Wie lange noch? Vermischtes zum Weltfrauentag

Ich bin eine Frau. Soll ich es buchstabieren?
G Ö T T I N
Wir kennen wohl alle diesen Spruch.
Warum schreibe ich diesen genau heute am 8. März, dem Weltfrauentag?
Weil ich in all den letzten Jahren bereits geschrieben habe, dass mir zu diesem eigentlich nichts mehr einfällt. Außer meiner Hoffnung, dass wir diesen nicht mehr begehen müssen, weil endlich all die Forderungen, die unsere wackeren und tapfereren Vorfahrinnen vor 110 Jahren beim allerersten dieser denkwürdigen Weltfrauentage gefordert haben, in Erfüllung gegangen sind.

Immer noch die alte Leier

Was soll ich schreiben? Dass uns Corona um Jahrzehnte in der Gleichstellung zurückgeworfen hat, wie es zahlreiche Statistiken zeigen: 2020 (und 2021) waren es vor allem Frauen, die neben ihrem Job im Homeoffice den allergrößten Anteil an unbezahlter Arbeit übernommen haben, wie die Betreuung und das Homeschooling der Kinder, die Versorgungsarbeit für die älteren Angehörigen und es großteils Frauen waren, bei denen die Hausarbeit hängen blieb.
Soll ich schreiben, dass gleicher Lohn für gleiche Arbeit immer noch eine Utopie ist?
Dass in den 200 umsatzstärksten Unternehmen des Landes Positionen in der Geschäftsführung nur zu acht Prozent mit Frauen besetzt sind (gilt für Österreich, recherchiert es bitte für andere Länder selbst).
Dass das Gehaltsniveau in „typischen Frauenberufen immer noch eklatant unter jenen der „Männerberufe liegt.
Da können wir noch so sehr die Wichtigkeit der Systemerhalterinnen hochjubeln, kaufen können sie sich von dieser Anerkennung nichts.
Soll ich schreiben, dass nach wie vor ein marginaler Anteil an Männern in Karenz geht und es in den meisten europäischen Ländern keinerlei Konzepte und Anreize gibt, dieses Ungleichgewicht auszugleichen.
Ebensowenig wie es Kinderbetreuungseinrichtungen gibt, die sich den Arbeitszeiten der Eltern anpassen und daher es meist die Frauen sind, die auf Teilzeit bzw. geringfügige Beschäftigungsverhältnisse umsteigen, um ihre Kinder zu versorgen.
Soll ich schreiben, dass Frauen daher viel öfter von Altersarmut bedroht sind als Männer.

Jaja, natürlich haben wir viel erreicht. Seit 46 Jahren müssen in Österreich Frauen ihre Ehemänner nicht mehr um Erlaubnis fragen müssen, ob sie arbeiten dürfen. Doch wie schauen die individuellen Entscheidungen in den Familien aus, wenn die Lohnschere zwischen Männern und Frauen so weit auseinander klafft?
Jaja, in Österreich gibt es seit 48 Jahren die sogenannte Fristenlösung, die einen Schwangerschaftsabbruch in den ersten drei Monaten straffrei stellt. Straffrei heißt im übrigen nicht, dass keine Straftat begangen wird, sondern nur, dass man (eigentlich frau) dafür nicht bestraft wird.
Soll ich schreiben, dass in Österreich Schwangerschaftsabbrüche, wie auch die Kosten für Verhütungsmittel nicht von der Krankenkasse bezahlt werden. Da können wir uns überlegen, wer in den meisten Fällen für die Kosten aufkommt.
Soll ich in diesem Zusammenhang schreiben, dass in Polen das Recht auf Abtreibung de facto gerade abgeschafft wurde und es dennoch ein EU-Staat bleibt.
Soll ich schreiben, dass wir gar nicht über die Grenzen schauen müssen, weil in Tiroler Krankenhäusern keine Schwangerschaftsabbrüche im Rahmen der Fristenlösung durchgeführt werden (siehe dieser Artikel).

Jaja, wir haben viel erreicht! In Österreich ist seit 32 Jahren Vergewaltigung in der Ehe strafbar. Wunderbar! Soll ich über die Tatsache schreiben, dass statistisch gesehen in Österreich Mord- und Gewaltopfer zu einem überwiegenden Anteil Frauen sind und die Täter im Kreis ihrer Partner, Ehemänner bzw. Expartner zu suchen sind. Erst vor einigen Tagen wurde eine Frau in Wien vom Expartner angezündet und lebensgefährlich verletzt.
Soll ich schreiben, dass es die Politik (egal welcher Regierung) es bislang versäumt hat, entsprechend in Opferschutz, Prävention und Therapieangebote zu investieren.

