Der stille „Tag der Erde” am 22. April 2020

Am 22. April findet in über 175 Ländern der „Tag der Erde” statt. Und dieser ist heuer, im Jahre 2020 ein ganz besonderer. Dieser „Earth Day” jährt sich zum 50. Mal in den USA und in Deutschland hat er sein 30-jähriges Jubiläum.
Aber nicht nur dies ist eine Besonderheit. Gab es in den Jahren zuvor jede Menge Kundgebungen zum Tag der Erde, zogen Erdlieder singend Menschen durch die Straßen, so wird er heuer wohl ganz still begangen. Und das ist außergewöhnlich und gut.
Es ist, wie wenn die Zeit stehengeblieben wäre.

Die Erde als Mutter oder als Untertanin?

Lange bevor die Erde als Planet wahrgenommen wurde, haben sie viele Kulturen als göttliche und beseelte „Große Erdenmutter” angesehen – sie ist Land, auf dem Menschen leben und das diese nährt.
Und an diesem „Tag der Erde” jeweils am 22. April wird immer wieder Mutter Erde als ein lebendiges Wesen hervorgehoben, das uns nährt und trägt.
Eine Mutter, von der wir schon längst wissen, dass sie ächzt und stöhnt, dass deren Lunge, die vielen großen Wälder brennen, dass deren Atem, die Luft vergiftet ist, deren Blut, die Gewässer, Flüsse und Meere zugemüllt sind und deren Körper, der Boden mit Chemikalien verseucht ist.
Diese Verehrung der Großen Erdmutter war ganz selbstverständlich.
Irgendwann kam die Wende: „Machet Euch die Erde untertan“ – dieser biblische Auftrag einer patriarchalen Religion ist möglicherweise die Ursache in dieser verhängnisvollen Entwicklung, die sich millionenfach in Ausbeutung und die Vernichtung der Ressourcen unserer Erde ausdrückt.
Wir Menschen der „zivilisierten Welt“ sind mehr und mehr entfremdet von der Natur und somit von Mutter Erde.
Viel zu lange wurde nicht nach Wegen und Möglichkeiten gesucht, eine Entwicklung im Einklang mit der Erde zu suchen, sondern immer nur gegen sie.

Was ist plötzlich alles möglich?

Und nun die große Atempause. Ein kleines Virus hat uns weltweit dazu gezwungen, eine Vollbremsung einzulegen. Kommt das von ungefähr?
ExpertInnen sind der Meinung, es sei kein Zufall, dass das Virus gerade jetzt ausbricht, und noch weniger, dass es sich so schnell verbreiten kann.

Johannes Vogel, Direktor des Berliner Naturkundemuseums und Professor für Biodiversität und Wissenschaftsdialog an der Humboldt-Universität zu Berlin sagt dazu: „Wir schauen zu wenig auf die Tatsache, dass ein falsches Mensch-Natur-Verhältnis viele unserer Probleme befeuert, meist sogar verursacht. Nicht nur Viren breiten sich aus. Ganze Länder werden überflutet, Wälder brennen, Gletscher schmelzen, Ozeane erwärmen sich und Insekten sterben. Die großen Herausforderungen – der Klimawandel, der Verlust der biologischen Vielfalt und eben das Aufkommen ganz neuer Erreger, die den Menschen letztlich wieder bedrohen – hängen alle zusammen.“
(Quelle: Zeit-online)

Schon in den ersten Tagen des großen Shut downs hat sich die erstaunliche Regenerationsfähigkeit der Erde gezeigt. Bald gab es Berichte, dass in China die CO2-Emissionen zurückgegangen sind und die Luft wieder frisch war und die Menschen durchatmen konnten. Dass in den Kanälen Venedigs das Wasser so klar wie noch nie ist, und dass sogar Delfine in Häfen gesichtet werden, wo in den letzten Jahren nur große Kreuzfahrtschiffe unterwegs waren.
Was ist alles plötzlich möglich, wovon Greta Thunberg wahrscheinlich in ihren kühnsten Träumen nicht zu hoffen gewagt hat?

Da viele Fabriken stillstehen und weniger Auto unterwegs sind, haben sich die Emissionen von Schad- und Nährstoffen verringert und es kommt zu einer geringeren Umweltbelastung. Es gibt mittlerweile ein Überangebot an Rohöl und drastische
Absatzrückgänge bei Tankstellen.

Durch den eingeschränkte Handel und so gut wie keine Passagier-Reisen sind weniger Schiffe auf den Meeren und Flüssen unterwegs, was eine geringere Verschmutzung der Gewässer bedeutet. Die Flugzeuge bleiben am Boden, der Himmel wird klar! Reduziert sich der Flugverkehr z.B. in Österreich für ein Monat um 80%, so entspricht das einer CO2-Einsparung von etwa 159.000 Tonnen. Die verbesserte Luftqualität zeigt sich z.B. bei den Rückgängen der Stickoxidmesswerten.
Wenn von der Gefahr die Rede ist, dass so viele Menschen am Corona-Virus sterben, dann sei einmal darauf hingewiesen, dass pro Jahr in Österreich mehr als 6.570 Menschen vorzeitig an den Folgen der Luftverschmutzung durch Feinstaub, Stickoxide und bodennahem Ozon sterben (Quelle: Global 2000).

