Welt-Musiktag – Wer hat’s erfunden?

Der 1. Oktober ist der Welt-Musiktag. Dieser wurde 1975 vom Internationalen Musikrat unter der Leitung des damaligen IMC-Präsidenten Yehudi Menuhin ins Leben gerufen, um Musik in allen Bevölkerungsgruppen zu fördern. Entsprechend den Idealen der UNESCO (Friede und Freundschaft der Völker) soll dieser Tag eine gegenseitige Anerkennung der künstlerischen Werte sicherzustellen sowie den internationalen Erfahrungsaustausch im Bereich der Musik fördern.
Jetzt könnten wir wieder einmal fragen: Wer hat’s erfunden?
Die Musik nämlich?
Und schnurstracks kommen wir auf Göttinnen unterschiedlichster Kulturen, die den Menschen die Musik gebracht haben, und dies aus ganz unterschiedlichen Beweggründen, und das ist spannend,
So gilt die etruskisch-römische Göttin Minerva als die Erfinderin der Poesie und der Musik, von der es heißt, sie sei die mathematischesten aller Künste.
In der chinesischen Mythologie soll die Schöpfungsgöttin Nüwa höchstpersönlich die Musik, vor allem die Flöte erfunden haben, die mit dem Atem, dem Hauch des Lebens gespielt wird, den Nüwa den Menschen vor ihrem ersten Atemzug gibt.

Im hinduistischen Glauben hat die Göttin Sarasvati alle Kulturtechniken erfunden: Zuallererst die Sprache und das Alphabet (Sanskrit). Anschließend hat Sarasvati dann die Poesie, die Musik, den Tanz, den Gesang und viele Lieder in die Welt gebracht. Damit diese von ihr inspirierten Werke aufgezeichnet werden konnten, erfand sie gleich darauf noch die Schrift, ferner die Mathematik, den Kalender und die Magie.

Und auch von der hinduistischen Mutter der Zivilisation Savitri heißt es, sie hat der Menschheit die wichtigsten Errungenschaften der Zivilisation und der Kultur gebracht, u.a. die Musik, die Literatur, den Rhythmus, die Zeit sowie die Maße Maßeinheiten. Mit all diesen Errungenschaften spendet sie Muße, Heilung, langes Leben, Unsterblichkeit und vertreibt Trübsal.

Befreiung von von gesellschaftlichen Zwängen

Die mexikanische Göttin Ahnt Kai ist die Tochter der Koo-mah’mm hahs-ay‘ tahm (der „First Woman“, also der mexikanischen Urgöttin).

Ihre wichtigste Aufgabe war es, Musik, Tanz und Gesang zu den Menschen zu bringen. Sie animiert vor allem Frauen und Kinder zu singen und zu tanzen, um so ihre innere Schönheit zum Ausdruck zu bringen.
Aber mehr noch: Dies soll sie von gesellschaftlichen Zwängen zu befreien. Denn Ahnt Kai steht auch für die Überwindung von Einschränkungen und aufgezwängten Rollenbildern. Welch feministischer Ansatz, der hier Musik zugeschrieben wird!
Sie soll sogar den Fischen das Tanzen beigebracht und sie damit fruchtbar gemacht haben und lehrt nun auch als Fruchtbarkeitsgöttin den Menschen-Frauen den „Fisch-Tanz“.

Die ägyptische Katzengöttin Bast gebietet in ihrer spielerischen Art über alle Künste. Zu diesen Künsten zählt natürlich auch Musik und Tanz, was auch bei keinem Fest fehlen durfte und darf. Und auch Feste und Feierlichkeiten zählen in den Zuständigkeitsbereich von Bast.
Auf Darstellungen hält Bast in ihrer rechten Hand oft ein Sistrum (eine Art Rassel), mit der sie auf Festen den Takt angibt.
Warum sind diese Feste mit Musik so wichtig?
Sie haben eine magische Wirkung. Sie sind eine Unterbrechung des Alltags und lassen persönliche Probleme und auch Spannungen in einer Gemeinschaft für eine Zeit lang ruhen und danach vielleicht in einem anderen Licht erscheinen. Ganz wichtig ist dabei der Rhythmus. Daher werden bei vielen schamanischen Ritualen Trommeln und Rasseln verwendet. Denn der rhythmische Schlag unterbricht ständig unsere Gedanken und bringt uns damit ins „Hier und Jetzt“. Das ist der Zauber der Musik.

Es heißt von der hinduistisch-japanischen Glücksgöttin Benzaiten, sie brachte den Menschen als „Goldglänzende Geberin“ nicht nur Nahrung, Geld und Reichtum, sondern auch Anmut, künstlerischen Sinn, Musikalität, Weisheit, Wissen und Einsicht. Wenn heutzutage oft von der Deckung der Grundbedürfnisse die Rede ist, dann sollte man in den alten Mythen nachschauen. Da kommt im Falle der Göttin Benzaiten ganz klar heraus, dass Kunst ebenso wichtig ist wie Nahrung. (Dies nur als Anmerkung zur Diskussion, ob im Schulunterricht in Zeiten wie diesen gesungen werden darf).
Als Flussgöttin ist Benzaiten zuständig für alles Fließende – also auch die Wörter und die Sprache, die fließen soll, die Eloquenz, das Wissen, das nicht stillstehen darf sowie die Wellen und Schwingungen der Musik. 

