Heute: Der Tag des Hasens – die starken, fruchtbaren Tiere der Göttinnen

Ist denn schon schon Ostern? Könnten wir uns fragen. Denn heute, am 25. September feiern wir den Internationalen Tag des Hasen. Dieser fällt immer auf den vierten Samstag im September.
Hintergrund dieses Tages: Er wurde im Jahr 1998 von der britischen Tierschutzorganisation „The Rabbit Charity“ ins Leben gerufen. Es gibt Aktionen auf der ganzen Welt, um über die Pflege der Hasen und Kaninchen als Haustiere aufzuklären. Denn viele werden nicht artgerecht gehalten. Der Hasentag soll das ändern und darauf hinweisen, dass Kaninchen intelligente und soziale Wesen sind, welche die Interaktion mit den Menschen genau so genießen wie Katzen oder Hunde.
Ursprünglich waren Hasen vor allem in Asien, Europa und Nordamerika beheimatet, inzwischen leben sie – mit Ausnahme der Antarktis – auf allen Kontinenten unseres Planeten. Diese globale Verbreitung entstand zum einen durch die menschliche Expansion, in deren Rahmen die Hasen bzw. Kaninchen als Haustiere bzw. Verpflegung mitgenommen wurden, zum anderen durch die hohe Fruchtbarkeitsrate der Tiere. Sobald Hasen in einer neuen Region auftauchen, können sie ihre Population in kürzester Zeit vergrößern.

Hasen – die Tiere der Göttinnen

Und da sind wir auch schon bei einem wichtigen Thema: Fruchtbarkeit. Daher gelten Hasen auch immer wieder als die heiligen Tiere von Göttinnen.

So z.B. wird die Schwarzwaldgöttin Abnoba auf einem in St. Georgen aufgefundenem Bildwerk an der Brigachquelle mit einem Hasen gezeigt, dem Symbol für Fruchtbarkeit. (Das Bild ist HIER zu sehen).
Wegen seiner hohen Fruchtbarkeit waren Hasen auch der Liebes- und Fruchtbarkeitsgöttin Aphrodite  heilig.

Der Hase ist auch das Symboltier der keltischen Göttin des Krieges, der Schlacht und des Sieges Andraste. Er mag vielleicht etwas unvermutet mit einer Siegesgöttin verbunden sein, reden wir doch oft vom „Angsthasen“. Aber er ist ein Fruchtbarkeitsymbol. Und die Fruchtbarkeit ist immer ein Symbol des Sieges gegen den Untergang und den Tod. Und damit auch ein wichtiges Tier der Andraste.

Seltsam mutet der Hase auch in Verbindung mit Cailleach an, der keltisch-schottischen Göttin des Todes, des Krieges, der Zerstörung, Vernichtung, des Winters sowie der weiblichen Souveränität. Sie ist eine Zauberin und Gestaltwandlerin und kann u.a. die Gestalt eines Hasen annehmen. Die nachtaktiven Langohren standen im keltischen Glauben im Ruf, Feenblut in den Adern zu haben. Deshalb war es in manchen Gegenden verboten, sie zu jagen. In Folge der Dämonisierung aller weiblichen keltischen Gottheiten wurden Hasen später die Begleiter der „Hexen“, so wie man Cailleach als eine solche wahrgenommen hat.

Natürlich steht auch die germanische Frühlingsgöttin Ostara in enger Verbindung mit den Hasen. Und daraus leitet sich auch die ganze Geschichte rund um die Hasen zum christlichen Fest der Ostern ab. Von Hasen steht bei der Kreuzigung und Auferstehung Christi übrigens rein gar nichts in der Bibel. Aber Hasen waren als Symbol der alten Göttin Ostara und der anderen Frühlingsgöttinnen immer schon ein wichtiger Bestandteil der Frühlingsfeste. Und daher dürfen sie auch bei den christlichen Ostern nicht fehlen, quasi als archaischer Gruß der alten Göttinnen.
Und eigentlich bringt der Osterhase die Eier?
Men­schen be­o­bach­te­ten, dass Ha­sen im Früh­ling auf den Fel­dern in großen Grup­pen zu „tan­zen“ scheinen. Und man konn­te – nach­dem diese „Hasentän­ze“ vor­bei wa­ren – ver­schie­denste Eier auf den Wie­sen fin­den. Daraus entwickel­te sich die Ge­schich­te vom Oster­has­en, der die Eier bringt. Heute weiß man, dass die Tän­ze der männ­li­chen Ha­sen eigent­lich Schau­kämp­fe um Weib­chen sind. Weil es da­bei durch­aus wild zu­geht, ver­scheu­chen die Ha­sen dabei je­ne Wild­vö­gel, die ihre Eier am Bo­den aus­brü­ten und diese bei ih­rer Flucht na­tür­lich zurücklas­sen müs­sen. Und die Wildvögeleier sind oft sehr bunt und haben verschiedene Muster, die wie gemalte Verzierungen aussehen – Ostereier halt.