Was lernen wir daraus?

Diese Liste der positiven Auswirkungen auf die Umwelt könnte noch seitenweise fortgesetzt werden.
Interessant ist auch die weltweite Verbreitung des Virus. Ausbrüche von Viren stießen in früheren Zeiten allein durch die Geografie an ihre Grenzen, durch Gebirge oder Küsten etwa, die sie natürlich begrenzen. Durch unsere hochmobile und supervernetzte globale Gesellschaft wird dies nun bis in den letzten Winkel der Erde getragen.
Aber: Nun sitzen wir alle daheim, in unserer Wohnung, unserem Home-Office, unserer Stadt, unserem Land. Dies nicht nur zu unserem eigenen Schutz, die Natur schafft es, sich von uns zu erholen.
Die Frage ist, wie lange diese Atempause anhält und wie es danach weitergeht.
Was haben wir daraus gelernt? Im Großen und im Kleinen – und damit meine ich uns: Jede und jeden Einzelne/n.
Viele haben diese Zeit des Rückzugs auch zum Großreinemachen und Entrümpeln in den eigenen vier Wänden genutzt. Es wird berichtet, die Mülltonnen seien so voll wie noch nie. Und viele haben sich sicher die Frage gestellt: Was hab ich da alles angesammelt?
Hab ich das wirklich gebraucht?
Wieviel können wir in unserem täglichen Konsumverhalten reduzieren?

Das Bild der Erde als mütterliche Kraft

Worum es jetzt geht, ist eine Wandlung unserer Wahrnehmung der Erde.
Dazu braucht es ein neues Gefühl der Verbundenheit.
Denn erst wenn wir uns mit etwas verbunden fühlen, dann ist es möglich, zu verstehen und dementsprechend zu handeln.
Dabei kann uns das Bild von der Erde als mütterliche Kraft unterstützen.

Die vielen Mythen der Schöpfungs- und Erdgöttinnen zeigen uns so eindeutig, dass wir nicht abgekoppelt sind und führen uns viel besser und (be-)greifbarer als alle Statistiken und Ökostudien vor Augen, dass unser aller Schicksal mit der Erde ist verbunden– ganz lokal in unserem Lebensraum, ganz global in den Auswirkungen unseres Handelns für den ganzen Planeten.
Wir gehören zu und sind verantwortlich für die Geflechte allen Seins von Gaia, Pachamama, Tellus Mater, Jord, Rigani, Hawumea, Indara, Asase Yaa, Izanami, Zemyna, Estsanatlehi, Onile, Demeter, Nerthus, Bhumi und wie unser wunderbarer blauer Planet in seinen tausenden Namen der Göttin noch genannt wurde.

Es wird spannend, wie der Tag der Erde 2021 aussehen wird.
Übrigens: Wenn wir den sogenannten Umweltschutz Ernst nehmen, dann tun wir das nicht für die Erde. Wir tun es in unserem ureigensten Interesse. Der Erde ist es nämlich egal, ob wir Menschen auf ihr leben. Und die schnelle Regenerationsfähigkeit der letzten Wochen sollte uns echt zu denken geben, was die Erde tut, wenn wir sie einmal in Ruhe lassen.
Es gibt da eine Prophezeiung der indigenen Völker Amerikas, die der Weißen Büffelkalbfrau zugeschrieben wird:
„Der große Hund wird sich schütteln und die Flöhe fliegen weg.“
Der große Hund ist dabei die Erde, jetzt könnt ihr euch überlegen, wer die Flöhe sind.
Oder einer meiner Lieblingswitze:
„Treffen sich zwei Planeten im Weltall. Sagt der eine zum anderen: Du schaust aber gar nicht gut aus. Darauf dieser: Ja ich hab mir da was eingefangen. Es heißt Homo sapiens. Beruhigt ihn der andere: Jaja, das kenne ich, das hab ich auch einmal gehabt. Aber keine Angst, das geht vorüber!“

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Weitere Infos zu den erwähnten Göttinnen

Asase Yaa
Bhumi
Demeter
Estsanatlehi
Gaia
Hawumea
Indara
Izanami
Jord
Nerthus
Onile
Pachamama
Rigani
Tellus Mater
Weiße Büffelkalbfrau
Zemyna

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Wer die Erde und die Natur in ihrer berauschenden Frühlingskraft feiern will, sei das artedea-eBook

„Beltane – Fest der Walpurga“

empfohlen.

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Eine Antwort zu Der stille „Tag der Erde” am 22. April 2020

  1. Pingback: Tag der Erde 2021 – Was hat sich getan? Was können wir tun? | Oh Göttin

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