Kommen die Muttersprachen von Muttergöttinnen?

Sarasvati_234x600

Sarasvati – „Erfinderin“ des Sanskrit

Heute, am 21. Februar wird der Internationale Tag der Muttersprache begangen.
Guter Anlass, sich über die eigene und alle andere Muttersprachen Gedanken zu machen.
Welche Worte, welche Redewendungen wurden noch von deiner Mutter, deinen Omas oder Tanten benutzt, die du in deinem Sprachgebrauch nicht mehr verwendest? Vielleicht hast du Lust, diese heute niederzuschreiben, weiter zu erzählen, öfter wieder selbst zu verwenden. Denn die Sprache führt zurück auf die Reihe der Ahninnen – bis zu den Wurzeln, in den Mythen oft bis zu einer Göttin, die die Sprache „erfunden“ oder den Menschen gebracht hat.
Auch wenn es das „Vaterland“ gibt, in dem die Mütter eine unglaublich tragende Rolle spielen und es daher eigentlich auf „Elternland“ umbenannt werden sollte – bei der Sprache ist klar, dass diese der Mutter zugeordnet wird, denn ihre Sprache haben wir schon als Embryo wahrgenommen.

Geschenk der Göttin

Und dass die Sprache von einer Urgöttin kommt, davon war man rund um den Erdkreis – von China bis Indien, von Ägypten bis Südamerika, vom europäischen Norden bis Australien überzeugt:

  • So ist die japanische Benzaiten als Flussgöttin für alles Fließende zuständig und damit auch für die Wörter und die Sprache, die fließen soll.
  • Die römische Göttin Carmenta gilt als Erfinderin des Alphabets und damit der „Worte der Macht“. Sie verpackt die Sprache in Verse und Reime – damit werden Inhalte besser gemerkt und dadurch bekommt Sprache auch eine Zauberkraft.

    carmenta-bearb

    Carmenta – Die Sprachzauberin

  • Von der indischen Göttin Ida wird gesagt, dass sie die menschliche Sprache geschaffen hat. Sie ist damit die Göttin der Kommunikation, des Gebetes und der Weissagung bzw. Prophezeiung. Sie schuf damit alle Voraussetzungen für das geistige Leben und alle Zeremonien.
  • Die ägyptische Isis brachte neben vielen anderen Kulturtechniken den Menschen auch die Sprache.
  • Nebst einer politische Organisation, den Gesetzen und der Ordnung gab die Inka-Göttin Mama Ocllo den Menschen auch die Sprache.
  • Bei den polynesischen Maori führt man die Sprache auf die Göttin Paoro zurück: Als die Göttin Arohirohi die erste Frau Marikoriko schuf, merkte diese, dass sie ihr zwar gut gelungen war, allerdings nicht sprechen und singen konnte. Also bat diese die Göttin Paoro, die für das Echo zuständig war, dieser ersten Frau eine Stimme zu geben. Seither können die Menschen sprechen und vor allem singen.
  • Die indische Sarasvati erfand zuerst Sprache (Sanskrit), dann die Poesie, die Musik und viele Lieder. Damit diese von ihr inspirierten Werke aufgezeichnet werden konnten, erfand sie die Schrift, ferner die Mathematik, den Kalender und die Magie. Man sagt, dass alle diese Gaben der Sarasvati magische Mitteln, mit denen man die Welt verändern, verzaubern, transformieren kann. So kommt durch ihre Worte alles in die Welt, was gerufen wird.
  • Der Name der nordischen Göttin Urd bedeutet schlicht und einfach „Wort“. Sie ist die Norne der Vergangenheit, wobei „Vergangenheit“ fast zu kurz gegriffen ist, denn Urd ist von Ur-(Ewigkeit) an da. Urd gilt als ist die Göttin des ersten Schöpfungsimpulses – und dieser wird in vielen Kulturen als das „Wort“ beschrieben, denn „im Anfang war das Wort“ und das Wort der Schicksalsgöttin Urd hat auch die letzte Gültigkeit. Aus diesem uranfänglichen „göttlichen Wort“ sollen sich alle menschlichen Sprachen entwickelt haben.
  • Die indisch-vedische Göttin Vach ist die Personifizierung der Sprache und repräsentiert alles, was hinter der Sprache steht und mit ihr in Verbindung gebracht wird. Das Sanskritwort „vach“ ist mit dem griechischen Wort „logos“ gleichzusetzen. Beide bezeichnen nicht nur Wort und Rede sondern auch deren Gehalt und den Sinn, der hinter den Worten steckt. „Vach“ und „logos“ drücken damit auch das geistige Vermögen aus, das hinter dem Ausgesprochenen steht.
    Die Sprache ist also sozusagen das Gefährt der Gedanken, die durch sie ausgedrückt, manifestiert und so auch zur Realität werden: Vach verleiht Menschen Eloquenz und hilft ihnen, indem sie etwas ausdrücken können, auch ihre Gedanken und Gefühle umzusetzen.
  • Auch die australische Schöpfungsgöttin Warramurrungundjui gab den Menschen die Sprache.
  • Einer Legende nach ist die aztekische Göttin Xochiquetzal die Stifterin der menschlichen Sprache. Sie soll in Form eines Vogels vom „Baum des Himmels“ zu den Menschen herab geflogen sein, um ihnen die Sprache zu schenken.