Der Hase im Mond

Weltweit verbindet sich der Hase auch mit der Mondsymbolik.
In vielen Kulturen werden die Mondformationen nicht wie bei uns als Gesicht (Mann im Mond), sondern als Gestalt eines Hasen gedeutet. Daher auch oft die Verbindung zwischen Mondgöttin und Hase.

Wie z.B. bei der chinesischen Göttin Chang-O. Diese verließ nach einem heftigen Ehestreit die Erde, um für immer im Mond zu wohnen. Dort freundete sie sich mit einem Jade-Kaninchen an, im Volksmund „Yu Tu“ genannt, das auch auf dem Mond lebt und Elixiere herstellt. In einer anderen Version des Mythos nahm die Göttin bei ihrem „Mond-Flug“ das Kaninchen mit, damit es ihr am fremden Ort Gesellschaft leisten solle. Eine Legende erzählt, dass die Stadt Beijing einmal von einer Seuche heimgesucht wurde. Fast jeder Haushalt war betroffen, und die Krankheit ließ sich nur schwer heilen. Chang-O war untröstlich, als sie das irdische Geschehen vom Mond aus sah. Sie schickte daher das Jadekaninchen zur Erde, um die Krankheit zu stoppen und zu heilen. (Anmerkung: Dieses chinesische Jade-Kaninchen mit einem Zauberelixier könnten wir jetzt auch gerade gut brauchen!)
Als Dank fingen die Menschen im alten Beijing an, die guten Taten des Jadekaninchens in Form von Lehmfiguren zu verewigen. So etablierten sich über die Zeit Figuren in Form von Hasengottheiten z.B. in Trachten verschiedener Berufsgruppen. Zum traditionellen chinesischen Mondfest brachte jeder Haushalt der Hasengottheit Weihegaben dar, um ihr für ihre Gnade zu danken.

Auch in der Kultur der Maya galt das Kaninchen als Fruchtbarkeitssymbol.
Die Maya-Mondgöttin Ix Chel wird von einem Kaninchen begleitet und auf Bildnissen gemeinsam mit diesem dargestellt. Das zeigt zum einen, dass auch diese Kultur im Mond offenbar ein Kaninchen gesehen hat. Andererseits wird der Einfluss des Mondes auf die Fruchtbarkeit dargestellt, für die Hasen und Kaninchen ja stehen.
Warum werden gerade Hasen mit Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht? Eine Häsin wirft im Jahr etwa drei- bis viermal Junge. Kaninchen können immer trächtig werden, weil der Eisprung bei der Paarung einsetzt. Allein das deutet schon auf die Eignung als Fruchtbarkeitssymbol hin. Und dann scheint auch die Art des Geschlechtsverkehrs der Hasen und Kaninchen die Phantasie der Menschen ziemlich beflügelt zu haben, Stichwort: Rammeln.
Der Mond stand bei den Maya und in vielen anderen Kulturen wegen seinen zunehmenden und abnehmenden Phasen und seiner wichtigen Funktion als Maßstab für viele Kalender immer eng mit Fruchtbarkeit von Pflanzen und damit als wichtiger Indikator für den Ackerbau in Zusammenhang. Andererseits auch für die weibliche Fruchtbarkeit, da die Menstruationszyklen mit den Mondzyklen ident sind. Naheliegend also, dass Mond und Hase (bzw. Häsin) in enger Verbindung zueinander stehen.

Auch die aztekische Fruchtbarkeitsgöttin Mayahuel wird mit Kaninchen in Verbindung gebracht. Sie wird sie oft mit 400 Brüsten beschrieben bzw. dargestellt, mit denen sie alle anderen Gottheiten und die Menschen nährt. Es wird auch gesagt, dass sie mit ihren Brüsten 400 Kaninchen säugt, was auf ihren Fruchtbarkeitsaspekt hinweist, da Hasen und Kaninchen als Schützlinge oder Tiere der Göttin auf ihre rege Fortpflanzungstätigkeit hinweisen.

In diesem Sinne: Fröhlichen Hasentag!

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Mehr Informationen zu den erwähnten Göttinnen:
Abnoba
Aphrodite 
Andraste
Cailleach
Chang-O
Ix Chel
Mayahuel
Ostara 

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Bildquellen:
alle Göttinnenbilder: artedea.net
full-moon-950251_1920 / Free-Photos / pixabay.com
Pareidolie: Umrisse eines Hasen mit Mörser auf dem Mond / Zeimusu / de.wikipedia.org

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