Mann, man, Frau, frau – Kleine feministische Sprachkunde, Teil 2

Darf man „man“ sagen, wenn auch Frauen damit gemeint sind? Wäre nicht „frau“ viel passender?
Man darf, man muss und soll sogar dieses „man“ verwenden! Und das ganz bewusst.
Frauen, lassen wir uns das „MA“ nicht wegnehmen – es ist die weibliche Ursilbe.
Nicht von ungefähr wird „Ma“ bzw. „Mama“ – die erste Silben, die ein Kind sprechen kann, in nahezu allen Sprachen als Wort für „Mutter“, also weitergehend das weibliche gebärende und nährende Prinzip verstanden.
Das Wort „man“ bedeutete in der ursprünglichen altnordischen Sprache Frau.
Während das Wort für Mann „wer“ war – aus der Sanskrit-Wurzel „vir“. Das zeigt sich z.B. in wer-wulf, dem Wolfsmann.

Mond, Weisheit, Nahrung

Die Sanskrit-Wurzel „man“ bedeutet „Mond“ wie auch „Weisheit“ – die beiden wichtigsten Attribute der Großen Göttin.
Andererseits wird damit auch das Blut aus der Gebärmutter bezeichnet, welches das Ungeborene ernährt, was als der Atem oder das Brot des Lebens angesehen wurde.
Interessant, dass in der Bibel, wie auch im Koran mit dem Wort „Manna“ die Himmelsspeise oder das Himmelsbrot bezeichnet wird, das die IsraelitInnen während ihres 40-jährigen Herumirrens in der Wüste ernährt haben soll. Auch hier ist in der Silbe „Ma“ der mütterlich-nährende Aspekt deutlich sichtbar.

Bei den skandinavischen und anderen Stämmen Europas wurde mit „man“ der Mond bezeichnet – als die Schöpferin aller Wesen, die „Große Mutter“, die Mondgöttin .

Etymologisch leitet sich „Mond“ vom indoeuropäischen manas, mana oder men ab, was „das weise, vom Mond regierte Blut der Großen Mutter“ bedeutet und treffender Weise auch Worten wie Mutter, Mensch und Menstruation zugrunde liegt. Göttin und Mond, Frau und Mutter kommen in sehr vielen Sprachen also aus demselben Stamm.

Es gibt in nahezu allen Kulturen ein Wort wie man, men oder mana, das immer weibliche Kraft, Mond-Geist, Magie, übernatürliche Kräfte und Göttin bedeutet: Im Europa des Altertums war Mana die Mondmutter, die das Geschlecht der Menschen hervorbrachte. Mana oder Mania war ein gebräuchlicher Name für die Große Göttin in ihrer Gestalt als Schöpferin und Himmelskönigin, denn sie war wie der Mond selbst mit den geheimnisvollen Kräften der Frauen verbunden.
Die SkandinavierInnen nannten das Himmelreich der Göttin „Manavegr“, den Mondweg.
Aus dem Türkischen übersetzt heißt mana „Bedeutung“.
Im Spanischen besagt mana „Quelle“.

Die AraberInnen nennen die Mondgöttin Manat.
Das altgriechische Wort „menos“ hat mehrere Bedeutungen – Mond, Macht und Kraft, aber auch Monat und Menstruation stammen daraus.
Der Mond steht in der indischen Astrologie für Manas, das die Welt „reflektierende Bewusstsein“.
Im Rom der Kaiserzeit war Man oder Mana die Mutter aller „manes“ – die Geister der AhnInnen.
In Polynesien bedeutet „man“ Lebensenergie, Integrität, Unangreifbarkeit, Charisma.
Die heidnischen SkaldInnen dichteten Liebesliedern, die dem weiblichen Prinzip des Mondes und seiner irdischen Inkarnation, der Frau, geweiht waren – dies waren die „mansongr“, die „Frauenlieder“.

Die Insel der Mondgöttin

Die englische Isle of Man war früher der Mondgöttin Man geweiht.
Über die Isle of Man, die heilige Insel der Mondgöttin, sind einige Legenden überliefert und von ArchäologInnen bei ihren Ausgrabungen bestätigt worden.
Auf der Insel stand ein „Zauberpalast“ mit einer Krypta oder Kapelle mit dreizehn Säulen. Dies war die heilige Zahl des alten Mondjahres. Diese Stätte wurde später durch „auf den Boden geschüttetes Salz“ zerstört, eine Umschreibung für die christliche Angewohnheit, heidnische Heiligtümer einzuebnen und den Boden mit Salz zu bestreuen, um ihn unfruchtbar zu machen.

In „man“ steckt die ursprüngliche Frauenkraft

Die katholische Kirche verbot die Göttin Man oder Mania ausdrücklich. Nicht von ungefähr hört sich aber Maria sehr ähnlich an. Die christliche Gottesmutter wird auch immer wieder auf der Mondsichel als „Himmelskönigin“ dargestellt.

In der Wurzel und eigentlichen Bedeutung geht es also nicht um irgendeine männliche Silbe, die ein „N“ zu wenig hat, sondern um die weibliche Ursilbe und um den Namen der Mondgöttin stellvertretend für allen Frauen.

Deswegen ist die Verwendung von „man“ ein feministischer Ausdruck!
Ein kleines Detail vielleicht, aber wichtig, um uns die ursprüngliche Kraft zurückzuholen.
Ich finde, wir sollten uns diese in unserem Sprachgebrauch zurückholen, wie so vieles Weiblich-Kraftvolle, das ungerechtfertigter Weise maskulinisiert wurde.

Und die Göttin Man zwinkert Frauen immer zu, wenn sie Wort „man” — ihren Namen — verwenden.

Mehr zu den erwähnten Göttinnen:
Man
Manat
Maria

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Quellenangabe: Vieles zur ursprünglichen Bedeutung der Silbe „man“ wurde dem Buch „Das geheime Wissen der Frauen“ von Barbara G. Walker entnommen.

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