20. Februar: Corona-Feiertag

Was feiert die katholische Kirche immer am 20. Februar? Die Heilige Corona.
Ich ertappe mich in den letzten Tagen immer wieder dabei, dass ich mich daran erinnere, wie es vor exakt einem Jahr war. Kurz vor dem ersten Lockdown, der für viele von uns so überraschend gekommen ist.
Ein neuer Virus? Ja, aber weit weg in China. Und dann ging es Schlag auf Schlag. Zackbumm – alles zu: Schulen, Geschäfte, Lokale, Theater …
Wer hätte heute vor einem Jahr, am 20. Februar 2020, dem Feiertag der Heiligen gedacht, dass uns Corona für so lange Zeit so intensiv in Beschlag nehmen wird.
Am 25. Februar wurde bekannt, dass es in Österreich die ersten Infizierten gibt. Ab 16. März gab es weitgreifende Ausgangsbeschränkungen (in Österreich, in anderen Ländern war es ähnlich).
Corona hat uns seit damals fest im Griff. Natürlich das Virus, nicht die Heilige.
Aber wer wusste damals vor einem Jahr schon, dass es überhaupt eine Santa Corona gibt. Das war allerhöchstens ein kleiner Ort in niederösterreichischen Wechselgebiet.

Der heutige Feiertag der Heiligen (es gibt übrigens auch noch einen zweiten, der ist am 14. Mai) ist eine gute Gelegenheit, sich mit der Heiligen auseinander zu setzen. Denn diese – und vor allem ihre Zuständigkeitsbereiche – sind höchst erstaunlich!

Die Seuchen- und Geldheilige

Also, wofür ist die Heilige Corona zuständig?
Sie ist die Beschützerin gegen Seuchen und Unwetter.
Kein Schmäh! Sie lebte angeblich bereits vor rund 2.000 Jahren.
Und nicht nur gegen Seuchen ist sie die richtige Ansprechperson. Sie ist darüber hinaus auch höchstpersönlich für den Schutz der Fleischer und Metzger zuständig. Genau jener Berufsgruppe, die vor einem Jahr vor allem in Deutschland im Zentrum des Interesses stand, weil auf den Schlachthöfen die Arbeitsbedingungen so miserabel sind und es daher eine Reihe von Ansteckungen mit dem Covid-Virus genau dort gegeben hat.
Corona soll aber auch noch Glück in allen Geldangelegenheiten bescheren. Und das ist ja auch das, was zur Zeit viele gut gebrauchen können, die jetzt ihre Geschäfte schließen oder ihren Betrieb einstellen müssen.
Nicht von ungefähr ist „Krone“ eine Bezeichnung für verschiedene Währungen. Denn natürlich trägt die Heilige eine Krone, also eine „Corona“ am Kopf.
Und diese wiederum war in der griechischen und römischen Antike ein zu kultischen Zwecken getragener Kranz aus Blumen, Blättern oder Zweigen bzw. die Nachbildung eines solchen Kranzes aus Metall.

Die Krone der Göttinnen

Und natürlich sehen wir auf Darstellungen immer wieder Göttinnen mit so einer Corona, wie z.B. bei Demeter und Kore oder auch Inghean Bhuidhe eine Krone aus Kornähren.
Priesterinnen und Priester der verschiedenen Gottheiten sowie natürlich gekrönte KönigInnen trugen und tragen als Zeichen ihrer Würde eine Corona.
Anlässe, die mit Geburt, Tod und anderen Wendepunkten des Lebens in Zusammenhang stehen, wurden im Altertum nicht ohne die Corona-Krone begangen.
Jetzt scheinen wir es ja tatsächlich mit einem großen Wendepunkt in unserer aller Leben zu tun zu haben. Und tja, dies wird auch nicht ohne „Corona“ begangen.

Und natürlich bekamen alle, die bei antiken sportlichen Wettkämpfen einen Sieg erringen konnten, einen Krone aufgesetzt.
Wollen wir hoffen, dass bei uns in diesen pandemischen Zeiten die Vernunft und Menschlichkeit siegt und wir uns alle letztendlich eine Sieges-Krone aufsetzen können.

