeben, dazu braucht es Selbsterkenntnis ein wenig Übung. Aber es zahlt sich aus!
Frauen haben ein Recht darauf, Raum einzunehmen, ihre Stimme kraftvoll einzusetzen, ihren Blick, ihre Arme und Beine zu nutzen.
Wir verändern damit nicht nur uns selbst, sondern auch unsere Umgebung und sind Vorbild für die nachkommenden Frauengenerationen, die hoffentlich nicht mehr die Schultern einziehen, den Kopf schieflegen und auf einem Bein balancieren müssen. Einfach weil sie das durch Nachahmen so gelernt haben.

Warum ist hier etwas falsch?

Es ist ganz seltsam: Was empfinden wir, wenn wir mit Frauen konfrontiert sind, die breitbeinig dastehen,  Hände in den Hüften, laut lachen und mit weit ausladenden Gesten sprechen?
Oder was denken wir von Männern, die „zusammengefaltet“ dastehen, mit hoher Stimme sprechen, mit kleinen zierlichen Gesten artikulieren und sich beim Lachen verschämt die Hand vor den Mund halten.
Irgendwie kommt doch das Gefühl auf, dass hier etwas nicht stimmt.

Warum? Weil das in unseren Genen liegt?
Nein, natürlich nicht. Es wurde uns so anerzogen. Es geht um eine lange Linie zurück in unserer Evolution, in der Kinder von Erwachsenen soziales Verhalten gelernt haben.
Und das tun sie vor allem, indem sie ihre Vorbilder kopieren.
Warum aber neigen aber Frauen dazu, sich klein zu machen, unscheinbar, Demutsgesten zu verwenden?

Warum haben Frauen sich klein gemacht?

Wir dürfen nicht vergessen: Dreiviertel aller Opfer der Hexenverfolgung waren Frauen. Frauen, die Männer und/oder der katholischen Kirche aus irgendeinem Grund im Wege standen – starke, machtvolle Frauen, die viel (geheimes) Wissen angehäuft haben, dessen Männer sich bemächtigen wollten.
Wen wundert’s, dass Frauen, um ihr eigenes Leben zu retten und das ihrer Kinder zu schützen, sich klein, unschuldig und dumm gestellt haben. Und das an ihre Töchter weitergegeben haben.

Diese Zeiten sind zum Glück schon lange vorbei. Zumindest in Mitteleuropa.

Zeit zur Veränderung

Jetzt können wir uns entscheiden, ob wir diese alten nonverbale Ausdrucksformen weiter an die nachfolgenden Generationen geben wollen oder eine Veränderung einzuleiten. Und das Weitergeben von Körpersprache geschieht nun einmal vor allem durch die Vorbildwirkung.

„Wir brauchen Kinder nicht zu erziehen. Sie machen uns ohnehin alles nach.“
Dieses Zitat wird Karl Valentin zugeschrieben und es drückt eine große Wahrheit aus.
Die Familie ist das soziale Umfeld, welches am stärksten als Vorbild dient. Kleinkinder erfahren Charakteristika und Stimmungen schon lange bevor Worte für sie überhaupt einen Sinn ergeben.
Wir schauen uns von den Eltern die Art und Weise, wie sie sich die Hände waschen, die Schuhe anziehen, den Pullover ausziehen oder das Besteck beim Essen halten ab. Da brauchen sie uns nicht viel verbal zu erklären. Und es ist in den allermeisten Fällen so: Töchter ahmen die Mütter, Söhne die Väter nach.
Ein gutes Beispiel dafür ist das Pullover ausziehen. Beobachtet das: Während Frauen mit gekreuzten Armen  in die Taille greifen und den Pullover hochziehen, fassen Männer meist mit einer Hand nach hinten in den oberen Rücken und ziehen sich den Pullover über den Kopf. Von wem haben sie das?

Kurzer Ausflug ins Tierreich: Tierkinder lernen ja auch nicht durch verbale Anweisungen sondern durch Nachahmung. Allerdings konzentrieren sich junge Tiere beim Lernen mehr auf das Ziel, z.B. ans Futter zu kommen und machen schließlich das, was zum Erfolg führt. Menschenkinder hingegen ahmen nach dem Motto „der Weg ist das Ziel“ alles nach, was sie sehen.

Spiegelbild der Eltern

Besonders stark werden Kinder von der Rollenverteilung im Elternhaus beeinflusst. Und von der Art und Weise, wie die Eltern miteinander umgehen, besonders in Konfliktsituationen. Und wie sie mit ihrer Körpersprache Wertschätzung, Dominanz, Entschlussfähigkeit, Beschwichtigung oder Rückzug ausdrücken. Wie ist die individuelle Körpersprache von Mutter oder Vater als Reaktion auf Stress, auf Ärger oder herausfordernde Situationen? Wer plustert sich auf, wer macht sich klein, wer strafft die Schulter, wer zieht den Kopf ein? So funktioniert die Welt! Das ist das, was bei Kindern ankommt.

Aber natürlich geht es in der Erziehung auch um Ge- und Verbote, die verbal zum Ausdruck gebracht werden.
„Rede nicht so laut, die Leute schauen schon“, maßregeln Eltern gerne ihre Töchter.
„Jetzt spiel doch nicht gleich den Beleidigten“, hören die Söhne und damit wird ihnen antrainiert, ihre Mimik unter Kontrolle zu halten.
Eine Fortsetzung vom unseligen „Ein Indianer kennt keinen Schmerz.“

Dürfen Kinder ihr öffentliches, durchsetzungsfähiges Selbst entwickeln?
Dürfen sie ihre Emotionen auszudrücken, und zwar alle?
Dürfen sie die Körperhaltung einnehmen, die ihnen gerade bequem ist?
Dürfen sie Raum einnehmen, sich mit ihrer Körpersprache zur Wehr setzen?
Ganz gleichgültig welches Geschlecht sie haben?
Worin schränken wir sie ein, worin fördern wir sie?
Und nochmals: Was leben wir ihnen vor?

