Equal Pay Day – Oh Moneta, lass Geld auf die Frauen regnen!

22. Oktober – ein Tag wie jeder andere und doch: Ab heute arbeiten in Österreich Frauen „gratis“. Wir haben wieder Equal Pay Day in Österreich.
Oh Göttin Moneta, lass Geld auf die Frauen regnen!
Der Equal Pay Day ist statistisch gesehen jener Tag, an dem Männer bereits das Einkommen erreicht haben, für das Frauen noch bis Jahresende arbeiten müssen.
Das heißt: Österreichs Frauen arbeiten 2020 im Verhältnis zu den Männern 71 Tage „gratis“.
Mir schaudert es einfach, Schwestern, wenn ich mir das bewusst mache. Und das im 20. Jahr des 21. Jahrhunderts.
Während das durchschnittliche Bruttoeinkommen von Männern in Österreich bei  53.153 Euro liegt, verdienen Frauen im Schnitt 42.880 Euro brutto im Jahr. Daraus ergibt sich ein Minus von 19,3 Prozent.

Corona macht die Arbeits- und Einkommenssituation der Frauen deutlich

Wenn es um Arbeit und Einkommen von Frauen geht, dann hat heuer dieser Tag noch viele andere Komponenten als in all den Jahren zuvor.
Die Corona-Krise hat ein helles Licht darauf geworfen, wie es Frauen im Arbeitsleben geht und womit sie, viel mehr noch als Männer, zu kämpfen haben:
So sind Arbeitsbereiche, in welchen viele Frauen tätig sind, wie zum Beispiel persönliche Dienstleistungen oder Tourismus ganz besonders von Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit betroffen. 2020 wurden erstmals mehr Frauen als Männer arbeitslos gemeldet.
Dazu kommt, dass vor allem Frauen in sogenannten „systemrelevanten“ Bereichen beschäftigt sind. In den Pflegeberufen, im Handel, in der Reinigung, in der Kinder- und der 24-Stunden-Betreuung sind überdurchschnittlich viele Frauen beschäftigt. Und diese bekommen unterdurchschnittlich wenig Gehalt.
Fast wollte ich schon schreiben: Sie verdienen unterdurchschnittlich wenig. Doch das stimmt nicht. Sie würden viel mehr „verdienen“!
Skandal: Von elf als „systemrelevant“ eingestuften Berufsgruppen haben ausgerechnet jene fünf Gruppen, in denen der Frauenanteil am höchsten ist, Einkommen unter dem österreichischen Durchschnittslohn.

… und vieles wird auch gar nicht entlohnt

Wenn nichts mehr läuft wie gewohnt, wie wir es im Corona-Lock-Down erlebt haben, dann wurde es sehr schnell klar, wer in überdurchschnittlichem Ausmaß mit Haus- und Versorgungsarbeit befasst ist. Beide sind daheim, beide machen Home-Office. Wer kocht, bügelt, putzt? Wer stellt den alten Eltern die Einkäufe vor die Wohnungstür? Wer bespaßt, beruhigt und lernt mit den Kindern?
Das alles klingt total gestrig, aber da wird plötzlich ein traditionelle Rollenbild aus den untersten Schubladen geholt und feiert fröhliche Urständ‘.
Gratulation, wenn es bei euch daheim fifty-fifty zugeht!

Frauen leisten schon in normalen Zeiten einen Großteil der unbezahlten Arbeit.
Die Mehrfachbelastung durch Home Office und Home Schooling traf Frauen um einiges stärker als Männer.
Die Aufteilung von unbezahlter Arbeit wie Hausarbeit, Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen muss nicht nur in vielen Familien neu verhandelt werden. Diese Diskussion sollte endlich in der Politik ankommen und auch dort neu bewertet werden.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – das war eine Forderung der ersten Stunde, als 1909 der erste nationale Frauentag in den USA begangen wurde.
Dass das noch nicht umgesetzt wurde – nach mehr als 100 Jahren – ist schon eine Schande für sich.
Dass unbezahlte Arbeit immer noch zu zwei Drittel von Frauen erledigt wird, ist wirklich nicht mehr zu verstehen. Das führt nicht nur zu Mehrfachbelastung, das wirkt sich drastisch auf die ökonomische Selbstständigkeit von Frauen aus. Sie haben in ihrer Berufsbiographie oft große Lücken, was ein großer Stolperstein für die Chancen auf attraktive und gut bezahlte Jobs ist.
Dass es immer noch selbstverständlich ist, dass Frauen überdurchschnittlich für Haushalt und Sorgetätigkeiten zuständig sind, führt auch dazu, dass sie oft nur Teilzeit arbeiten, was zur Folge hat, dass sie später auch eine kleinere Pension als Männer haben. Das führt geradewegs in die Altersarmut von Frauen.

Was tun?

  • Volle Lohntransparenz, damit Frauen wissen, was ihre männlichen Kollegen verdienen und ihnen womöglich vorenhalten wird.
  • Starke finanzielle Anreize für Paare, die sich die Karenzzeit fair teilen.
  • Flächendeckende Kinderbetreuung, vor allem auch in ländlichen Gebieten, wo die Lohnschere noch größer ist als in Städten. Und zwar auch am Nachmittag.
  • Mädchen und Frauen fördern, wo immer es geht.
  • Keine einschränkenden Glaubenssätze in der Erziehung (z.B. zum Thema Familienarbeit)
  • Töchter für MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, d.h. Biologie, Chemie, Physik, sowie Technik) begeistern und sie ermutigen, sich für Berufsfelder, die für Frauen untypisch sind, zu entscheiden.
  • Gendergerechte Sprache pflegen – hören Mädchen immer nur „Arzt“, „Apotheker“, „Rechtsanwalt“, „Pilot“ etc. – wie sollen sie dann von klein auf checken, dass es auch Ärztinnen, Apothekerinnen, Rechtsanwältinnen, Pilotinnen gibt.
  • Mädchen und junge Frauen bei der Entwicklung eigener Lebensentwürfe unterstützen, damit sie ihre Verhaltensweisen, Wünsche, Interessen nicht als unerfüllbare Utopien wahrnehmen.
  • Wertschätzende Haltung gegenüber allen Frauen (Frauen machen einfach andere Frauen nicht schlecht!)
  • Sich immer wieder bewusst machen, dass Frauen auf Strukturen, Prozesse und Situationen verändernd einwirken können und gemeinsam stark sind (am besten mit Vorbildwirkung für die Töchter).
  • Grenzen im Kopf abbauen – bei sich selbst und anderen.
  • Alle, die es in der Hand haben: Frauen (vor allem auch jungen) berufliche Chancen geben – bei der Einstellung und bei Karrieresprüngen.
  • Unterstützende Frauennetzwerke bilden – für private, vor allem auch für berufliche Belange.
  • Last but not least: Frauen und Mädchen mit weiblichen Vorbildern vertraut machen, auch was das „Gottesbild“ betrifft. Denn ist Gott ein Mann, dann sind auch alle Männer Götter.
    Die vielen, vielen Göttinnen, die es schon lange vor dem patriarchalen monotheistischen Gott gibt, findet ihr auf artedea.net

 

Hier mehr zur erwähnten Göttin Moneta

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