Zurück zur Heiligen Corona:
Natürlich wissen wir wie bei allen diesen frühen Heiligenlegenden nicht, ob die ProtagonistInnen tatsächlich gelebt haben und wie ihr Leben und damit auch ihre ganze Martyriumsgeschichte wirklich verlaufen ist.
Im Fall der Heiligen Corona ist man sich ja schon nicht einig darüber, wo sie überhaupt daheim war.
Es gibt unterschiedliche Varianten:
In Damaskus in Syrien oder in Antiochia (heute Antakya in der Türkei) oder in Alexandria in Ägypten oder auf Sizilien in Italien oder in Marseille in Frankreich.

Corona – von Palmen zerrissen

Eines ist natürlich klar: Ein saftiges blutrünstiges Martyrium zu Erreichung des Heiligenstatus‘ musste es immer geben. Und so erzählt uns die Legende, dass Corona verhaftet und schließlich hingerichtet wurde, weil sie Menschen, die gemartert wurden, trösten wollte. Verdächtig war sie schon, als sie bereits als Teenager die Ehegattin des Soldaten Victor wurde, der sich während der Christenverfolgung weigerte, seinen christlichen Glauben zu widerrufen und deshalb hingerichtet wurde.
Corona starb im Alter von erst 16 Jahren und zwar indem sie mit zwei gebeugten Palmen beim Emporschnellen zerrissen wurde. Deswegen wird sie auch immer mit Palmen oder Palmwedeln gezeigt.
Der Palmzweig ist ja eigentlich ein Friedenssymbol. 
Ich finde, das alles hat auch wieder ziemlich Symbolkraft – dieses Auseinanderreißen, stellvertretend für viele Gewohnheiten, für unseren Lebensrhythmus, für die Komfortzonen vieler Menschen, die nun seit mittlerweile fast einem Jahr einer ziemlichen Belastungs- bzw. Zerreißprobe ausgesetzt sind.

Die Legende der Corona und ihres Verlobten Victor ist im sechsten Jahrhundert nach Italien gelangt. Reliquien kamen von Ägypten über Zypern und Sizilien nach Norditalien.
In Castelfidardo nahe Ancona soll es damals schon eine der Corona und dem Victor geweihte Kirche gegeben haben.
Kaiser Otto III. brachte 997 Reliquien aus Otricoli bei Terni nach Aachen, Kaiser Karl IV. überführte andere von Feltre nach Prag.

Wo überall finden wir Corona?

Die Verehrung der Heiligen Corona ist in Altbayern, Böhmen und Niederösterreich seit dem 14. Jahrhundert nachgewiesen. In Österreich existierten zahlreiche Wallfahrtsvereine, Altäre und Hauszeichen ihres Namens.
Bekannt sind zahlreiche Wallfahrtsorte wie beispielsweise St. Corona am Schöpfl, St. Corona am Wechsel, die Wallfahrtskirche St. Corona bei Staudach, die Wallfahrtskirche Handlab, die der Heiligen Corona gewidmet ist oder das Pfarrdorf Korona, ein Gemeindeteil in der Stadt Passau.

Aber auch in den U.S.A. findet man mehrere Coronas: Im Riverside County in Kalifornien gibt es eine Stadt namens Corona und im US-Bundesstaat South Dakota hat ein Dorf mit 112 EinwohnerInnen denselben Namen wie auch eine Stadt in New Mexico, ein Ort im Tipton County, Tennessee, wie eine Siedlung im Pima County, Arizona.
Corona ist ein Stadtteil von New York City im Stadtbezirk Queens.
Es gibt den Monte Corona, einen nahezu kreisrunder Vulkankegel im Norden der Kanareninsel Lanzarote.
Corona hat es bis nach Mexico geschafft, wo eine Biermarke nach ihr benannt wurde. Und nach Japan in Form des Autos Toyota Corona.

Und ein „koronaler Massenauswurf“ ist nicht eine verstärkte Virenschleuder durch Hustenanfall, sondern eine Sonneneruption, bei der Plasma ausgestoßen wird.

Als Koronargefäß wird eine Arterie bzw. Vene bezeichnet, die den Herzmuskel mit Blut versorgt oder dieses aus ihm abführt.

