Paraskavedekatriaphobie und Mysophobie – über Angst und Furcht

Pfuhh, dieser Freitag, der 13. hat’s echt in sich gehabt.
Wahnwitz in allen Geschäften, im Minutentakt irgendwelche Horrormeldungen über soziale Medien, verzweifelte Eltern, die nicht wissen, wohin mit den Kleinen und die die „Pubertiere“ davon abhalten müssen, jetzt große Schulfrei-Partys abzuhalten.
Dennoch verfalle ich weder der Paraskavedekatriaphobie noch der Mysophobie.

Erstere ist der Fachbegriff für die Angst vor dem Freitag, dem 13. (mehr dazu ein wenig weiter unten im Text). Zweitere ist die Angst vor der Ansteckung durch Viren, Bakterien und Ähnlichem.

Wovor hast du Angst?
Dass du bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommen könntest, dass du dich vergiftest, tödlich verunglückst, indem du von einer Leiter fällst oder an der „ganz normalen Grippe“ stirbst?
Das nur als einige Beispiele, von denen wir betroffen sein könnten. Das wären zumindest zur Zeit viel höhere Wahrscheinlichkeiten, als dass uns das Corona-Virus dahinrafft.

Aber klar, vorsichtig und vernünftig sein müssen wir alle – Sozialkontakte möglichst meiden, Händewaschen etc. Das wissen wir jetzt ohnehin schon alle. Daher wenden wir uns einmal dem Phänomen Angst zu, ein gutes Thema für einen Freitag, den 13.

Der Unterschied zwischen Angst und Furcht

Warum haben wir Angst?
Zur Beantwortung dieser Frage muss ganz deutlich zwischen Angst und Furcht unterschieden werden.

Meist werden diese beiden Begriffe gleich gesetzt und als Emotion beschrieben, die eine Warn- und Schutzfunktion bei Menschen (und auch bei vielen Tieren) hat.
Sie verleitet uns zur Flucht oder aktiven bzw. passiven Vermeidung von Situationen, die Verletzung, Schmerz oder sogar den Tod zur Folge haben können.
Also worin liegt der Unterschied?
Bei der Furcht handelt es sich um eine starke emotionale Reaktion, auf eine tatsächliche Bedrohung, die wir plötzlich wahrnehmen. Zum Beispiel, wenn plötzlich ein Raubtier, eine gefährliche Giftschlange oder ein bewaffneter Gegner vor uns auftaucht.

Angst hingegen ist ein Zustand, bei dem wir ein unangenehmes Gefühl der Anspannung spüren, wenn wir zum Beispiel an eine Bedrohung denken, die auf uns zukommen könnte. Die aber in keinster Weise real ist.
Bei Angst wird die Gefahr erwartet, während bei Furcht die Gefahr akut ist und real besteht.
Bei der Angst ist die Ursache der Bedrohung verschwommen, der Fokus oft unklar.
Wir haben ein diffuses Gefühl und wissen auch gar nicht, wovor wir uns in Acht nehmen sollen und was die konkreten Auswirkungen einer möglichen Bedrohung auf uns sind.
Typisches Beispiel: Prüfungsangst. Schon Tage davor ist uns schon ganz mulmig, wenn wir an die Prüfung denken. Ohne genau zu wissen, was uns bei dieser erwarten wird. Furcht kommt erst auf, wenn ich vor der Prüfungskommission stehe und eine Frage gestellt bekommen, auf die ich keine Antwort weiß.

Furcht ist also nicht etwa die Sorge, dass etwas Bedrohliches geschehen könnte, sondern die Tatsache, dass die Bedrohung bereits handfest da ist.
Die Angst dauert normalerweise länger an, während die Furcht schnell wieder abklingt, sobald die Bedrohung vorbei ist.

Angstreaktionen sind daher eher ein Zustand von ständiger Anspannung und Wachsamkeit, während bei der Furcht, eine richtige Alarmreaktion ausgelöst wird und wir ganz genau wissen, was zu tun ist: Kämpfen, flüchten oder tot stellen.

Das Blöde ist, dass dieser Mechanismus bei Angst nicht als normale Körperreaktion ausgelöst wird und wir daher nichts tun können und uns die Angst auch oft so lähmt.

Was Angst aber hervorragend kann, ist uns in eine große Palette an Vermeidungsverhalten zu führen oder zu irrationalen Handlungen zu verleiten.
Es gibt tatsächlich Menschen, die an einem Freitag, den 13. nicht außer Haus gehen, keine Verträge unterschreiben oder in keine Verkehrsmittel steigen.
Statistisch gesehen gibt es auch an Freitagen, die auf einen 13. fallen weder mehr Katastrophen, Unfälle oder andere schlimme Geschehnisse wie an anderen Tagen.

