Stillende Isis am Frauenberg gefunden

Am Frauenberg bei Leibnitz in der Steiermark wurde heute eine 1.900 Jahre alte römische Statuette einer stillenden Frau gefunden. Von der etwa faustgroßen steinernen Figur wird vermutet, dass diese die Göttin Isis in Form der „Isis lactans“ (stillende Isis) darstellt.
Der Frauenberg ist einer der großen heiligen Berge der Steiermark. Die frühesten Besiedlungsspuren auf dem Frauenberg führen in die Jungsteinzeit.

Seinen Namen hat dieser Berg nicht von ungefähr, denn schon lange wird dort ein alter Frauen-Ritual und -Kraftplatz vermutet.

ForscherInnen und ArchäologInnen deuten diesen Sensationsfund als eindeutigen Beweis dafür, dass es am Frauenberg einen Isis-Noreia-Tempel gab. Der steirische Archäologe Dr. Bernhard Schrettle misst der kleinen Figur einen hohen religionsgeschichtlichen Wert zu, weil seiner Meinung nach damit auch der langen Spekulation um die am Frauenberg verehrten Göttin ein Ende gesetzt sei.

All dies ist wieder einmal ein guter Hinweis dafür, auf Namen von Ortschaften, auf Flurnamen, Bezeichnungen von Bergen, Quellen u.s.w. zu achten, um sich alten Göttinnen- und Frauen-Kraftplätzen zu nähern. Und natürlich überall dort hellhörig zu werden, wo es eine der Maria geweihte Kirche gibt – und auch dort die zugrunde liegende Göttin zu suchen. Denn natürlich gibt es auch am Frauenberg eine ganz alte Marienkirche – erstmals urkundlich erwähnt im Jahre 1170.
Ganz eindeutig zeigt dieser neue Fund die Verbindung: Isis mit dem Horusknaben in ihren Armen bzw. an ihrer Brust war ja sozusagen die Vorlage für die christliche Maria mit dem Jesuskind.

Mehr Info hier:
Kleine Zeitung
ORF Steiermark

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3 Antworten zu Stillende Isis am Frauenberg gefunden