Und wenn wir schon beim Körper sind: Eine Krone tragen Frauen nicht nur am Kopf, sie haben auch eine „Corona Vaginalis“.
Und nein, das ist keine virale Infektion der Vagina, sondern eine Ansammlung von ringförmig angeordneten Schleimhautfalten, die einer Krone oder einem Kranz ähnelt.
Viele glauben ja immer noch, dass es so etwas wie ein Jungfernhäutchen gibt. Die Vorstellung von einer straff über die Vaginalöffnung gespannten dünnen Haut, vergleichbar mit der Frischhaltefolie ist natürlich ein Schmarrn.
Aber es gibt die „Corona Vaginalis“ und die ist wunderbar!
Näheres dazu siehe HIER.

Die Himmelskrone

Und natürlich finden wir sie auch am Himmel, als Corona Borealis, ein Sternbild nördlich des Himmelsäquators. Der griechischen Mythologie nach war die Corona Borealis, auch nördliche Krone genannt, die mit Edelsteinen besetzte Krone der Ariadne.
Ja, das ist die kretische Göttin, die wir im Zusammenhang mit dem Labyrinth kennen.
Übrigens: Ein Labyrinth ist kein Irrgarten!
Man geht hinein bis zum Innersten, dem tiefsten Wesen des Seins und findet am Retourweg (geläutert und mit vielen Erkenntnissen) auch immer wieder hinaus.

In der keltischen Mythologie war die Nördliche Krone (Caer Arianrohd) das Rad (oder auch das Schloss) der Göttin Arianrhod.

Sie lenkt die mystischen Kräfte der Sterne und gilt als Schicksalsgöttin. Arianrhod hält das Schicksal aller Lebewesen in der Hand und spinnt es auf einem Spinnrad, das durch ein Rad der Sterne (oder auch durch den astrologisch-astronomischen Tierkreis) dargestellt wird, zu silbernen Fäden.

Als Corona bezeichnet man auch eine Leuchterscheinung um Mond oder Sonne, die durch Beugung des Lichts an den Wassertröpfchen von Wolken verursacht wird.

Auch interessant: Es gibt einen italienischen Orden, den „Ordine della Corona d’Italia“ der 1868 durch König Viktor Emanuel II. als Verdienstorden zum Andenken an die Einigung Italiens gestiftet wurde und zwar zur Belohnung von außerordentlichen, in direktem Interesse der Nation von ItalienerInnen wie AusländerInnen geleisteten Diensten.

Gebet an Santa Corona

Das Corona-Gebet, auch Kronengebet genannt, war ein volksmagisches Ritual als Anrufung an die Heilige, das besonders im 17. und 18. Jahrhundert populär war und zum Aufspüren verborgener Schätze diente sollte. Es findet sich in mehreren Zauberbüchern, darunter auch im 6. und 7. Buch Mose.
Gebete an Santa Corona drehen sich ja schon seit langem um Geld, wie z.B.:
„Heilige Corona! Ich bitte Dich, verschaffe mir Geld, viel Geld, aber solches Geld, welches gang und gäbe ist!“
„Heilige Corona steh‘ mir bei und stelle mir den Schatz frei, mache, dass es geht vonstatten und ich erhalte 100 Dukaten.“

Viel mehr zu den Corona-Gebeten kann man in diesem Standard-Artikel nachlesen.

Wollen wir mal sehen, welche „verborgener Schätze“ die Corona-Virus-Krise für uns noch so bereit hält.

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Mehr Infos zu den erwähnten Göttinnen:
Ariadne
Arianrhod
Demeter
Inghean Bhuidhe
Kore

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Bildquellen:
Statue, um 1859, am Hochaltar der Pfarrkirche in St. Corona am Wechsel / Joachim Schäfer / http://www.heiligenlexikon.de
Corona /  artedea.net
Inghean Bhuidhe / artedea.net
Sportlerin mit Corona / Josep Renalias / de.wikipedia.org
Santa Corona af Mesteren for Palazzo Venezia-madonnaen / commons.wikimedia.org
Juno Februata / artedea.net
Ariadne / artedea.net
Arianrhod / artedea.net
Votivbild, 1905, in der Pfarrkirche in St. Corona am Wechsel / Joachim Schäfer / http://www.heiligenlexikon.de

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