Göttinnen als Inbegriff der Her-Story

Frauen, all diese Themen bin ich so leid! Da schreib ich lieber was über Göttinnen.
Ist ja mein Spezialgebiet. Warum ist mir seit langem die Beschäftigung mit Göttinnen so wichtig? Das hat keineswegs irgendwelche romantischen, esoterischen und auch nicht spirituelle Gründe. Es geht um puren Feminismus, um HER-Story.
Ich bin zutiefst der Überzeugung, dass hinter diesen unzähligen Göttinnen, die wir aus den verschiedensten Epochen in den unterschiedlichsten Kulturkreisen kennen, jeweils eine lebendige Frau gestanden ist. Eine Urmutter, die etwas Herausragendes geleistet oder erfunden hat und damit in die Geschichte eingegangen ist. Zuerst als Ahnin, über die sich deren Nachfahren Geschichten erzählt haben, bis sie schließlich so erhöht wurde, dass sie als Göttin wahrgenommen wurde.
Und diese Göttinnen zeigen, was Frauen im Laufe der Geschichte getan haben. Hätte es keine Jägerinnen gegeben, gäbe es sicherlich keine Jagdgöttinnen (und von diesen gibt es viele). Hätten Frauen nicht geschmiedet gäbe es keine Göttinnen der Schmiedekunst und Metallurgie. Ähnlich verhält es sich mit Göttinnen der Mathematik, der Architektur, der Gesetzgebung, des Handels und der Kampfkunst.
Das ist HER-Story! Die Geschichte der Frauen, die wir in den Geschichtsbüchern nicht finden. Die wir aber in den unzähligen Göttinnen-Mythen nachlesen können.

Warum haben Männer die Macht – und wie lange noch?

Ich stelle mir schon lange die Frage, was wohl geschehen sein mag, dass Männer so dermaßen die Oberhand bekommen konnten, dass sie die Macht über alle Lebensbereiche bekommen konnten. (Einige matriarchal strukturierte Gesellschaften ausgenommen). Dazu gibt es zahlreiche Erklärungen – von Geschehnissen während der Völkerwanderungen bis zur Sesshaftigkeit, mit der sich Männer Besitz und Ressourcen sicherten.

Und was geschah mit der sogenannten „Female Choice, mit der „Damenwahl die ja nicht nur im Tierreich bei vielen Arten, sondern auch bei uns Menschen biologisch in den Genen liegt.

Dazu hab ich einen interessanten Artikel in der Tageszeitung „Standard gefunden:
Biologin: Viele Männer werden keine Partnerin mehr finden

Ein Interview mit der Biologin Meike Stoverock, deren Buch „Female Choice: Vom Anfang und Ende der männlichen Zivilisation vor kurzem erschienen ist.
Das gönne ich mir zum Weltfrauentag.

Und übrigens: Was mir am allermeisten auf die Nerven geht, ist dass der Weltfrauentag zu sowas wie einem Mutter- oder Valentinstag verkommt. Unglaublich, was ich da in den letzten Tagen über alle möglichen Kanäle an Blümchen-, Schokolade- und Kosmetikangebote zum Weltfrauentag reinbekomme. Nicht nur von großen Firmen, sondern auch von Frauen selbst.

  • Frauentag – gönn dir eine online-Tupper-Party und hol dir dein Frauentagsgeschenk im Form einer neuen Kuchenbackform (kein Schmäh!)
  • Frauen, wir sind es uns Wert – die Super-Feuchtigkeitscreme für deinen strahlenden Teint – 25 % reduziert am Weltfrauentag.

Hört auf mit diesem Scheiß!
Wenn schon internationaler Frauentag, dann als Gedenk- und Aktionstag, als Tag der Forderungen und nicht der Geschenke!

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Eine Antwort zu Wie lange noch? Vermischtes zum Weltfrauentag

  1. Roswitha Haala schreibt:

    „als Gedenk- und Aktionstag, als Tag der Forderungen“ und als Tag des sich Selbst- plus des Frauen-, des Lebensfeierns! 😉 und wie immer: Herzlichen Dank, liebe Andrea!

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