Wenn wir einen Veränderungsprozess für die nachfolgenden Generationen in Gang setzen wollen, ist es wichtig, dass wir uns selbst und unsere Körpersprache hinterfragen und verändern. Das gilt nicht nur für Eltern, sondern für alle Erwachsene. Denn je mehr sich für Kinder das soziale Umfeld erweitert, desto mehr suchen sie sich auch Role Models außerhalb der Familie.
Wie war ich damals als 6-Jährige erstaunt, als die Verkäuferin im kleinen Gemüseladen sich mit lauter Stimme und wild gestikulierend einem Kunden zu Wehr gesetzt hat. Ich weiß nicht mehr, was der Grund für ihren Ausbruch war, ist aber auch egal.
Ein Initiationserlebnis: Auch so können Frauen sein, WOW! Und nicht immer so freundlich, lächelnd und leise, wie es die Frauen in meiner Familie waren.

Feministische Körpersprache, die heranwachsenden Frauen Selbstbewusstsein gibt, die sie lehrt, ihren Raum einzunehmen, ihren Standpunkt zu vertreten, klare Grenzen zu setzen – die lernen sie von Frauen!

Was tun?
Richten wir uns auf, das wirkt sich nicht nur auf unsere Ausstrahlung aus, dadurch kommen auch chemische Vorgänge im Körper in Gang, die die Gefühlslage positiv beeinflussen.

Straffen wir unsere Schulter, heben wir unseren Kopf wie eine Königin, die über ihr Land schaut.

Besuchen wir Selbstverteidigungskurse, die uns lehren, schnell unsere Arme und Beine auszufahren, unseren Blick zu schärfen und zu richten.

Initiieren wir wohlmeinende Freundinnen-Runden, in denen wir trainieren und in denen ehrliches Feedback zu unserer Körpersprache möglich ist.

Stellen wir unser Lächeln ein, wenn es keinen Anlass gibt, freundlich zu sein.

Tanzen wir Flamenco mit weit ausladenden Gesten und energischem Stampfen der Beine.

Breiten wir unsere Arme aus,
lachen wir laut und aus vollem Hals,
heben wir unseren Kopf als würden wir eine Krone tragen,
erheben wir unsere Stimme,
schauen wir ernst, finster, böse, wenn es angebracht ist,
stehen wir fest mit beiden Beinen im Leben
und springen wir mit weiten Schritten und geradem Blick in die Zukunft!

 

 

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Bildquellen:
artedea.net/Göttin Cailleach 
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3 Antworten zu Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt

  1. Valerie schreibt:

    Ein Text, der mir im Februar 2019 „entsprungen“ ist: Eine Hymne an die mutige, kräftige, aus dem Bauch heraus lachenden Frau.

    Ich hab da eine Frage, die immer wieder in mir hoch kommt. Eine sehr essentielle Frage. Eine die mir von so ganz weit unten immer wieder hoch kommt……

    Wo ist die mutige, starke, direkte Frau geblieben?

    …..ich finde sie so selten, in unserer Gesellschaft. Und es macht mich traurig, dass sie dann in den Drachentagen (die Tage vor den Tagen) so unverhofft und gehässig auftaucht. Es schmerzt mich, wenn ich lese, dass es vielen Frauen dann schlecht geht, in ihren Drachentagen, in ihrer so wertvollen „Herbstzeit“ unseres Zyklus. Es macht mich traurig, dass es in diesen Tagen dann so häufig zu Streit kommt. Dass diese Wut dann so ungefiltert an den nächsten geschmissen wird….. der Mann an die Wand geknallt wird, die Kinder angefaucht, ……. und wir uns dann um so schlechter fühlen, wir explodierenden Frauen.

    Aber ist es nicht so, dass wir uns einfach all zu sehr anpassen, in unserer Gesellschafft? Ist es nicht so, dass wir immer lieb & angepasst sein wollen? …..damit uns jaaaa alle liiiiiiieb haben.

    Und wo hat es Platz für unsere Wut, Kraft, Kreativität, Eigensinn, Empörung? Warum schlagen wir nicht häufiger auf den Tisch, und zeigen allen unsere Meinung? Warum sagen wir nicht klarer NEIN, wenn es uns nicht passt? Warum empören wir uns nicht lautstark über die unsäglichen Ungerechtigkeiten in dieser Welt? Warum? ………

    ……………….ich bin so froh diese FrauenKraft in den feministischen Strassen-Demonstrationen Argentiniens erleben zu dürfen. Ja. Ich bin froh erfahren zu dürfen, dass der Feminismus nicht Männerfeindlich ist. Sondern kreativ, mutig, stark – und aus dem Bauch heraus lachend. Denn Frausein ist schön, stark und schaurig lustig. Eine andere Welt ist möglich. Wir müssten uns nur ein bisschen mehr getrauen „anders“ zu sein. Genau: ANDERS. Uns weniger anpassen, weniger „gleich“ wie die Männer sein, unsere Rundungen den Kanten gegenüber stellen – und lachen. Denn aus der Lebenslust wächst die Welt.

    Herzliche Umarmung. Zu Eisprungs-Zeiten blüht mein Mut ❤ ….und: Vamos (!) Frauen*streik Schweiz, am 14. Juni 2019

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