  1. R.Haala@web.de schreibt:

    Herzlichen Dank Andrea! Höchstinteressant!
    Typisch, dass auf den Isis-Frauenkraftplatz mit der frühen, noch spärlichen Christianisierung eine Kirche gebaut wurde. Alles wurde nach und nach besetzt.
    Im „Großen Ploetz“ steht übrigens, dass erst im 14. Jahrhundert die Rede von einer „flächendeckenden“ Christianisierung seien kann.
    An Folgendes bzgl. der mittelalterlichen Hebammen sei er_innert:“Doch es war nicht einfach, die jahrhundertealte Tradition der Geburtshilfe zu zerbrechen. Denn außer über berufsmäßige Hebammen funktionierte, wie auf dem Land, die Geburtshilfe in den Städten auch als eine Art Nachbarschaftshilfe unter Frauen; eine städtische Regelung der Geburtshilfe mußte also als Eingriff in einen tabuisierten weiblichen Bereich empfunden werden. So wurde die erste geschichtlich feststellbare Hebammenordnung aus dem Jahre 1452 für Regensburg noch mit Hilfe einer Hebamme aus Nürnberg verfasst, und bis zu Beginn des 16. Jahrhunderts oblag die städtische Kontrolle der Hebammenpraxis ausschließlich Frauen. (…)“ Ab da hatte sich dann in den Städten „die Aufsichts- und Prüfungspflicht“ des Stadtarztes über die Hebammen durchgesetzt.- bis auf Leipzig, dort war es noch bis 1653 üblich, „daß die Wahl und Prüfung der Hebammen durch die Gattin des Bürgermeisters vorgenommen wurde. (…)
    Die Hebammen wehrten sich offenbar gegen die ärztliche Aufsichtspflicht. Es scheint ihnen in den Ordnungen zur Pflicht gemacht worden zu sein, sich von den Ärzten belehren zu lassen, die von Männern verfassten Hebammenbücher fleißig zu lesen und den Ärzten in den Prüfungen bereitwillig und genau ihr Wissen kundzutun. Wie aber sollten sie solche Lehrbücher akzeptieren oder die wissenschaftliche Kompetenz der Ärzte auf dem Gebiet der Geburtshilfe anerkennen? Sie waren diesen schließlich durch ihre tägliche Praxis und durch das in Jahrtausenden gewachsene weibliche gynäkologische Wissen weit überlegen.
    Sie ahnten vielleicht, daß die ärztliche Aufsichtspflicht auch dazu dienen sollte, den Buchmedizinern auf diese Weise Kenntnisse der Geburtshilfe zu verschaffen. (…)
    Solange die Geburtsmedizin nur den Frauen gehörte, war für sie die Gebärfähigkeit vorwiegend etwas Positives, ein Ausdruck (…) natürlicher weiblicher Macht (…).
    In den (Anm. v. mir: patriarchalen) Hebammenbüchern und -ordnungen wurde aber die christliche Lehre als verbindlicher Rahmen für die Geburtshilfe durchgesetzt. Die Gebärfähigkeit der Frau war danach mit dem Fluch der schmerzvollen Geburt belegt, und daran wurden die Frauen in den Hebammenbüchern und städtischen Verordnungen ständig erinnert. Das Titelbild eines der verbreitesten Hebammenbücher von Jacob Ruff aus dem Jahre 1580 ist überschrieben mit dem Bibelzitat:
    `Und zum Weib sprach Gott der Herr: Ich will dir Schmerzen schaffen/ wen du schwanger wirst/ Du sollst mit Schmerzen deine Kinder gebären/ und dein Will soll deinem Mann unterworfen sein/ und er soll dein Herr seyn.`(…)“ S.112 und 113 * Herr_schafts_zeiten sind total krank und machtbesessen!!!
    S. 115*:“Der von den Städten geregelte Hebammenberuf umfaßte nicht nur die Geburtshilfe, sondern setzte die Hebamme auch als Kontrollinstanz über das Frauenleben ein. So sollte sie dafür Sorge tragen, daß der letzte Frauenkult, das Kindbettfest, aus dem städtischen Leben verschwand:`und nach der Tauf ist es nit fein (…) mit den Frauen ein großes Fressen und Trinken zu veranstalten.` (…) Es war bei der Geburt üblich, daß nicht nur die Hebamme, sondern auch zahlreiche weibliche Verwandte oder befreundete Frauen zu diesem Ereignis zusammenkamen, um dann freudig den Erfolg der Geburt zu feiern. An diesen `Kindbetthöfen`durften nur Frauen teilnehmen, und es ging dort sehr lustig zu. Es wurde gut gegessen, Wein getrunken, ausgelassen getanzt, und meist dauerte dieses Fest solange, bis die junge Mutter das Wochenbett verließ. Auch das erste Bad der Wöchnerin nach der Geburt war Anlaß zu einer gemeinsamen Feier mit Freundinnen. (…)“
    Statt das Leben willkommen zu heißen und zu feiern, der christliche Fluch eines eifersüchtigen Gottes und seiner Heer_scharen!
    Da lob ich mir doch die lebensfrohen Isis und ihr Kind – Zeiten!
    Leid_er mutierte der Heros zum Patriarch. Aber, „er“ kann sich auch wieder be_Sinnen!

    *“Aus der Zeit der Verzweiflung – Zur Genese und Aktualität des Hexenbildes“, Becker, Bovenschen, Brackert u.a., edition suhrkamp

  2. Astrid schreibt:

    Danke für den Artikel. Eine Anmerkung noch dazu. Der Isis-Tempel am Frauenberg ist auch deshalb etwas Besonderes, weil die Marienkirche nicht wie üblich auf seine Fundamente sondern daneben hingestellt wurde.
    Und es scheint schon lange vor der römischen Besiedlung ein Frauenheiligtum hier gegeben zu haben. Der Platz weißt auch geomantische Besonderheiten auf. Mehr ist hier nachzulesen:
    http://www.seggauberg.at/Geschichte-des-Frauenbergs.16.0.html

    Liebe Grüße aus Leibnitz:-) Astrid

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