Feiern wir die Elemente und ihre Göttinnen im Juli

Juli! Als ich ein Kind war, war mir dieser Monat der allerliebste. Er hatte so etwas von Unendlichkeit.
Die Ferien hatten gerade begonnen und deren Dauer war noch sooo laaaang. Ganz im Gegensatz zum August, der mich dann schon wieder an die Endlichkeit erinnerte, mit den Ermahnungen meiner Mutter, täglich ein wenig vom Lernstoff anzuschauen, um mich auf das nächste Schuljahr vorzubereiten.
Der Juli hingegen, das war unendliche Freiheit. Am Meer und draußen irgendwo auf einer Wiese am Land oder auch im Schwimmbad.

Daran erinnere ich mich, wenn ich jetzt im Juli unter der Hitze stöhne und mich in den Schatten verkrieche. Und ich bemühe mich, mir einen Teil dieser Kindheitsliebe zum Juli zurückzugewinnen.
Der Juli gibt ja auch rituell nicht viel her. Einer dieser Monate ohne Jahreskreisfest, zwischen der Sommersonnenwende am 21. Juni und dem Schnitterinfest, auch Lammas oder Lughnasad genannt am 2. August.
Dennoch können wir die Kraft der Göttinnen spüren und zwar ganz elementar.
Denn gerade jetzt spüren wir die Elemente so ganz ursprünglich. Erde, Wasser, Feuer und Luft als Juli-Göttinnen. Und das können wir durchaus feiern!

Die Erdmutter verschenkt sich

Beginnen wir bei der Erde. Jetzt ist ja für viele Pflanzen der Höhepunkt ihres Wachsens, bei manchen ist vielleicht noch ein wenig Geduld notwendig, bis wir sie ernten können. Aber bei vielen Beeren, bei Marillen, Kirschen, Pfirsichen können wir jetzt schon saftig zubeißen. Es fühlt sich so an, als würde sich Mutter Erde nun ganz besonders reichhaltig verschenken.
DIE Juli-Göttin ist für mich Siff. Sie lebt den Sommer über in den heranreifenden Getreidefeldern, im Winter zieht sie sich in die Erde zurück. Sie wird in den nordischen Mythologien als die angesehen, die und alles bereitstellt, was die Natur an Nahrung und Früchten aufzubieten hat. Ihre goldenen Haare werden als Symbol des reifen Ährenfeldes gedeutet.
Warum ich Siff auch so mag: Sie ist eine der uralten eigenständigen und selbstbestimmten Mutter-, Vegetations- und Fruchtbarkeitsgöttin. Innerhalb der ursprünglich matriarchal strukturierten nordischen Gesellschaft hat Siff in ihrer Wahrnehmung im Laufe der Zeit eine sehr patriarchale Wendung erfahren müssen und ist daher vor allem als Frau des Donnergottes Thor bekannt. Sie aber alles andere als dessen nette, schmückende weibliche Ergänzung.
Sie ist das beständige fruchtbare Land, er das kurze Sommergewitter. Darauf weist u.a. hin, dass sich das Land, auf dem Thor lebt, im alleinigen Eigentum der Siff befindet und dieses auch auf die gemeinsame Tochter Thrud übertragen wurde. Daher wird es auch als Thrudvangar, „Thruds Feld“ bezeichnet.
Damit ist Siff auch eine alte Erdgöttin, die sich im Land und dessen Äckern und Feldern ausdrückt. Und die wir gerade im Juli so eindrucksvoll spüren und auch feiern können.

Wasser – der große Segen der Göttin

Wie sehr freuen wir uns jetzt im Juli über das kühle Nass. Einen Sprung in die Fluten, dieser wunderbaren Sommerregen, der uns aufatmen lässt und Kühlung bringt oder auch nur die erfrischende Dusche. Wasser ist ja nicht nur für uns Menschen erquickend, die Vegetation braucht es dringend.
Wir bezeichnen immer noch die besonders heißen Zeit im Juli als „Hundstage“. Und das hat mit zwei ägyptischen Göttinnen und ihren segensreichen Fluten zu tun.
Mit hoch erhobenen nach leicht nach hinten gestreckten Armen steht sie da, ruft die große Flut, beschwört die Energien des Kosmos, spendet Segen, greift nach den Sternen: Nathor, die ägyptische Göttin der fruchtbaren Nilschwemme. Sie stellt möglicherweise den Nil als solchen dar, der als mütterliche, nährende Göttin angesehen wurde. Die beiden Arme könnten die zwei Quellflüsse des Nils (der weiße und der blaue Nil) symbolisieren, die dann im Körper der Göttin zum großen Nilfluss zusammenfließen.
Der Beginn der für die Fruchtbarkeit des Landes so wichtigen Nilschwemme wurde durch das jeweils erste Auftauchen des Sirius in der Morgendämmerung angekündigt. Dieses Ereignis fand vor 5.000 Jahren jeweils gegen Ende der ersten Julidekade statt.
Als Verkörperung des Sirius (Hundsstern) – der Hauptstern im Sternbild „Großer Hund“ – galt die Göttin Sopdet. Daher werden die Tage, an denen der Sirius sichtbar wird und die Nilschwemme beginnt, auch „Hundstage“ genannt. Ein Begriff, der sich bis in unsere Zeit für die besonders heiße Zeit im Juli gehalten hat.
Die Trance-Haltung der Göttin Nathor kann auch das Herabholen der Kräfte des Sirius – der Göttin Sopdet – bedeuten. Man sah die Ereignisse auf der Erde in enger Verbindung mit den kosmischen Kräften.
Um sicher zu gehen, dass die so wichtige Nilflut jedes Jahr wieder kommt, wurden vermutlich zeremonielle Handlungen an den Flussufern durchgeführt, bei denen die Menschen möglicherweise Figurinen der Göttin (oder deren Priesterinnen in Gebetshaltung) in die Erde steckten.