Freitag, der 13. und die Frauenkraft

Jetzt noch schnell einige Hintergrund-Infos, warum sich vor allem Männer in patriarchalen System so vor dem Freitag, den 13. ängstigen:

Der Freitag ist nach der germanischen Göttin Freya benannt.
Ihre nahe spirituelle Verwandtschaft zur römischen Göttin Venus ist daran ersichtlich, dass dieser Wochentag französisch „vendredi“ und italiensch „venerdì“ – also „Venustag“ heißt.
Ein Tag der Liebesgöttinnen also, die immer die auch die Schutzgöttinnen der „freien Frauen“ waren. Jener Frauen, die sich ausgesucht haben, wen sie auf welche Art und Weise lieben wollen.

Daher wurde am Freitag seit ältesten Tagen zu Ehren der Freya Fisch gegessen. Seine aphrodisierende Wirkung wurde dem Segen der Göttin der Liebe zugesprochen.

Das alles ist ja schon einmal ein wenig suspekt. Wer weiß, was die Liebesgöttinnen da so im Schilde führen …
Also, da muss „Mann“ sich schon einmal sehr in Acht nehmen.

Wenn dieser Freitag noch dazu auf einen 13. fällt, dann wird’s besonders „kritisch“:
Die 13 ist das Symbol für das Mondjahr und die 13 Mondzyklen, also wiederum ein Ausdruck der Frauenkraft.
Tatsächlich hat die Furcht vor der Zahl 13, wie auch jene vor den freien, selbstbestimmten Frauen viel mit dem Christentum und patriarchalen Systemen zu tun.
In den menschlichen Urgesellschaften hatten Frauen entscheidenden Einfluss auf die gesellschaftlichen Strukturen. So zeigen Fundstücke aus der Altsteinzeit, dass die ersten Menschen ihre Zeit nach Mondmonaten einteilten.

Der Mond umkreist die Erde im Verlauf von durchschnittlich 27 Tagen, 7 Stunden und 43,7 Minuten, der Mond ist also ca. alle 28 Tage voll. Eine Mondphase von 28 Tagen entspricht auch dem weiblichen Menstruationszyklus.
Ein Mondjahr hatte demnach 13 Monate (13 x 28 Tage = 364 Tage).
Das Wort Menstruation hat übrigens seine Wurzel im lateinischen „mensis“, also „Monat“.
Spätere – patriarchale – Kulturen orientierten sich in ihrer Zeitrechnung nicht mehr am Mond, sondern an der Sonne. Ein Sonnenjahr dauert exakt 365,2422 Tage.
Gekennzeichnet ist es durch vier herausragende astrologische Ereignisse: Zwei Sonnenwenden und zwei Tag-und-Nacht-Gleichen. Damit sich die Zahl der Monate gleichmäßig auf die Jahreszeiten aufteilen ließ, musste sie also durch 4 teilbar sein.
Damit erfand man die zwölf Sonnenmonate.
Allerdings ging im patriarchalen System – das sich für seine Geradlinigkeit und Logik ja so rühmt – nun die Rechnung mit den Tagen nicht mehr auf. Deshalb sind die Monate im Sonnenkalender unterschiedlich lang –  28, 29, 30, bzw. 31 Tage.
Der Übergang von der 13 zur 12 bezeichnet also eine neue Zeitrechnung. Das musste erst einmal begreifbar gemacht werden. Und am besten tat man das, indem man die 13 verteufelte.
So soll 13 die Zahl 12, die für die göttliche, kosmische und jahreszeitliche Ordnung steht, überschreiten. Das „gute Dutzend“ spiegelt sich in den (2x) 12 Stunden des Tages, den 12 Monate des Jahres und in den 12 Aposteln wider.
Dass da Frauen mit ihrer zyklischen Mondkraft einen natürlichen Rhythmus folgen, das konnten vor allem auch die Kirchenväter nicht anstehen lassen. Daher soll dem christlichen Aberglauben nach bei der 13 der Satan die Hand mit im Spiel haben.
Vergessen wird allerdings oft, dass auch Jesus der 13. unter seinen Aposteln war.
Aber da hatte man schnell eine Erklärung: Am letzten Abendmahl haben insgesamt 13 Personen teilgenommen. Der 13. war natürlich Judas, der Jesus kurz darauf verriet.
Als es im Mai 1927 dann ausgerechnet am Freitag, den 13., zu einem großen Börsencrash kam, machte bald der Ausdruck „Schwarzer Freitag“ die Runde.

Diese Angst vor dem Freitag, den 13. ist also logisch in einer patriarchalen Welt. Frauen interessiert das wenig, sie sind sowohl mit dem Freitag und der mondzyklischen Kraft der 13 bestens vertraut.

In diesem Sinne wünsche ich allen Frauen einen kraftvollen Freitag, den 13.!

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Mehr zu den erwähnten Göttinnen:
Freya
Venus

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Bildquellen:
Freitag der 13. im Kalender / W.J.Pilsak / de.wikipedia.org
fantasy-4065832_1920 / cdd20 / pixapay.com
fear-3809121_1920 / Dieterich01 / pixapay.com
Göttin Freya / artedea.net
a-total-solar-eclipse-1113799_1920 / Lee_seonghak / pixapay.com

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