15. November: Ich-liebe-es-zu-schreiben-Tag

Heute ist der Ich-liebe-es-zu-schreiben-Tag! Mein Tag! Denn es gibt nur wenig andere  Dinge, die ich so gerne mache, wie schreiben.
Ich kann mich noch genau an die Faszination erinnern, die mich als Kind umgab, als ich die ersten Buchstaben schrieb, diese wunderbaren magischen Zeichen mit ihren Linien und Kringeln, mit ihren Schlangenlinien und Rundungen.
Ein leuchtender Zauber, der da von meinen Fingern ausging!
Und erst die Welt, die sich mir eröffnete, als ich ganze Sätze schreiben konnte und meine Gedanken in kleinen Aufsätzen zu Papier bringen konnte.
Das Schreiben ist eine elementareKulturtechnik. Seit 2002 wird  in den USA jeweils am 15. November der nationalen „ I Love to Write Day“ gefeiert.

Schreibe! Egal was.

Weshalb feiern wir heute das Schreiben? Es geht vor allem darum, die Menschen zum Schreiben zu ermutigen. Egal ob Briefe, Postkarten, Essays, Gedichte, Karten, Liebesbriefe, Tagebücher, Zettelchen, Blogbeiträge, Artikel – wichtig ist nur, dass man den heutigen Tag dazu nutzt, seine Gedanken zu Papier zu bringen. Und zwar möglichst in ganzen Sätzen und nicht in irgendwelchen Kurzformeln, die in unserer schnelllebigen Zeit so beliebt sind.
Schreiben bildet zusammen mit dem Lesen die wichtigste Voraussetzung für die Teilnahme am kulturellen, sozialen und beruflichen Leben.

Wichtig ist vor allem, bei Kindern in diese essentielle Kompetenz zu fördern, deren Ausdrucksfähigkeit zu stärken und sie damit auch zu ermutigen, selbst zu schreiben.
Also es geht dabei nicht nur um die rein mechanische Fertigkeit des Schreibens sondern auch darum, Phantasie zu entwickeln, Gedanken und Gefühle niederzuschreiben, sich literarisch und poetisch auszudrücken. Schreiben ordnet auch Gedanken und Gefühle. Wie oft schon konnte ich schon ein Problem lösen, indem ich es in meinem Tagebuch zu Papier gebracht habe.

Schreibkunst als Gabe der Frauen

Die enorme Wichtigkeit dieser uralten Kunst des Schreibens wurde schon vor Jahrtausenden erkannt. Das kommt sehr deutlich in den Mythen rund um Göttinnen zum Ausdruck. Denn wer hat all das „erfunden“?
Es gibt zahlreiche Mythen, die davon erzählen, wie eine Göttin den Menschen die Schrift gebracht hat. Das zeigt deutlich, dass die Schreibkunst eine Gabe ist, die Frauen – in Form von Göttinnen – zugeschrieben wurde. Umso schlimmer, dass so viel mehr Frauen als Männer heute noch Analphabetinnen sind.

So hat in den hinduistischen Mythen die Göttin Sarasvati neben der Musik, den Tanz, den Gesang, der Mathematik, den Kalender und der Magie auch die Poesie in die Welt gebracht. Dazu erfand sie natürlich auch die Schrift. Durch ihre Worte soll alles in die Welt kommen, was gerufen wird.
Sie hält daher auch in einer ihrer vier Hände die heiligen Schriften, meist in Form einer Schriftrolle.
Sehr interessant ist die Verbindung aller Wissenschaften, wie Sprache, Schrift, Mathematik und Musik mit Magie. Sind doch all diese Gaben der Sarasvati magische Mitteln, mit denen man die Welt verändern, verzaubern, transformieren kann.
Besonders in Bengalen ist es Sitte, dass kleine Kinder am Festtag der Sarasvati das erste Mal in ihrem Leben einen Buchstaben schreiben. Andere schreiben mit „weißer Tinte“ (Milch) Segenssprüche oder ein „Om“ in ihre Bücher.
Während des großen Navaratri-Festivals legen die Menschen, vor allem die Studierenden, Bücher, Schreibzeug und Musikinstrumente vor das Bild der Göttin, damit ihre Weisheit hineinfließen möge und um ihre Gnade und ihren Segen zu erhalten.