Musik als Beschwörung

Die etruskische Seherin und Sängerin Carmenta gab ihre Weissagungen in Form von Versen bzw. als Gesang wider. Damit zählt sie natürlich auch zu den Musik-Göttinnen.
Und ihre Geschichte ist ganz besonders für Frauen interessant, die sich ja oft schwer tun, singend und auch in anderer Weise ihre Stimme zu erheben. Oder für Musikerinnen speziell Komponistinnen, die weit unter ihrem Wert geschlagen wurden oder nie den Bekanntheitsgrad bekommen haben, der ihnen zugestanden wäre.
Wen es interessiert, hier eine Liste von Komponistinnen aus allen Epochen der Musikgeschichte.
Wie kam es dazu, dass Frauen in der Musik(geschichte) so sehr den Kürzeren gezogen haben? Das erklärt sich vielleicht aus Folgendem:
Die Göttin Carmenta steht für die „carmen“, das sind gesungene oder gesprochene Zauberformeln im Sinne von Beschwörungen. Dies spiegelt den uralten Glauben der Männer wider, dass die Frauen Gewalt über die Körper und Seelen der Männer hätten, weil sie gesungene oder gesprochene Zauberformeln beherrschen, mit denen die Hilfe der Göttin angerufen wird. Daher galt der Gesang von Frauen im hohem Maße verdächtig, weil man(n) ihn für eine effektive Methode hielt, einen Zauber zu sprechen. Das französische enchanter, verzaubern, bezaubern kommt vom lateinischen „incantare“, was ursprünglich „hineinsingen“ meinte, später aber auch „durch Zaubersprüche weihen“ bedeutete.
Da wundert es nicht, dass der Heilige Bonifatius (675-754) befand: „Frauen dürfen in der Kirche nicht singen“. Und die rituellen Verbote des Corpus Iuris Canonici (1234-1916) beinhalteten auch das strikte Gesangsverbot für Frauen in der Kirche. Was auch eine der „Begründungen“ war, dass Frauen nicht Priesterinnen werden durften, weil ein Priester muss im Gottesdienst singen und weil das eine Frau nicht darf, kann sie also dieses Amt nicht bekleiden. Logisch. Oder?
Noch Anfang des 18. Jahrhunderts wurde kompromisslos verkündet: „Keine Weibsperson darf bei hoher Strafe Musik aus Vorsatz lernen, um sich als Sängerin gebrauchen zu lassen.“
Allerdings: Wo die striktesten Verbote sind, dort findet man immer die größte Kraft !!!

Geschichtsschreibung durch Musik

Die hawaiianisch-polynesische Göttin Laka ist als Göttin der Musik die Begründerin des Tanzes Hula. Durch Tanzen und Musik soll Kontakt zu den Gottheiten aufgenommen werden können. Da die HawaiianerInnen keine Schrift kannten, wurden durch den Hula historische Ereignisse, Mythen und altes Wissen über Jahrhunderte mündlich überliefert. Auch in anderen Kulturen können wir durch überlieferte Musik (klassische Werke, wie Lieder, die vom Volk gesungen wurden) viel über die Geschichte und altes Wissen erfahren. Der Hula-Tanz durchdrang alle Bereiche der hawaiianischen Gesellschaft. Er war ein Unterrichtsmittel, diente der Unterhaltung und war Grundlage für lua, eine Methode der Selbstverteidigung im alten Hawaii. Soviel dazu, was Musik und Tanz alles bewirken kann.

Musik als Friedensstifterin

Die afrikanische Göttin Marimba erfand die Musik und viele Musikinstrumente – und das machte sie göttlich. Wie kam es dazu?
Es ging um eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen den beiden Stämmen der Wakambi (deren Göttin Marimba war) und den Massai. Marimba nahm einem Massai-Mann Pfeil und Bogen ab. Sie wollte sie nicht als Waffe verwenden und überlegte sich, was man damit noch tun könne. Daher band sie in die Mitte des Bogens eine Kalebasse aus Kürbis. Damit hatte sie das erste Musikinstrument, die Makwe-Yana-Bogenharfe erfunden. Sie spielte das Instrument, indem sie die Saite des Bogens mit einem Stock anschlug, die Kalebasse diente als Ressonanzkörper. Dazu begann sie das erste Lied der Welt zu singen. Das gefiel den Leuten, niemand hatte je so etwas vorher gehört. Und so geschah es auch, dass die Wakambi und die Massai miteinander Frieden geschlossen hatten, denn diese neuartige Musik gefiel beiden Stämmen. Denn miteinander Musik zu machen, ist um vieles besser, als gegeneinander zu kämpfen.

Das wäre doch gleich in gutes Motto für den heutigen Welt-Musiktag.

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Mehr zu den erwähnten Göttinnen:
Ahnt Kai
Bast
Benzaiten
Carmenta 
Laka
Marimba
Minerva
Nüwa
Sarasvati
Savitri

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