Sprache – die bedrohte Spezies

xochiquetzal

Xochiquetzal – Sprache als Geschenk des Himmels

Die UNESCO will mit dem Internationalen Tag der Muttersprache auch an die sprachliche und kulturelle Vielfalt erinnern.

Jeden Tag stirbt eine Sprache aus:
Weltweit werden derzeit knapp 6.000 Sprachen gesprochen. 90 Prozent dieser Sprachen sind vom Aussterben bedroht, der größte Teil von ihnen bereits im laufenden Jahrhundert – das bedeute „eine ausgestorbene Sprache pro Tag“.

Die UNESCO versteht Sprache nicht nur als Kommunikationsmittel, sondern auch als kulturelles Erbe und Ausdruck kultureller Identität.
In unserer Muttersprache fühlen wir uns aufgehoben, mit ihr können wir am besten Emotionen ausdrücken. Sie leitet uns bei unseren Träumen – den Nachtträumen wie auch unseren Wünschen und Visionen. In unserer Muttersprache können wir den richtigen Ton zu treffen, finden wir die passende Wortwahl – in den unterschiedlichsten Nuancen – bei Auseinandersetzungen, Verhandlungen und Liebesangelegenheiten.

Die Geborgenheit in der Sprache

Was passiert, wenn eine Sprache verkümmert und ausstirbt? In den meisten Bereichen der Wissenschaft ist englisch die übliche Sprache. Gerade wenn in der Wissenschaft die verschiedenen Muttersprachen als Kommunikationsmittel nicht mehr verwendet werden, dann werden für neue Erkenntnisse keine adäquaten Begriffe geschaffen. Und so sind neue Erkenntnisse nur mehr für intellektuelle Eliten zugänglich.
Das hat nichts damit zu tun, dass wir keine Zweit-, Dritt- und andere Fremdsprachen beherrschen sollen. Nur ist nach neueren Erkenntnissen aber gerade für das Erlernen anderer Sprachen wichtig, sich ganz in der Muttersprache daheim zu fühlen. Diese sprachliche Heimat gibt die Geborgenheit, zu der wir immer wieder zurückkehren können und ist eine gute Basis für den Aufbau und das Verständnis für andere Sprachen.

Wieviele Menschen sprechen deine Sprache?

Im übrigen ist die meistgesprochene Sprache der Welt Hochchinesisch (auch als Mandarin bezeichnet), die von über 850 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen wird, und die insgesamt 1215 Millionen Menschen beherrschen.

105 Millionen Menschen haben Deutsch als Muttersprache.

Hingegen wird die Sprache „Arikapú“ von 6 Menschen im Amazonasgebiet gesprochen.
Und „Yuchi“ wird von 5 Angehörigen eines indigenen Stammes im US-Bundesstaat Oklahoma gesprochen.
Die allerkleinste Sprachgruppe findet man im hohen russischen Norden. „Ter Sami“ wird nur noch von zwei Menschen gesprochen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Kommen die Muttersprachen von Muttergöttinnen?

  1. Pingback: Februar adé – Die Zaunreiterin

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s