Die Freude über die Sonnengöttin

Das Feuerelement kommt (hoffentlich) nur über die Sonne zu uns und nicht über die vielen Waldbrände, die sich ja in den letzten Jahren so häufen.
Der heißeste Monat im Jahr steht in Japan ganz im Zeichen der Sonnengöttin Amaterasu.
Ihr Mythos erzählt, dass sie eines Tages verschwunden war, aus Gram hat sie sich in eine dunkle Höhle zurückgezogen. Damit entschwand auch alle Fruchtbarkeit auf Erden. Das zeigt, wie wichtig die Sonne ist, die in vielen Kulturen auch als Göttin angesehen wurde.
Durch eine besondere List der Göttin Ama No Uzume konnte die Sonnengöttin wieder aus ihrer dunklen Höhle hervorgelockt werden. Diese Freude über die Wiederkehr der Sonnengöttin, wie es der Jahrtausende alte Mythos erzählt, wird nach wie vor in Japan gefeiert. Die japanische Flagge zeigt auch das Symbol der Göttin als roter Sonnenball.
Die religiösen Veranstaltungen dauern den ganzen Monat Juli über an – im Rahmen des Gion Matsuri – Festes.
An den 3 Abenden des 14. (Yoiyoiyoiyama), 15. (Yoiyoiyama) und 16. Juli (Yoiyama) werden die Straßen wunderschön beleuchtet.
Der ganz besonders große Festtag ist der 17. Juli – da gibt es im ganzen Land ein großes Fest mit vielen Straßenprozessionen.
Vielleicht können wir ja auch die fruchtbare Sonnenkraft auf unsere ganz besondere Art feiern.

Luft – das Geschenk der Windmutter

Und gerade in diesen heißen Juli-Tagen freuen wir uns über jeden Luftzug, den Abendwind, die kühle Brise und auch diese finden wir in Göttinnen wieder.
Zum Beispiel in der lettischen „Windmutter“ Veja mate. Als eine von 60 Mate (Muttergöttinnen), die für verschiedene Ereignisse im menschlichen Leben zuständig sind, gehört sie zur großen Gruppe der mütterlichen Naturkräfte.
Da mit dem Wind das Wetter kommt und auch wieder fortzieht, wird Veja mate auch bei allen Arten von Wetterzauber angerufen. Sie bringt sowohl die leichte Brise wie auch den Wirbelsturm.
Wahrscheinlich schätzen wir die Luft zum Atmen, den kühlen Wind, der uns von der Windmutter geschenkt wird, ganz besonders im Juli.
Wie erfrischt sind wir doch, wenn wir uns mit Veja mate einlassen und uns den Wind um die Nase wehen lassen.
Sie lässt uns auch durchatmen und weht uns hinderliche Gedanken und Gefühle davon – sofern wir das zulassen und uns dem Element Luft und Wind hingeben. Sie bringt reine Luft und damit Klarheit, freie Sicht und Weite. Dies auch im übertragenen Sinn. Was wir loslassen, trägt die Luft davon.
Luft ist ja ein Geschenk, das wir von der Göttin in jedem Augenblick erhalten. Daher können wir in jedem Atemzug die Verbindung zu Veja mate stellvertretend für alle anderen Göttinnen erneuern.

Tanzen wir also im Wind, freuen wir uns über die Geschenke der Erdmutter, den Segen der Wassergöttinnen, die fruchtbare Kraft der Sonnengöttinen.
Feiern wir mit ihnen unser ganz besonderen Juli-Feste, wann immer sie uns begegnen.


Mehr zu den erwähnten Göttinnen:

Ama No Uzume
Amaterasu
Nathor
Siff
Sopdet
Thrud
Veja mate

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