In der sumerisch-babylonischen Geschichte wurde Nisaba als Schutzgöttin aller Schriften und der Schreibkunst verehrt. Ihr Emblem ist ein Schreibgriffel und das Schreibrohr. In ihrer Funktion als Göttin der Schreibkunst wurde sie von den KeilschriftschreiberInnen angerufen.

In der nordischen Mythologie heißt es auch, die Göttin Idun hätte die Runenschrift erfunden.
Sie verleiht als Hüterin der goldenen Äpfel ewige frühlingsgleiche Jugend und Unsterblichkeit. Die Schrift sei ein weiterer Weg zur Unsterblichkeit der Seele.

Eine Bezeichnung der nordische Schicksalsgöttinnen Nornen ist „Die Schreiberinnen“. Sie enthüllten die Geheimnisse des Universums und schreiben diese in das Buch des Schicksals. Skuld, die Norne der Zukunft hält in jeder Hand ein ungeöffnetes Buch oder eine zusammengerollte Schriftrolle. Sie trägt aber auch einen Schleier, denn sie verhüllt noch das, was in diesem Buch geschrieben steht und noch kommen wird.

Bei den griechischen Moiren wird Lachesis meist mit einer Schriftrolle dargestellt. Sie ist damit sozusagen eine Art „Protokollchefin“ über das Schicksal der Menschen.

Die DichterInnen im antiken Griechenland konnten sich des Wohlwollens der Göttin Athena sicher sein.
Im antiken Ägypten wachte die Katzengöttin Bast neben den Künsten wie Musik, Tanz auch über die Schriftstellerei.

Die Göttin Gunnlöd ist in der nordischen Mythologie als Mutter der Dichtkunst eng mit der Fähigkeit des Schreibens verbunden. Sie ist die Hüterin der Kessel mit dem „Skaldenmet“ im Inneren eines Berges. Dies war ein Honigmet, der aus dem Blut des allwissenden Wesens Kwasir gebraut wurde. Wer davon trinkt, wird alsbald von poetischer Inspiration erfüllt, kann gut singen und dichten und beherrscht meisterlich die Skalden- oder Sagadichtung.

Von der germanische Freya wird berichtet, dass sie alle Arten der Kunst liebt und fördert, insbesondere die Poesie und Dichtkunst und dort vor allem das Liebeslied.

Die akkanisch-babylonische Göttin Gula hat die Kraft Krankheiten zu heilen, aber auch die Macht, den Menschen Krankheiten aufzuerlegen. Damit ist sie auch für das Schicksal der Menschen zuständig. Sie schreibt dieses auch auf und ist unter ihrem zusätzlichen Namen „Gulsen“ die schreibende Schicksalsgöttin, in deren Aufzeichnungen alles über das Leben steht.

In Japan ist Benzaiten die Göttin der Sprache und der Literatur.
Interessant, dass gerade immer wieder Flussgöttinnen mit der Kunst des Schreibens in Verbindung gebracht werden. Als Göttin des nach ihr benannten Flusses Benzaiten beschützt sie alles Fließende – also auch die Wörter und die Sprache, die fließen soll, die Eloquenz, das Wissen, das nicht stillstehen darf sowie die Wellen und Schwingungen der Musik.
Das hat sie z.B. gemeinsam mit der irischen Göttin Boann, nach der der Fluss Boyne benannt ist. Im alten Irland zählten Poetinnen und Poeten auf ihre Gabe. Es heißt, wenn sie von Boann geküsst werden, dann verleiht sie damit die Quelle der Inspiration und gewährleistet einen guten Schreib-Fluss.

Wie wunderbar, dass ich schon vor langer Zeit von Boann geküsst wurde und direkt an der Quelle der Inspiration sitze!

 

Mehr Infos zu den erwähnten Göttinnen:
Athena
Bast
Benzaiten
Boann
Idun
Freya
Gula
Gunnlöd
Lachesis
Moiren
Nisaba
Nornen
Sarasvati
Skuld

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Eine Antwort zu 15. November: Ich-liebe-es-zu-schreiben-Tag

  1. anne vorwald schreibt:

    oh ja – auch ich gehöre zu den leidenschatflichen Schreiberinnen dieser Welt – gern male ich etwas dazu – meine Lotusbilder mit Lotus-Lyrik – aber ich bin auch eine Lakshmi-Künstlerin …
    OHM REEM SCHREEM MAHA LAKSHMI NAMAHA – LEIBEN GRUSS ANNE VORWALD AUF fb

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